Archiv für April 2005


28.04.2005 13:25
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Das Leben ist ein 2 Liter Trog Eis. Es macht nur Spaß, wenn man ihn mit Freunden isst und wenn du ihn nich nutzt, zerläuft er einfach zu Schlotze.

Allein für das Wort Schlotze verdient dieses Zitat meiner grundguten Schlagzeugerin Erwähnung, aber natürlich setzt sie noch einen drauf mit dem Inhalt.

Und vor allem: Was macht das mit meinem kleinen Lebenskonstrukt, dass man ja an sich ganz allein ist, es nur Nähe und keine Verschmelzung gibt, dass nur der lieben kann, der sich selbst liebt, und zwar auch wenn er ganz allein ist?
Ist die Liebe auch ein Trog Eis? Macht sie nur zu zweien Spaß? Ich glaub ja eigentlich nicht… Andererseits bin ich mir ja auch sehr klar darüber, dass ich total auf Menschen stehe, und ihre Nähe genau der Witz ist an einem Leben… Vielleicht gibt es eine innere Einstellung, die den Trog daran hindert, zu Schlotze zu werden.
Switch the button to Gelassenheit. To Hinnehmen. Dann hält das Eis länger.
Und wenn Leute vorbeikommen, um es mit dir zu essen. Umso besser. Aber satt wirst immer nur du selbst. Oder so.

27.04.2005 0:30
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Den folgenden Gedanken hatte ich in meinem ersten Blog gebloggt – ja, genau ein erstes Blog. Aber es war nur zum Testen für eine Freundin, da wusste ich noch nicht, dass es auch mir gefallen würde.
Jedenfalls ist der Gedanke von damals irgendwie charming, und ich musste gerade daran denken.

So wie es die “lie by omission” gibt, also die Lüge durch Auslassung, so gibt’s das auch beim Leben. Ständig. Eigentlich trennt einen immer nur eine dumme Idee vom Tod.
Man wartet auf die S-Bahn, man steht am Zebrastreifen, man geht über eine Brücke, man füllt Öl nach…

Obwohl sich Otto Schily und Konsorten ja wahrhaft Mühe geben, alles so sicher zu machen, dass man gar nicht mehr selber entscheiden muss, gibt es jeden Tag einige Situation (morgen zähl ich mal mit…), wo man “um Haaresbreite” mit dem Leben davonkommt.
Und das Haar ist die eigene Entscheidung, es nicht zu tun. Oder vielmehr, und das ist genau der Punkt:
Das Fehlen einer Entscheidung, es zu tun. Man geht nicht auf das Gleis. Oder auf die Straße. Oder übers Geländer.
Das interessante ist, dass ich noch nichtmal vielen Leuten unterstelle, besonders am Leben zu hängen. Sie treffen einfach in all diesen Momenten überhaupt keine Entscheidung, sie handeln einfach nicht, und genau deshalb überleben sie.
Living by omission.

“Your next step determines wether you live or die. Choose now.” stand mal in einem netten Roman.
Ich bin geneigt hinzuzufügen: “Or don’t choose at all.”

25.04.2005 12:16
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Warum bloggt sonst niemand? Ich bin traurig. Meine tollen neuen digitalen Freunde, die doch immer da sind und mir Geschichten erzählen, sind still (von einigen löblichen Ausnahmen abgesehen).
So war das aber nicht abgemacht!
Keine Themen? Oder zu viele?

25.04.2005 12:14
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Bekanntermaßen ist die Zukunft ungewiss, und ideologiekonform müsste ich das auch genau so gut finden, aber ich bin inkonsistent und freue mich auf den Herbst.
Ich werde mit der Band umziehen, wenn alles gut geht, und der Termin wird immer klarer.
Das mag eine Schnapsidee sein, aber es fühlt sich so schön an, zu wissen, dass ich mit und wegen dieser anderen drei und mit und wegen der Musik nach Hamburg ziehe, dass wir dann zusammengehören und es allen zeigen.
Ja.
Und nochmal voll rein ins Beziehungssubstitut.

Oktober, komm zu mir, dann können wir tanzen!

24.04.2005 19:31
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Ich halte mich ja durchaus für kommunikationssüchtig. Gepaart mit meinem Freiheitsdrang hat das dazu geführt, dass ich kein Handy habe, Handy ist nämlich immer auch Verpflichtung (“1 Anruf in Abwesenheit”, “2 ungelesene SMS”), ich aber andererseits nen Rappel kriege wenn ich nicht morgens und abends meine Mails abrufen kann.
Mails sind nämlich super flexibel, die können zwischen einer SMS und einem langen Brief alles sein.

Diese Form der ständigen Erreichbarkeit, diesem Wunsch, ständig mit meinen Lieben kommunizieren zu können (ohne es zu müssen), find ich super.
Ich kriege gerne Mails, ich lese gerne Blogs, und mag es, wenn da Bezüge sind, wenn man sich zugehörig fühlt.
Das stieß mir gerade etwas quer auf, als ich gerade die Zeile “I wish all my friends were online all the time” vor mich hin sang.

Letztlich ist das ja der Wunsch, dass da immer jemand ist, der oder die für einen da ist, einem zuhört. Also der ganze Quatsch, den ich in Beziehungen doof finde, kommt so hinterrücks zu mir zurück, auf digital gemacht.
Verstörend. Ich hasse doch jede Form der Abhängigkeit (u.a. deswegen trinke ich auch keinen Alkohol), und jetzt muss ich für eine meiner beiden, die ich mir erlaube (Kaffee und Internet) auch noch einsehen, dass sie dem sehr ähnelt, was ich immer seltsam fand.
Naja, immerhin sind es ganz viele Leute, nicht eine Person, das ist zumindest nicht exklusiv, aber dafür doch ganz schön abhängig, halt.

Selbsterkenntnis stinkt. Aber hey, niemand hat gesagt der Weg ist nicht schwer. Jetzt muss ich nachdenken. Und Ravioli essen.

24.04.2005 16:17
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Hurra, ich mach’s richtig gerade. Interessanterweise ist es viel leichter, intensiv zu leben, hier und da Kultur zu genießen, im weitesten Sinne, wenn eigentlich das Referat nach mir verlangt.
Ich habe mich sehr bewusst auf den ersten Termin gestürzt, weil ich so am Durchhängen war, und es klappt.

Jetzt stellt sich mir die Frage: Ist es immer nur im Kontrast, und zwar im intraindividuellen, dass Dinge besonders schön werden? Muss ich sozusagen irgendwas Schlechtes (das Referat ist eigentlich ganz cool, aber ihr wisst schon) aufladen, damit die guten Sachen das aufwiegen können?
Ohne Erschwernisse nichts zum Aufwiegen…
Interessant.

23.04.2005 1:10
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23 von 106 meiner Beiträge hier beginnen mit dem Wort “Ich”.
Das sind fast 22%… macht mich das schon zu einem Profilneurotiker? Wahrscheinlich schon.

23.04.2005 1:05
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Zu faul zum Leben bin ich leider oft. Ich würde gern “gewesen” schreiben, weil es cool ist, aber ist halt auch falsch.
Sehr oft bin ich mir so einigermaßen bewusst, dass irgendwas echt “besser” (read: intensiver, schöner, echter) gelebt wäre, als nun gerade zuhause zu sitzen und im Netz zu surfen oder Computer zu spielen.
Das leuchtet sofort ein, denke ich, immerhin ist fast alles “besser” (read: s.o.) als das.

Aber manchmal ist man (read: ich) dann eben doch zu faul. Obwohl man genau weiß, dass da draußen das Leben wartet, willig und klasse gekleidet, bleibt man daheim.
Weil das Leben eben anstrengend ist. Weil es einen fordert, weil es sehr viel Aufmerksamkeit braucht und, wenn man es erstmal näher kennenlernt, plötzlich all die alten Bekannten ziemlich alt aussehen lässt, allen voran Herrn Alltag und Frau Zeitdruck (letztere ist die Mutter von Gleich und Später).
Und die sind einem ja lieb geworden.

Manchmal trau ich mich dann doch. Das Nachlader-Konzert und alles was da so dran hing, war ein sehr gutes Beispiel, und das Improtheater heute auch.
Das Leben hat ja dann doch viel zu bieten, wenn man wagt, es zu finden.

22.04.2005 21:06
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Ich schätze ja sehr jene Momente im Leben, wo ich mich wie im Film fühle. Diese Momente, wo eigentlich nur der Soundtrack fehlt, und es wäre perfekt.
Wenn man richtig Glück hat, hat man mobile Musik dabei und hat sogar nen Soundtrack.

Ich erlebe diese Metapher (bin ich dann meine eigene Allegorie oder so?) sehr gern und oft bei richtigem Sturm (ich mag Sturm…) oder in außergewöhnlich gefühlsintensiven Momenten. Wenn man nachts durch die Stadt läuft, und ganz allein und ganz glücklich ist. Oder ganz zu mehreren und ganz glücklich, aber das ist schwieriger, leaking barrell und so. Natur hilft, Händchenhalten hilft auch. Und Sturm.
Die Metapher funktioniert ganz ähnlich auch mit Büchern, bei denen es etwas gibt, was beim Film nicht so schön gelöst ist: Kapitel.

Ich hatte gerade ein sehr schönes Gespräch mit Powergirl, und es war so schön traurig. Auch traurig. Diese Geschichte ist ja in der Form, wie sie war, wie sie aufzublühen wagte, vorbei, und obwohl das immer okayer wird, ist es halt sehr schade, und darüber sprachen wir.
“Es war sehr schön, dich zu lieben”, habe ich dann irgendwann zu ihr gesagt, und wir haben über unsere Rollen gesprochen.
Ob sie eigentlich zufrieden ist mit der Rolle, die sie in meinem Leben gespielt hat. Ob ich mit ihrer Rolle zufrieden war. Und wie sie meine Rolle in ihrem Leben beurteilt, und wie ich das sehe.

Unser erstes Kapitel ist dabei gut weggekommen. Es war sehr bewegt, unglaublich nah, unglaublich echt, und wunderschön. Wir haben viel gelernt, ich war ihr eine Stütze und Denkanstoß, sie war mir Hoffnung und neu und unbekannt. Und es war auch ganz schlimm. Ich fand es so ähnlich wie bei einem guten, traurigen Roman (ich habe Paulo Coelho gesagt, am Telephon, aber eigentlich ist das gar nicht richtig, der ist nie so richtig traurig). Man kann sich halt super vorstellen, wie die Autorin ein happy end zaubert, aber das Buch ist auch ohne happy end unglaublich toll. Vielleicht sogar toller.

Und nachdem ich ja irgendwann auch den Schmerz umarmt hatte (angestoßen durch diesen Spruch in Harold and Maude: “Be hurt some more“), konnte ich irgendwie dieses Kapitel als ein verdammt gutes Kapitel abgeschlossen wissen.

Was wir momentan haben, so fanden wir dann, ist halt eines dieser Zwischenkapitel, wo man sich immer fragt, wo die Autorin jetzt hin will, warum die Figuren so seltsamen Kram machen. Aber wir hatten auch beide Hoffnung, dass es halt irgendwann ein neues Kapitel geben wird.
Das auf keinen Fall ein aufgewärmtes Erstes wird, sondern eben was Neues.

Man darf gespannt sein. Im August geht Powergirl ins Ausland, für ein halbes Jahr. Vielleicht gibt’s danach ja die Fortsetzung.

20.04.2005 21:46
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Die Überschrift “Man muss demütig und einfach sein” lockte mich, den Artikel über Sarah Kirsch zu lesen, die ich nicht kenne, so wie ich überhaupt wenig Lyrik kenne. Eigentlich bin ich kulturell nicht besonders druff. Naja.

Im Interview geht es viel um Motivierung, zu dichten, das hat mich alles nicht so bewegt, aber Frau Kirsch ist am 16. April 70 geworden, und wie sich das so gehört in dem Alter ist sie ein bisschen weise, und sagt Sachen, die treffen.

Einem Schriftsteller kann es nicht schlecht genug gehen.

Ich fühle mich ja dank des Blogs auch immer schön literat, so ein bisschen, und der Spruch trifft gerade ganz gut. Ich bin nicht zufrieden, aber der Satz gibt dem ganzen noch einen sehr hübschen Dreh. Und nochwas Schönes:

Wenn man etwas so genau kennt, so gefressen hat, dass man es in zwei Zeilen wiedergeben kann, ist das schon sehr schön. Auch meine täglichen Notizen sind eigentlich immer dasselbe, aber es kommt immer zu anderen Wendungen. Das ist wie das Leben, es ist dasselbe und ist doch nicht dasselbe. Man muss ganz demütig und einfach sein.

19.04.2005 20:54
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Und jetzt ist Ratzinger auch noch der neue Papst…

19.04.2005 19:29
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B. hat mir eine MD gemacht, das ist nett, und zwar mit Liedern, die meine Vergangenheit sind, das ist krass.
Damals, so 1999, war ich dabei, mich zu finden, dafür wird man in dem Alter bezahlt, und zu jenem Zwecke war ich gern allein in Discos. Oder überhaupt allein an Orten, die eigentlich Geselligkeit symbolisieren, irgendwie. Kinos gehen auch.
Lonestar-Aktionen hab ich das genannt, und ich finde den Namen immer noch gut, in gewisser Weise passt er vielleicht immer noch. Man ist dann ganz alleine da, aber fühlt sich dadurch eben unglaublich gut, im Sinne von schlecht. Also, es fühlt sich gut an, dass es so schlimm ist, alleine zu sein, irgendwie.
Dann blinken die Lichter auf und vor allem wieder ab, Menschen, die man nicht kennt, bewegen sich um einen herum, streifen einen, ohne wirklich zu berühren, und durch die Nähe dieser Fremden wird das Alleinsein noch verstärkt.
Und es fühlt sich gut an, dass alles so schlimm ist. Man ist ganz aufgehoben in der Einsamkeit, geborgen in der Leere oder so, ist zwar lone, aber eben auch star.

Gerade kommt dieses Gefühl wieder hoch. Ein Teil davon war nie weg, der Teil, der Menschen vor den Kopf stößt mit Befreiungsschlägen, der die Bindung scheut, noch mehr die Abhängigkeit, aber der andere, neuere Teil, der das Leben und die Menschen liebt, der Menschen, die mich kennen, wundern lassen wird, wenn sie sowas wie das hier lesen, scheint auf irgendwas zu warten. Auf irgendeine Erkenntnis, oder Entscheidung, oder Veränderung, it’s always one of those three, and sometimes combinations, isn’t it?

They keep calling me.

Ich will mal weg hier, glaub ich. Der Teil ist nämlich gar nicht gut. Ich mag ihn nicht mehr.

18.04.2005 13:14
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Wie letztens geschrieben, kann ich leidlich gut im Hier, aber nicht so gut im Jetzt sein.
Ich denke viel an Gleich und Später, diese beiden Schweine, und was ich mit ihnen noch so anfangen muss. Sie sind wie Freunde, die man schon lange hat, und mit denen man einfach so im Trott ist. Sind auch nett, aber eigentlich gibt es coolere Leute.

Nachts geht das viel besser. Muss was mit Schichtarbeit zu tun haben… Als wenn man die Zeit mangels Sonne (die stellt ja immerhin meine innere Uhr nach) nicht so stark spürt, und deshalb gibt’s halt kein Später. Is ja schon spät.
Und dann ist man nur im Jetzt.

Sehr schön. Gerne wieder.

17.04.2005 21:10
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Das Mädchen, deren Anteil an der Entstehung dieses Blogs ich in der “Geschichte” beschreibe, weiß jetzt auch vom Blog.
Wie ja bekannt, lerne ich durchs Bloggen schöne neue Menschen kennen (schön hierbei möglichst mehrerlei zu verstehen), und als ich von jenen erzählte kam natürlich die Frage auf, wer das sei, und woher.
Tja. Vom Bloggen. Welches Blog?

Ich weiß nicht genau, warum ich sie nie eingeladen habe, warum ich überhaupt so eine strikte Trennung von meinem Privatleben und meinem Blogleben wünsche… die sensiblen Themen hier habe ich so oder ausschweifender mit allen guten Freunden und Freundinnen schon bequatscht. So auch mit besagter welcher.
Vielleicht, weil sie anders über das freie Lieben denkt? Immerhin mache ich mich angreifbar… oder vielleicht verschrecke ich sie…

Nun, wie das auch immer sei, die Tatsache, dass ich sie jetzt doch noch eingeladen habe (gut, es hat sich so ergeben, aber ich hätte ja auch sagen können ich verrate ihr die Adresse nicht), führt dazu, dass ich noch einmal mehr gemerkt habe, dass all diese Dinge, wie Lieben, oder Sex, oder Fühlen allgemein, keine richtigen Geheimnisse sind.
Also, schon gar nicht, wenn sie in einem Blog stehen, aber auch so nicht.
Jeder kennt das.

Und außerdem habe ich mich entschieden, diesen Weg zu gehen. Warum soll ich das verheimlichen, das bin doch ich? Aber vielleicht ist es das… vielleicht fürcht ich mich ja selber vor dem Weg.
Vielleicht davor, dass ich davon abkomme, dass ich scheitere, vielleicht aber auch davor, dass er nirgendwohin führt… Ob es der richtige ist. Für mich. Für Menschen überhaupt…
Ob ich nicht Dinge in mir verleugne, die mir vielleicht nicht gefallen, die ich aber in mir habe, sowas wie Besitzdenken, Eifersucht, Bindung, Zugehörigkeit, Verschmelzung…
Drahtseil.

PS: Und wie super und schicksalshaft (und, nein, nicht geplant), dass die Geschichte einen pünktlich zum 100. Eintrag einholt…

16.04.2005 12:44
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Killefit zitiert Luhmann und schreibt

Liebe ist kein Gefühl, sondern ein symbolisch-generalisierendes Kommunikationsmedium

Und verweist auf mich als Referenz… Das schmeichelt mir, und in der Tat besitze ich das Buch, indem es so geschrieben steht. Oder vielmehr so ähnlich, weil Liebe auch für Luhmann auch Gefühl ist… Dazu später.
Ich lese gern “Sachbücher” über das Lieben, weil ich nämlich glaube, dass Liebesfähigkeit eben eine Fähigkeit ist, die man trainieren kann und sollte. Wenn man ein Instrument lernt, weiß jeder, dass man halt Jahre braucht, um richtig gut zu werden. Beim Lieben soll man automatisch super sein. Ich glaube das klappt nicht. Um in der Analogie zu bleiben: Kreativität steckt in allen von uns, aber wie man das in Musik ausdrückt (oder auf ein Blatt Papier bringt) muss man üben.
Gut halt, dass üben so viel Spaß macht :) .

Aber zurück zur Frage. Liebe nur ein Kommunikationsding? Ich habe mal das Vorwort des Buches studiert (Luhmann schreibt echt dicht… hui), und schrub Killefit folgendes per mail:

Es werden, so Luhmann, zwei unterschiedliche Theoriezusammenhänge angeschaut:
1. Bedeutungswandel durch Gesellschaftswandel: Heißt Liebe heute noch das, was es vor 200 Jahren hieß? Und vor allem: Geht das nur in eine Richtung (andere Gesellschaft, andere Ideen) oder auch andersrum (neue Ideen (auch in Sprache), neue Gesellschaft; ist besonders für gender-Vermeider in der Sprache auch ne gute Frage…)
2. “Die Steigerung der Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen”. Liebe soll, so Luhmann, den unwahrscheinlichen Zustand von Zweisamkeit (vielleicht von Ehe), wahrscheinlicher machen. Und genau deshalb ist Liebe hier “nicht als Gefühl behandelt, sondern als symbolischer Code”, der eben diese Wahrscheinlichkeitssteigerung durch Kommunikation erhöht.
Wenn ich das richtig verstehe: Sagen, kommunizieren zu können (und, peripher, fühlen zu können) “Ich liebe dich” führt zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Liebesbeziehungen (die an sich unwahrscheinlich weil aufwändig sind).

Das ist ziemlich kompliziert, und erst hatte ich auch gar keine Lust, es hier zu schreiben, aber darin steckt etwas sehr interessantes: Darin steckt nämlich der wichtige Unterschied von Innen und Außen (manchmal wäre ich gern Grobi…). Von außen kann man Liebe als symbolischen Code betrachten. Oder als evolutionären Trick. Das ändert aber überhaupt gar nichts an der inneren Realität. Also, dies auch an Killefit, nicht einschüchtern lassen, nicht unromantisch finden, das sind zwei paar Schuhe.

Das gleiche Ding gibt es auch beim freien Willen. Der ist ja wissenschaftlich betrachtet ziemlich unwahrscheinlich. Viel zu viele Determinanten. Und wir sind ja auch nur Moleküle. Die Weltenformel, wenn es sie gäbe, würde alles vorhersagen. Und dass es sie nicht gibt, ist allein dem menschlichen Unverständnis zuzuschreiben. Aber von innen, aus uns heraus, gibt es den freien Willen. Und weil man ja ohnehin nur die eigene Realität hat, immer, muss das wohl genügen.
Farben gibt es ja auch nur “von innen”. In der Welt gibt es nur Oberflächenstrukturen. Und trotzdem ist rot schön.