Die Mitbewohnerin der Wahlschwester hat mal geäußert, dass die Menschen den Tod nicht als dem Leben zugehörig sehen.
Das leuchtet sofort ein, da muss man wenig zu sagen.
Allerdings bezog sie das auch auf Beziehungstode, und das ist sehr schlau: Niemand nähme hin, dass Beziehungen zu Ende gehen können.
In “Keine Lieder über Liebe” gibt es eine Szene zwischen dem Protagonistenpaar, in dem es um die Endlichkeit von Zwischenmenschlichem geht. Sie sagt, dass es unrealistisch wäre, zu glauben man bliebe ewig zusammen.
“Naja. Irgendwie schon.”
“Warum bist du dann mit mir zusammen?”
“Weil ich… hoffe, dass es diesmal nicht passiert.”
Keine Lieder über Liebe
Für mich enttarnte sich an dieser Stelle das romantische Ideal, eben durch das obig beschriebene Wissen um die Sterblichkeit. Das fand ich ganz schön.
Aus diesem Grund war auch die Aussage am Ende
in meinen Augen so schön.
Die erste Frage ist also:
Glaubt man an den Tod oder nicht?
(Man kann insbesondere das erste von zwei Zitaten bei 3und20 diesbezüglich interessant auf Beziehung anwenden)
Die zweite Frage ist:
Glaubt man an Mord? Kann man den Tod einer Beziehung herbeiführen? Kann das irgendjemand?
Marianne Fredrikson schreibt in ihrem Buch “Simon” darüber, dass eben jener Simon Schluss gemacht hätte, mit seiner Freundin. Der Vater von Simon antwortet darauf sinngemäß
Das finde ich schlau. Irgendwie glaube ich nämlich nicht an ein Ende. Zumindest nicht Ende as in Schluss-Aus-Vorbei. Irgendwas kommt immer.
Ich habe nun in mir einen Widerspruch bei diesen beiden Fragen bemerkt.
Ich glaube eigentlich nicht an den Tod, wie gesagt. Irgendwas kommt immer.
Aber ich befürchte mir eingestehen zu müssen, dass ich schon oft gemordet habe.
In meinem Leben gibt es eine Reihe von Menschen, mit denen die Zwischenmenschlichkeit für mich irgendwie vorbei war.
Ich hab mich verändert, sie haben sich verändert, was weiß ich. Da war es nur logisch, nichts mehr rein zu investieren.
Aber das fand nur ich, für die jeweils anderen Menschen schien es wohl immer ziemlich aus heiterem Himmel zu kommen (um bei der Mordmetapher zu bleiben war es also heimtückischer Mord).
Das passt nicht zusammen.
Es passt besser, wenn man an Wiedergeburt von Beziehungen glaubt – vielleicht tue ich das.
Weil ich eigentlich immer offen war für ein neues Aufleben einer Beziehung. Beispielsweise mit der Wahlschwester ist es auch so gekommen. Das war einfach vorbei (damals sogar einvernehmlich, glaube ich, das war ganz gut), und auf dem Parkplatz eines Festivals ging es wieder los.
Ja. So muss es sein. Zwischenmenschliche Reinkarnation folgt dem kleinen Tod.