Archiv für May 2007


29.05.2007 13:02
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Es gibt da eine Diskrepanz in mir. Vielleicht ist sie keine, aber da ist sie trotzdem.

Ich denke viel in Konzepten. Das ganze Blog hier ist ein einziges Kopfding, und im Grunde bin ich froh drum. Froh, zu wissen was ich will, mir das zu erlauben, und die Dinge benennen zu können, die mir gut tun. Freiheit, Nähe, Ehrlichkeit, Offenheit, Begegnung auf Augenhöhe, wenig Namen für Beziehungen, mehr Beziehungen. Das sind gute Sachen.
Jedoch, es gibt da noch diese andere Ebene, und manchmal glaube ich, die kann ich leider nicht so gut. Nämlich den ganzen Kram machen. Oder nein, eigentlich noch anders, eigentlich einfach machen, unabhängig davon, ob es der Kram da oben ist oder nicht.

Das Mädchen von der Party zum Beispiel, oder Cullawine, da sollte ich einfach mal wirklich hinfühlen, auch wenn das scheiße klingt, einfach mal dem hinterherleben, was wahrscheinlich schon abgefahren ist, wenn ich mit Denken fertig bin.
Mannmannmann. Wieso wird die Liebe eigentlich nicht einfacher, wenn man mehr darüber weiß, oder versteht? Wieso gilt der Kopf nicht?

PS: Das sind rhetorische Fragen.

27.05.2007 21:26
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BANG! Ich bin ich auf einer Party, und das Mädchen, das hier im Blog noch keinen Namen hat, ist auch da. In dieses Mädchen war ich lange verliebt und das war, natürlich, zunächst sehr schön aber dann auch sehr schwierig.
Die Karten, also das Tarot, haben mir da immer Hoffnung gemacht, selbst jetzt im Urlaub sprachen sie von einer neuen Begegnung in Augenhöhe, von neuen Wegen. Auch von Schmerz, aber hey, es geht ja um die Liebe.

Jedenfalls: BANG! Als wir uns vor kurzem sahen, nach einer Zeit, in der wir beide wenig voneinander gehört hatten, ich habe Diplomarbeit geschrieben, sie auch irgendwie sowas, war es sehr schön. Wir waren auf der Burg, und mir tat gut, dass es ihr offensichtlich nicht so leicht fiel, meinen Werbungsversuchen zu widerstehen. Gleichzeitig gefiel mir auch, dass meine Werbungsversuche in mir spielerischer waren als noch einige Monate zuvor, nicht mehr so drängend . Da dachte ich schon “Gut, es wird ruhiger. Ich hab sie noch gern, und hier ist auch etwas zwischen uns, aber das Ungleichgewicht ist nicht mehr so groß. Es wird gehen“.

Das ist sicher einen guten Monat her. Nun ist also die Party, und ich habe nicht damit gerechnet, dass das Mädchen auch hier sein würde. Als sie dann kommt, stehe ich zufällig (aber was ist schon zufällig) vor der Tür, betrachte ihre Ankunft und sie und: BANG!

Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht, dass es sehr leicht zu spüren ist, wenn man unglücklich verliebt ist. Wenn ich aber glücklich verliebt bin, so dachte ich, ohne Zurückweisung, merke ich eigentlich nur, dass ich glücklich bin.
Ich muss das etwas korrigieren, glaube ich. Jetzt gerade, hier auf der Party, spüre ich es deutlich. Da ist durchaus noch etwas in mir für sie. Durchaus.
Ich bin immer noch ein bisschen verliebt in dich“, sage ich ihr, als wir zu zweit in einem Raum sind, in dem wir uns später noch küssen werden. Sie lacht, und ich höre in dem Lachen ein “Ach J., sag doch so etwas nicht, es war schön, aber dann doch auch so schwierig“.
Nein, nein“, mache ich, “diesmal gefällt es mir!“, und meine es so. Ich bin glücklich, aber nicht nur.

Und wieder gefällt mir auch, dass sie nicht einfach gehen kann. Dass sie mich heranzieht, sie sich holt, was ihr gefällt. Dass sie meiner Bitte nach einem weiteren Kuss stattgibt, und es eigentlich viele sind. Auch, dass sie sich ziert, dass sie dagegen ankämpft. Es ist falsch, dass mir das gefällt, denn sie hat einen Freund, den ich mag, und ihr Kampf gegen meine Annäherung ist für sie sicher auch ein Kampf für die Liebe zu ihrem Freund. Ich möchte nicht, dass sie diesen Teil des Kampfes verliert.

Aber den anderen, den irgendwie schon.

Im Winter dachte ich, es ist vorbei. Wir sind nicht so gut darin, miteinander zu telefonieren, vielleicht, weil wir eigentlich sehr unterschiedlich kommunizieren, und ich ihre Körpersignale brauche, um sie zu verstehen, vielleicht weil es einfach so ist. Jedenfalls telefonierten wir selten, sahen uns selten, in mir wurde es ruhiger, sie musste nicht mehr kämpfen. Dann das Treffen auf der Burg, auch dort: Ruhiger, gelassener.

Aber jetzt diese Party. Bang.

27.05.2007 15:04
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Vor ein paar Tagen an einer Litfaßsäule gesehen:

Eure Puppen haben Hunger

Reclaim your öffentlichen Raum! Reclaim your Schönheitsideal! Super.

25.05.2007 12:06
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“Bahnung” oder “Priming” nennt man 2 ähnliche psychische Prozesse, bei denen es darum geht, dass Information in irgendeiner Art voreingenommen verarbeitet wird. Priming ist dabei sehr kurzfristig: Wenn ich bei der Darbietung des Wortes Kiefer einen zahnärztlichen Kontext habe, verstehe ich es anders, als wenn es um Bäume ging.
Bahnung ist, wenn ich mich richtig erinnere, langfristiger. Wenn ich Zahnarzt bin, werde ich bei Kiefer ohnehin eher an den, nicht an die Kiefer denken.

Gestern im Gespräch mit Paikja fiel mir auf, dass Liebeskummer genauso funktioniert: Die Bahnen im Gehirn, die Wege zwischen den Synapsen, sind alle belegt mit dem Partner. Denk ich an Sex, denk ich an den Partner, denk ich an Zärtlichkeit, denk ich an den Partner. Kino, Essengehen, Geburtstag, immer denk ich an den Partner, weil ich ihn oder sie in der letzten Zeit ja tatsächlich oft mit diesen Dingen in Verbindung gebracht habe.

Synapsen
Wo ist die Liebe in diesem Bild?

So erklärt sich zweierlei: Zum Einen ist klar, warum es nach einer Trennung so unglaublich unvorstellbar ist, sich auf einen neuen Partner so einzulassen: Die Bahnen sind ja belegt. Meine Vorstellungen, also Phantasien, mit einer neuen Partnerin, schießen durch die Synapsen, aber treffen immer die alten Vorstellungen – und verlieren, denn die alten sind lebhafter, genauer, detaillierter und vor allem: realer.
Aber zweitens erklärt sich so, warum der Abstand so gut tut, und warum man mal was anderes machen sollte. Die Synapsen müssen sich erholen, und wenn man mehr erlebt, sind die Bahnen wieder frei. Das nennt man (obschon eigentlich nicht so langfristig gemeint) Refraktärzeit, und wenn sie um ist, kann man neuen Menschen ganz unvoreingenommen begegnen.

Vorher, das muss man wohl so hart sagen, haben sie wenig Chancen, und sind eher dafür gut, die Bahnen im Gehirn wieder freizuschießen.
Kein ganz schöner Sinn einer Beziehung, aber seid ehrlich: Übergangsbeziehungen, oder Trostpflaster, oder wie man sie nennt, sieht man oft. Oder erlebt sie sogar selbst. Und ich zumindest war tatsächlich immer dankbar für diese kurzen Beziehungen, wusste aber nicht so recht warum. Es war nie so richtig groß, und doch hatte ich das Gefühl, hat es mir so gutgetan.

Vielleicht, weil sie Synapsenputzer waren.

19.05.2007 2:52
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Manchmal steht man sich selbst im Weg mit dem Wissen, das man als Therapeut so hat. Gestern nacht haben Cullawine und ich festgestellt, dass wir uns beide schon ein bisschen verbiegen mussten, um das zu leben, was wir taten, und dass wir uns beide nicht ganz gut damit fühlten. Dann kam der Moment: Der Moment wo man merkt, jetzt ist wohl was zu Ende.
Für mich ist das gerade nicht ganz so schlimm – ich glaube, dass es dann eben anders weitergeht, es wäre einfach ein weiterer Schritt beim Aushandeln, welches Miteinander gut ist. Ich bin sicher, es gibt ein gutes Miteinander, sonst würden wir uns nicht so mögen, aber der Versuch, dass ich mich einer klassischen und sie sich eine offenen Beziehung annähert, ist nicht das richtige gewesen. Zwar ist die Gegenwart sehr schön, aber eine Zukunft sehe ich nicht, und das Leben einer Gegenwart wäre ein Versprechen, das ich nicht halten könnte – zumindest für sie, glaube ich.

Wie auch immer, gestern nacht sprachen wir darüber, und ich merkte, wie ich immer auch außen stand und uns betrachtete. Wie kommunizieren wir gerade? Welche Wirkung hat das, was ich sage? Sage ich das, was ich meine?
Du bist immer so verdammt gelassen“, sagte Cullawine, und später: “Kannst du dich überhaupt so richtig streiten?” – “Nein. Und jetzt?” fragte ich. Ich mag es nicht, wenn man mir sagt, die Art wie ich etwas tue ist nicht die richtige Art. Abgesehen davon dass ich es nicht für erstrebenswert halte, sich anzuschreien, ich es also ganz schön finde, dass ich gelassen bleiben kann – selbst wenn ich es doof fände, wäre ich nunmal so.

Später dann wurde ich doch sauer. Es war spät, meine Frustrationstoleranz sank, ihre Filterstärke sank ebenfalls, und sie sagte Dinge, die mich verletzten, die ich doof fand, verwirrend oder vielleicht beleidigend. Und von außen merkte ich, dass ich wütend wurde und dachte “Na guck, jetzt bist du doch wütend, das wird sie sicher freuen, lass das ruhig raus“.
Fürchterlich. Der Therapeut geht nicht mehr aus, der Schalter ist weg.

Und genau diese Gedanken, dieser Sensor für das, was von mir erwartet wird, genau das nervt mich, wenn ich mich auf Beziehungen (klassische) einlasse, und genau das war es auch diesmal, was mir das Gefühl gab, mich zu verbiegen. Nicht von Anfang an, aber schleichend. Der Abschiedskuss, eigentlich weil ich küssen wollte, aber dann der Gedanke: “Ach, genau, das macht man so wenn man zusammen ist“. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Nacht, aus dem Bauch heraus, und dann wieder der Gedanke: “Ja, beieinander übernachten – wie normal sich das schon anfühlt“.

Und so ist man der Architekt seines eigenen Käfigs, in dem man sich dann unwohl fühlt. Der Architekt geht nicht mehr aus, der Schalter ist weg.

18.05.2007 13:08
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“Wir haben als Gastgeber die Pflicht, dass wir alles tun, um unsere Gäste zu schützen.”
August Hanning, Staatssekretär
via NDR Online

So. Ich war ja in Italien, ich hab das alles gar nicht richtig mitbekommen mit dem G8-Gipfel, aber jetzt komm ich so langsam hinterher und bin neuerlich entsetzt. Was hier schon wieder abgeht… Das Schengen-Abkommen aussetzen, damit man die Grenzen kontrollieren kann, Razzien ohne Tatverdacht, wissentlich verfassungswidrige Verbote von Protesten, einfach weil man ja eh weiß, dass die Zeit knapp wird…

Wo lebe ich denn? Und das alles im Namen der Gastfreundschaft. Das Zitat oben ist doch ein schlechter Scherz. “Dass wir alles tun…” Entschuldigung, nur eine Frage, aber sind unsere Politiker nicht weniger unseren Gästen sondern mehr unserer Verfassung verpflichtet? Mir war doch so, als ob da sogar ein Eid geschworen würde…

Hier geht’s wirklich ab. Ich überlege ohne Quatsch, in irgendeiner Form aktiv zu werden. Ich mache mir Sorgen. Die Verfassung wird mit Füßen getreten, und wir, also wir Bürger, haben keine Rechtsmittel dagegen, außer nachher einer Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Aber was bringt das?

Was zieht das eigentlich nach sich, so ein Urteil? Wenn also jetzt nachher rauskommt, die vom Bundesinnenministerium durchgedrückten Versammlungsverbote sind verfassungswidrig, was passiert dann?
Richtig wäre folgendes: Ein gehöriges Schmerzensgeld für die Veranstalter, denn Grundrechte nicht ausleben zu können ist Freiheitsberaubung. Zudem sollten alle Entscheidungsträger, die diese Versammlungsverbote veranlasst haben, bestraft werden, mindestens mit dem Entzug ihrer Posten.

Wie können die denn bitte weiter arbeiten, unser Land im Sinne der Verfassung zu lenken, wenn sie ganz offenkundig die Verfassung verletzt haben?

Ich versteh das nicht – wieso ist der Koch immer noch Ministerpräsident, wenn er Gelder veruntreut hat?
Wieso arbeiten im Amtsgericht München immer noch die gleichen Leute, wenn diese Staatsdiener eine verfassungswidrige Abhöraktion veranlasst haben?
Wieso ist Herr Schäuble noch im Amt, bei all den Dingen, die das Verfassungsgericht ihm aus der Hand schlagen muss, damit er unseren Rechtsstaat nicht beschädigt?

Ich bin stinksauer, wirklich. So geht das nicht weiter. Geld oder Leben? Attac?. Oder doch einfach der bewaffnete Widerstand?

17.05.2007 12:32
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Geld oder Leben sind mutige junge Menschen.

17.05.2007 11:12
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Tja. Der Plasberg hat das tatsächlich gut gemacht, aber dennoch bin ich höchst unzufrieden mit der Sendung gestern. Da kam ja noch weniger rum als bei Maischberger, und das, obwohl hier nur eine Moralapostelin war, und die anderen sich das ganz dezidiert angeschaut haben.
Übrigens zunächst zur Moralapostelin: Sowas macht mich wahnsinnig. Die Hybris derer, die die geltende Norm hinter sich wissen. Mit was die argumentiert hat! In jedem Beitrag von ihr stand im Hintergrund, dass das viel Sex in der Gesellschaft etwas schlechtes ist, sowas hätte es früher nicht gegeben.
Selbst als die “Hart aber Fair”-Redaktion ein Filmchen zeigte, dass Pornographie beispielsweise in der Antike ganz fest in der Gesellschaft verankert war, und selbst davor pornographische Darstellungen belegt sind – nein, nix, “Sexualität ist eine Bereicherung für eine Beziehung, ihr Sinn ist Bindung und Nähe”. Quatsch, quatsch, quatsch, wie Ingo Appelt richtig bemerkte, Sex ist vor allem Fortpflanzung, und zu großen Teilen Macht und Unterdrückung, das was sie meint, ist Liebe.
Und dann wird Herr Appelt auch noch für diese Äußerung durch den Kakao gezogen, “so sehen das wohl die Männer”. Das sollte man sich mal umgekehrt erlauben, so ne sexistische Scheiße, wirklich. Macht euch das doch bitte mal klar, da wird sein Argument als hohl dargestellt, nur weil er ein Mann ist. Sowas geht doch nicht.

Aber ich rege mich schon wieder auf. Wieso stellt bloß niemand einmal die alles entscheidende Frage: Was bedeutet es, dass das alles freiwillig passiert? Dass Jugendliche Gangbangs besuchen ist natürlich schockierend, aber das entlarvt zunächst mal eher unsere Moralvorstellungen, dass Sex eine Zweiersache ist, und weniger eine degenerierte Jugend. Man hätte in den 20ern mal berichten sollen, dass man ganz gern masturbiert, so 3 bis 4mal die Woche, da wäre man in eine Nervenheilanstalt gekommen. Normen, Normen.

Bedenklich sind doch eigentlich nur 2 Sachen:

  1. Die Kinder machen das sicher zu einem großen Teil, um dazuzugehören. Auf der anderen Seite: Man macht mit 14 eigentlich nichts, was nicht irgendwie dazu dient, dazuzugehören. Bei mir waren es die richtigen Jeans und die richtige Musik, und schon kurz darauf war es, Sex gehabt zu haben. Der Druck ist eh da, nur ist er jetzt auf spezifischere Techniken ausgerichtet. Aber ich sehe ein, darüber müsste man reden: Wie zeigt man Kindern (nicht nur beim Thema Sex), dass es okay ist, wenn sie Sachen nicht mitmachen wollen, dass sie, nur weil alle irgendwas tun, immer noch eine eigene Meinung haben dürfen.
  2. Der angebliche Schwund der “Liebe”. Das sehe ich nach wie vor sehr skeptisch, denn zu einem Großteil heißt das einfach nur, dass die Erwachsenen andere Vorstellungen von der Liebe haben als die Kinder. Da bin ich natürlich sehr sensibel für, denn mir wurde ja auch schon mehr als einmal gesagt, ich hätte vielleicht noch nicht “richtig” geliebt, denn wenn ich das getan hätte, würde ich sicher eine Beziehung führen, wie man das eben so macht, und nicht so nen Quatsch mit Polyamory. Insofern kann dieser angebliche Schwund auch ein Wandel sein, hin zu mehr sexueller Selbstbestimmung.
    Vielleicht ist es aber auch tatsächlich was Schlimmes, wo man sich kümmern müsste. Das wüsste ich gern. Das wird aber nirgends diskutiert.

Alles in allem: Hat sich nicht gelohnt. Vielleicht mache ich mal einen Videopodcast mit illustren Gästen. Oder naja, machen geht wahrscheinlich nicht, ich bin viel zu voreingenommen, aber ne Diskussion wäre doch spannend. Hat da jemand die Technik und weitere Ideen für Gäste?

16.05.2007 18:50
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Ich hab mal eine Frage: Wer hat den Arbeitsvertrag von Horst Köhler auf Arbeitgeberseite unterschrieben?

16.05.2007 11:51
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Irreführende Überschrift…

Heute abend, 20:15: Hart aber Fair zum Thema:

Alles gesehen, nichts mehr gefühlt – wie schädlich ist die Pornowelle?

Diesmal, anders als bei Maischberger vor einigen Wochen, gibt es auch mehrere Vertreter der Porno-/ Erotikwirtschaft, die vielleicht auch etwas wortgewandter sind als Manuel Romeike.

Das schau ich mir an. Ich mag den Plasberg gern, der macht das gut. Hauptsache er behält seine neutrale Haltung auch bei diesem Thema bei, er hat nämlich selber 2 Kinder.

via ZEIT Sexblog.

16.05.2007 11:43
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Im Urlaub haben ich zwei Esten kennengelernt. Also, kennengelernt ist zuviel gesagt, eigentlich habe ich Zeit mit ihnen verbracht. Um genau zu sein, haben sie Zeit mit mir verbracht, ich habe die Zeit nicht ver- sondern rumgebracht.

Wir waren nicht kompatibel.
Ich war in Italien, um allein zu sein, um vielleicht ein bisschen italienisch zu sprechen, aber nach einer halben Stunde ist mein Wortschatz ohnehin ausgegeben, oder das Suchen nach italienischen Wörtern beginnt mich anzustrengen – hauptsächlich war ich also dort, um allein zu sein, nicht viel zu sprechen, nicht viel zu tun, ein bisschen zu zeichnen vielleicht.
Die Esten dagegen wollten eigentlich in Perugia Party machen, aber ihre Schlafmöglichkeit dort war ausgefallen, da ihr Freund nicht an sein Telefon gegangen war. Ich konnte den Freund recht gut verstehen, denn ich fand die beiden Esten total hohl. Saufen, Frauen, schmutzige Witze, coole Photos, spielerische Wettkämpfe… Hohl eben. Oder auf jeden Fall nicht kompatibel zu dem, was ich so vorhatte, sie sind sicher gute Menschen, nur für mich waren sie halt nicht so gut.
Aber nun, zumindest habe ich an ihnen sehr deutlich gemerkt, dass es wirklich ganz wunderbar ist, Zeit allein für sich zu haben. Vielleicht wäre mir das ohne ihre Bekanntschaft nicht so deutlich geworden.

Jedoch, die Geschichte die ich erzählen will ist eine andere. Ich merkte nämlich, dass ich mich, obwohl ich recht genervt war von den beiden, nicht einfach abseilen konnte. Die Insel war klein, und abends hat man sich natürlich beim Essen getroffen, es gab ja nur den einen Raum in der Jugendherberge.
Einmal waren wir auf der selben Fähre, wir wollten an den gleichen Ort, die beiden konnten kein Italienisch, ich schon. Ich hatte keinen Bock mehr auf ihr Geseier, aber: Ich bin geblieben. Habe ein bisschen für sie übersetzt, habe mir ihre hohlen Scherze angehört, so eben.

Und die Frage ist: Warum? Warum bin ich nicht gegangen? Warum habe ich nicht gesagt “Listen, boys, you sure are nice guys, but I want to be alone a lot, so, don’t take it personal, but I’ll leave now. See you.” Ich kenne die beiden kaum, ich seh sie nie wieder, warum also habe ich weiter Zeit mit ihnen verbracht, obwohl ich das nicht wollte?
Darüber dachte ich dann nach, am Abend in Italien. Und ich stellte fest, dass ich an dieser Stelle Erwartungen entsprochen habe, obwohl noch keine geäußert wurden. Das fühlt sich für mich nicht so gut an, denn ich bin kein Service-Mensch, und doch habe ich es getan.
Offenkundig, so dachte ich, ist dieses Ding, dass Erwartungen wahrnimmt und erfüllt, man kann es “Höflichkeit” oder “Anstand” nennen, aber durchaus auch “Faulheit, weil Konflikte anstrengend sind”, dieses Ding jedenfalls ist immer aktiv. Sogar bei fast fremden, hohlen Esten.
Dann ist das also meins“, dachte ich, und dachte an die Service-Menschen, über die ich mich oft ärgere, und befand: “Da ärgere ich mich also eigentlich über mich“. Denn das Ding ist meins, der Erwartungssensor ist meiner, und wie ich auf sein Piepen reagiere, müsste ich mir doch eigentlich aussuchen können.

Wahrscheinlich ist es wieder nur die Frage, ob man sich das traut. Ob man sich selbst nah genug ist, um Leute vor den Kopf zu stoßen.
Und wahrscheinlich auch, ob es das wert ist. Ob zwei Stunden mit hohlen Esten wirklich schlimmer sind als die Situation, wenn man der arrogante Egoist ist und die Esten abends eh wieder trifft. Was ja dann sicher recht unangenehm geworden wäre.

15.05.2007 18:39
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Mit Paikja hatte ich vor einiger Zeit festgestellt, dass es verschiedene Sorten von Menschen gibt (wobei uns bewusst ist, dass diese Einteilung viel zu einfach und natürlich auch nur eine von Millionen denkbaren ist):

Egoisten und Service-Menschen.

Powergirl zum Beispiel ist ein Service-Mensch. Sie würde zu Parties gehen, auch wenn sie keine Lust hat, weil es den Gastgeber so freuen würde. Tatsächlich bereitet das ihr wiederum so viel Freude, dass sie wieder gern geht.
Ich dagegen bin, genau wie Paikja, Egoist. Wenn wir müde sind, oder einfach keine Lust haben, sagen wir ab. Wir tun das nett, erklären uns vielleicht, aber für uns wäre es ganz schrecklich, trotzdem zur Party zu gehen, und den ganzen Abend würden wir uns vorwerfen, nicht auf uns gehört zu haben.

Die Kombination von Egoisten und Service-Menschen ist denkbar schwierig. Das Verhalten der Egoisten stößt die Service-Menschen vor den Kopf, und das Verhalten der Service-Menschen belastet die Egoisten, teils weil es ihnen Verantwortung abnimmt, teils weil sie spüren, sie müssten zurück Service anbieten.
Entscheidend ist meiner Meinung nach bei dieser Unterteilung vor allem die Rolle der Erwartungen. Für Service-Menschen sind Erwartungen nichts schlimmes, sie sind nur der andere Pol dessen, was sie anbieten. Das leuchtet mir sogar ein: Wenn ich weiß, dass ich für andere Menschen viel tun würde, auch wenn ich selber vielleicht nicht 100%ig dahinter stehe, dann ändert es auch nichts, wenn sie es erwarten. Es gibt kein Mehr an Druck, wenn der Plan schon in einem selbst ist – wenn ich ohnehin weiß, dass ich immer etwas zu essen für meine Gäste vorbereite, auch wenn ich Kopfschmerzen habe, bin ich nicht verärgert, wenn die Gäste sagen “Du, wir dachten wir bekommen eine Kleinigkeit zu essen…”.

Für Egoisten dagegen sind Erwartungen die Hölle. Wir wollen selbst entscheiden, was wir für wen tun, und wenn wir es tun, soll man sich freuen, und wenn wir es nicht tun, tun wir es eben nicht. Wir sind wie das Wetter.
Diese Abscheu vor Erwartungen kann sehr weit gehen. Zum Beispiel kennen sowohl Paikja wie auch ich folgende Situation: Wir sind mit jemandem zusammen, und merken, diesen Jemand stört irgendwas. Er ist still, guckt komisch, irgendwas ist, aber er sagt nichts. Vielleicht haben wir sogar eine Ahnung, was los ist, aber er sagt nichts.
Da werden wir fuchsig. Warum zur Hölle sagt er denn nichts, wenn ihn was stört? Muss ich jetzt etwa fragen? Ist doch seins… Erwartet der etwa, dass ich jetzt frage?

Schon das tut uns Gewalt an, schon das fühlt sich an wie Verbiegen, sich selbst nicht mehr nah sein.
Wahnsinn, oder? Ganz schön empfindlich.

15.05.2007 11:19
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Gestern war ich mit einer mir sehr lieben Freundin im Kino. Diese Freundin und mich einen verschiedene Vorstellungen und Vorlieben, so zum Beispiel ein Hang zu körperlichen Botschaften, will sagen Zärtlichkeit, aber gleichzeitig zu großer Unabhängigkeit. Da wir beide wissen, dass der andere auch zu Befreiungsschlägen neigt, wenn es zu eng wird, können wir recht entspannt miteinander sein. Dadurch, dass wir beide zu viel Nähe erstmal bedrohlich finden, sind wir uns sehr nah.

Manchmal küssen wir uns, nicht immer, und selten intensiv, aber es geht und ist sehr schön. Im Kino saßen wir in einem Kuschelsitz, jene ohne Lehne, und führten ihn seiner Bestimmung zu. “Pärchen spielen ist witzig”, sagte sie, und Recht hat sie.
Wir frugen uns dann, was wir sagen würden, wie wir uns nennen würden, träfen wir jetzt Freunde von uns.
“Das ist J.”, schlug sie vor – geschickt aus der Affäre gezogen, oder in die Affäre, wie man’s nimmt.

Mir fiel dann auf: Aus unserer gemeinsamen Weigerung zu definieren, und uns festzulegen, erwächst eine große Verbindung, und in gewisser Weise ist das, auch wenn es die klassischen Kriterien nicht erfüllt, im Grunde fast meine sicherste Beziehung. Zwar haben wir keinen Sex, und wir sehen uns auch nur alle 1, vielleicht 2 Wochen, aber von der emotionalen Stabilität und der Kongruenz unserer Vorstellungen sind wir ganz weit vorn.

Und das, obwohl wir uns ja, wie gesagt, gar nicht *so* nah sind, also nicht so nah, wie sich das “gehört”. Dies brachte mich zu der Überlegung, ob vielleicht für das Beziehungsgefühl die Nähe zu sich selbst wichtiger ist als die Nähe zum Partner. Ob also die Tatsache, dass ich mit ihr lebe, was sich genau richtig anfühlt, nicht viel mehr dazu beiträgt, dass ich mich ihr verbunden fühle, als irgendwelche Kriterien wie Küsse, Kuschelsitze oder Kondome.
Zumindest, so glaube ich, wenn sie schon nicht die Beziehung ausmacht, ist diese Nähe zu sich selbst auf jeden Fall relevant für die Liebe. Wer sich verbiegen muss, kann nicht lieben.

14.05.2007 0:39
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So, jetzt bitte nicht an Nazischeiße denken, die Überschrift passt schon, ist aber nicht ernst gemeint. Jedoch hatte ich gerade mit Cullawine eine Unterhaltung über den Einfluss der biologischen Uhr auf die Partnerwahl: Frauen werden mit Mitte 30 häufig nervös, was Kinder und Familienplanung angeht, und somit auch bezüglich ihrer Beziehungen. Soweit, so klar, tausendmal Thema von Filmen gewesen.

Männer haben weniger Nestbautriebe. Kann man ja alles noch nachholen, Kinder kann ich auch noch zeugen, wenn ich 70, 75, 80 bin. Immer eigentlich.

Das sorgt für Probleme. Die Männer machen nämlich einfach mal Karriere, weiterweiterweiter, wohingegen bei den Frauen irgendwann der Kinderwunsch kommt. Und mir fällt auf: Ich fände das glaub ich für Männer auch super – immerhin macht man sich so mal Gedanken darüber, was man für ein Leben führen will. Diese Gedanken sind zwar sicher mühsam, aber auch sehr lohnenswert. Dann hat man nämlich nicht plötzlich eine Midlife-Crisis, wenn man bemerkt, dass man sein ganzes Leben nur geschuftet hat, ohne auf sein Glück zu achten.

Aus all diesen Gründen wäre es total interessant, wenn Männer einfach mit 40 steril würden. Das wäre irgendwie so, meinetwegen per Erlass aus Rom, was weiß denn ich, ist ja nur ein Gedankenspiel. Dann würden sich (a) die Männer auch mal überlegen, was für ein Leben sie führen wollen, und (b) wären die Effekte für die Partnersuche total spannend. Erstmal wären natürlich plötzlich auch Männer um die 30 hoffnungslos panisch, aber auf Dauer würden sich sicher viel mehr Leute zusammenfinden, die Schiss haben vor dem Torschluss. Lauter “Was-Anderes-gabs-halt-nicht”-Beziehungen, mehr noch als jetzt schon, und natürlich viel mehr Kinder! Alles ruft ja immer nach mehr Kindern, Hilfehilfe, die Deutschen sterben aus – So würd’s gehen.

Aber natürlich zöge das andere Probleme nach sich. Zum Beispiel würden lauter Männer auf ihre Karriere verzichten, damit sind die Führungsposten, wo bis jetzt das einzige Problem die fehlenden Frauen sind, plötzlich einfach nicht zu besetzen. Alles Aussteiger, tschüs, ich erzieh lieber Kinder, die großen Firmen gehen alle pleite, das Bruttosozialprodukt sinkt, Steuereinnahmen durch Firmen auch, die Arbeitslosigkeit schnellt hoch, Kindergärten und Erziehungsgeld werden mehr benötigt… Ist vielleicht doch nicht so gut, die Idee.

13.05.2007 1:38
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Es gibt sie doch noch, die Menschen die wissen, wieso sie hier so leben können, wie sie leben können, und die das gern so behalten würden:
Peter-Alexis Albrecht ist Juraprofessor in Frankfurt und äußert sich wie folgt zu Onlinedurchsuchungen:

“Das ist strafbarer Verfassungsmissbrauch. Das ist organisierte Kriminalität gegen die Verfassung.” Es sei eine “verfassungsrechtliche Schweinerei”, dass ein Verfassungsgericht sage, “hier ist die Grundrechtsgrenze erreicht und die aktive Exekutive hat nichts anderes im Sinn, als die Gesetzeslage auf ihre Absurdität hin anzupassen.”
Peter-Alexis Albrecht
(via Heise.de)

Dem habe ich vorerst nichts hinzuzufügen.