Archiv für September 2006


30.09.2006 14:38
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Huiui, was für eine Woche. Morgens früh aufstehen, irgendwelchen Kram zwischen Auftritt mit der Band und Diplomarbeit erledigen, abends hinterm Tresen stehen (“Soso, hinterm Tresen stehen. Und das findste gut oder was?” – “Wie jetzt, gut?”. Na, welcher Film ist das?). Das war ein bisschen viel. Aber heute durfte ich endlich mal wieder ausschlafen, und am Frühstückstisch lag ich ein dort durch eine Mitbewohnerin ausgelegtes Büchlein namens “Guten Morgen, liebes Leben!

Ganz süß. Kleine Hunde sehen immer zufrieden aus, also sollte man mal einen kleinen Hund fragen, wie er das anstellt. Nicht besonders tiefschürfend, aber eine nette kleine Antwort auf die Frage nach dem guten Leben.

Eine Aussage fand ich ausgesprochen schön. Es geht darum, dass der kleine Hund manchmal verliebt ist und vor die Tür gesetzt wird. Das wäre am Schlimmsten, sagt er:

Dann hilft nur noch eins: Ich renne in den Wald und heule so lange den Mond an, bis ich so traurig bin, dass es sich fast schon wieder ein bisschen glücklich anfühlt.

Amen. Genauso ist es. Wenn die Energie nur groß genug ist, dann ist das Vorzeichen irrelevant. Dann ist man lebendig.

22.09.2006 12:03
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Vor der Verschmelzung fürchte ich mich immer. Wenn Beziehungen zu nah werden, wenn es nur noch ein Wir gibt, grusele ich mich, und mein Wunsch nach einer Beziehung wird deutlich geringer. Und ich glaube auch wirklich, dass das keine gute Sache ist. Gestern erst im Stern gelesen (was für ein Käseblatt, aber na gut): Paartherapeuten raten dazu, auch mal was mit sich allein zu machen, Geheimnisse zu haben, sich mit anderen Menschen als dem Partner auszutauschen. Dann klappt’s auch nach 10 Jahren noch im Bett (war ja klar, dass der Stern irgendeine Geschichte draus strickt, die ihm erlaubt Brüste aufs Cover zu drucken).

Ich hab auch nie verstanden, wie das passieren kann mit der Verschmelzung. Ich bekomme immer Fluchtreflexe, wenn mich jemand einengt. Aber gestern abend im Bett stand was Schönes im Murakami:

“Wenn du im Wald bist, wirst du nahtlos zu einem Teil des Waldes. Wenn du im Regen stehst, wirst du Teil des Regens. Wenn es Morgen ist, wirst du ein Teil des Morgens. Wenn du mit mir zusammen bist, wirst du ein Teil von mir. So eben. Einfach ausgedrückt.”
Das Mädchen in Murakamis “Kafka am Strand”
Kirschen von Photocase

Das kann ich verstehen. Das ist eine Verschmelzung, aber sie leuchtet mir ein. Ich könnte jetzt noch ein bisschen argumentieren, dass es Unterschiede gibt zwischen der Verschmelzung, die ich fürchte, und dieser hier, die mir gefällt, dass erstere deswegen schlecht ist, weil man sich selbst aufgibt, und die zweite gut, weil man gerade nochmal mehr mal selbst ist.

“Was ist denn das für ein Gefühl? Ein Teil von mir zu werden, obwohl du ganz du selbst bist?”
Sie sieht mich direkt an und tastet nach ihrer Haarspange. “Es fühlt sich ganz natürlich an, und wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, ist es ganz leicht.”

Kafka und das Mädchen

Aber die Trennung ist gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass ich nach dieser Schilderung eine Art zu verschmelzen zu sehen glaube, die auch mir gefällt. Ich habe irgendwann früher mal geschrieben, dass es so eine Entwicklung gibt, von Offenheit zu Nacktheit zu Berührung zu Verschmelzung, und dass mir das Ende nicht zusagt. Aber vielleicht wird es ja diese andere Art, wo man ganz man selbst bleibt, so wie ich es mit dem Schnee, dem Lachen und der Kälte schon kenne.

Ich glaube, das gefällt mir.

Bild von Photocase.

20.09.2006 16:24
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Da ich gefragt wurde, und da ich letztens selber nochmal dran dachte, ist der Kitschtiger wieder da! Oben gemeinsam mit den Zitaten und auf einer eigenen Seite namens freieslieben.de/kitschtiger. Ist ja heutzutage alles schnell gemacht.

PS: Nachtrag – der Kitschtiger hat jetzt eine XML-Schnittstelle (Danke, ben!), die kann man beispielsweise in seinen Feedreader tun, dann sieht man immer mal wieder eine aktuelle Geschichte. Oder man bindet das Ganze in die eigene Homepage ein… oder, oder, oder. RSS halt, das kann ja irgendwie alles sein.

19.09.2006 12:40
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ben_ von Anmut und Demut hat mal die schöne Beobachtung geäußert, dass er die Anfänge von Geschichten gern mag. Wenn der Held noch nichts Heldenhaftes getan hat, wenn alles noch ruhig ist, aber man doch schon ahnt, dass gleich irgendwann die Geschichte eine Wendung nehmen wird. Das finde ich eine schöne und achtsame Beobachtung.

Die Geschichte mit dem Mädchen, dessen Bekanntschaft zeitweilig zu kurz für ein Pseudonym war, das ich dann Sina nannte, was mir aber jetzt schon wieder nicht mehr so gut gefällt als Pseudonym, fühlt sich gerade so an, als hörte sie schon wieder auf, ohne dass sie je richtig begonnen hätte. Gut, momentan ist sie weiter weg, schon seit einigen Wochen, und der kleine Funke, den ich zwischen uns spürte, hat wenig neuen Brennstoff kriegen können. Und die E-Mails, die wir uns senden, gefallen mir, die sind zugewandt und zuversichtlich, ohne sich auf ein Modell von Miteinander festzulegen, das gefällt mir, aber doch ist es in mir schon wieder ein bisschen ruhiger geworden.

So geht es mir oft. So war es mit dem Mädchen von unter der Stadtautobahnbrücke, mit dem Zugmädchen und zuletzt mit dem schwangeren Mädchen. Mir scheint, auch ich schätze die Anfänge von Geschichten mehr als ihren Fortgang. Wobei… eigentlich ging es immer irgendwie weiter. Vielleicht wurde nur nicht die Geschichte weitererzählt, die ich anfangs wahrnahm. Aber vielleicht ist das ja genau die erzähltheoretische Wendung, die das Ganze erst zu einer guten Geschichte macht. Immerhin ist das Glück ja nur die immer gleiche Allegorie.
Irgendwie ging es immer weiter. Bin gespannt auf die Rückkehr des Mädchens, das ich kurzzeitig Sina nannte. Was aus uns wird. “Bisous, Sina” unterschreibt sie immer, das ist französisch und heißt Küsschen. Ich weiß, das schreibt mal halt so, aber ich finde, es ist anders, wenn man sich schon geküsst hat. So wie man nicht mehr einfach so “Alles Liebe” schreiben kann, wenn man sich mal geliebt hat.

18.09.2006 17:02
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Ich mag ja Sprache, nicht? Und ich mag ja auch das Netz, gell? Besonders am Netz mag ich die immanente Intelligenz, die man beispielsweise an der Wikipedia aber auch viel ursprünglicher im Usenet sieht.
Insofern ist “Yahoo Clever” bestimmt irgendeine töfte Sache mit Social Networking und alle helfen sich oder so. Wenn das aber mit dem gleich folgenden Satz beworben wird, klick ich da doch nichtmal drauf:

Was Sie schon immer wissen wollten aber nie zu Fragen trauten? Yahoo! Clever hilft Ihnen.

Also, zum Ersten ist meiner Meinung nach das Fragezeichen Unfug nach diesem Satz, aber da bin ich unsicher. Das kann man vielleicht so machen. Zum Zweiten ist aber “fragen” definitiv ein Verb, und die werden klein geschrieben, zum Dritten gehört der Nebensatz vor dem “aber” mit einem Komma separiert, und zum Vierten und vor allen Dingen ist “trauen” reflexiv, man traut sich!
Oh Gott, Joschka Fischer hat angefangen (“Das erinnere ich nicht”), und jetzt geht’s weiter. Hat denn da wieder jemand den Praktikanten mit der Übersetzungssoftware spielen lassen?

17.09.2006 11:22
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Immer der Nase nach

Nachdem ich seine Kurzgeschichten gelesen hatte, kam ich zu dem Schluss, dass ich Haruki Murakami nicht mag. Jetzt lese ich gerade sein Buch “Kafka am Strand”, und das gefällt mir besser. Der Zwang zur Kohärenz in einer so langen Geschichte steckt den Wahnsinn Murakamis in ein Gewand, sodass auch ich den Anblick ganz schön finde.

Eine Stelle hat mich sehr gefreut.

Das Glück hat nur ein Gesicht, aber das Unglück hat für jeden Menschen ein anderes. [...] Das Glück ist eine Allegorie, das Unglück eine Geschichte.
Oshima in “Kafka am Strand” von Haruki Murakami

Das stimmt. Ich schätze den Respekt vor den großen, schlimmen Gefühlen, eben weil sie nämlich ein Leben ausmachen, weil sie uns menschlich machen. Man stelle sich vor, jemand erzählte die Geschichte seines Lebens wie folgt: “Nach einer glücklichen Kindheit lernte ich in der Schule die Frau meiner Träume kennen. Es begann als stürmische Liebelei, aber wuchs zu einer großen Liebe, die uns beiden viel Kraft gegeben hat, während wir unsere Traumberufe fanden.“. Ist doch lahm. Rückschläge, Peinlichkeiten, Herausforderungen und Niederlagen, nicht erwiderte Lieben, schmerzhafte Trennungen, all das macht ein Leben aus.

Diese Erkenntnis hatte ich damals dank des Satzes “Be hurt some more, aber die Beschreibung von Murakami gefällt mir auch. Genießt es, wenn es schlimm ist, anstrengend und schmerzhaft. Und zwar nicht nur, weil ohne diese Zeiten die guten Zeiten kein Gewicht hätten, sondern weil ihr nur so eure eigene Geschichte lebt. Anstatt der Allegorie eines menschlichen Lebens. Und dann gewinnt “Glück” natürlich eine ganz andere Bedeutung, denn dann kann wahres Glück, also persönlich relevantes Glück, nur aus Dingen entstehen, die erstmal gar nicht glücklich machen.

Bild von Photocase.

16.09.2006 18:11
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Im Übrigen bin ich total schockiert, weil lauter Leute hier über den Suchbegriff “Tü*rk*en ra_us” herfinden. Ich hab den betroffenen Artikel mal umbetitelt, hoffentlich ändert sich das dann.

An die letzten Leute, die über diesen String hierherfinden: Der Gedanke macht keinen Sinn in einer globalisierten Welt. Menschen wandern dorthin, wo Arbeit ist, und in den 60ern war die Arbeit hier. Die Gastarbeiter haben uns schön geholfen.
Und eine globalisierte Welt abzulehnen kann man sich nicht so richtig erlauben, dafür ist es zu spät, das ist unrealistisch. Die haben wir schon. Und selbst wenn man das wollte, ist es keine Lösung, irgendwelche Volksgruppen des Landes zu verweisen, gegen Globalisierung muss man ganz anderswo ansetzen.

Deswegen gilt vielmehr: Volksgruppen erstmal richtig rein, nämlich integrieren, und in 10 Jahren weiß kein Mensch mehr, ob die betroffene Person eigentlich hier geboren ist oder nicht, oder woher genau die Eltern kommen.

16.09.2006 17:56
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Noch ein weiterer Punkt ist mir aufgefallen. Der Krieg gegen den Terror wird ja ohnehin schon hie und da als tot, gescheitert und verloren beschrien, aber selbst wenn er das nicht wäre: Er ist nicht zu gewinnen.

Staaten haben nämlich einen ganz entscheidenden Nachteil gegenüber Terroristen. Sie müssen sich an rechtsstaatliche Regeln, ihre jeweilige Verfassung und geltendes Recht halten. Und deswegen werden uns die Terroristen (genau wie die Kriminellen) immer einen Schritt voraus sein. Die schummeln halt. Das Wettrüsten kann nicht gewonnen werden, denn immer wenn wir an der Grenze dessen sind, was die Staatengemeinschaft oder die Bevölkerung gerade noch durchgehen lässt (Mininukes, digitaler Reisepass) können Terroristen einen Schritt weiter gehen.

Das einzige, was wir so erreichen, ist, dass die Terroristen auf einem höheren Niveau als zuvor agieren müssen.

16.09.2006 15:04
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Ich bin überrascht, und zwar positiv! Eine sehr unprätentiöse Demo war das. 5000 Leute nehmen sich zwei Stunden Zeit und machen deutlich, dass sie die deutsche Verfassung ganz gut finden, Toleranz für wichtig halten und keine Lust auf Hass haben. Dann gehen alle wieder nach Hause.

Sehr schön. Keine Parolen, keine Selbstzerfleischung zwischen den verschiedenen Lagern. Sogar der Wochenmarkt neben dem Zielort der Nazidemo fand völlig unbeeindruckt statt. So gefällt mir das.

Gut, die Reden auf solchen Veranstaltungen langweilen mich immer, weil der Kontext zu fast 100% vorgibt, was dort so gesagt wird. Zudem kranken speziell die Rede heute daran, dass den Rechten vorgeworfen wurde, sie würden sich soziale Probleme der Gesellschaft zu Eigen machen, würden damit einen großen Scheiß rechtfertigen (was sicher stimmt), nur um dann im nächsten Satz genau das gleiche zu tun, weil ja in Wirklichkeit die sozialen Probleme ganz dringend eine rote/ grüne/ sonstwie ausgerichtete Strategie nötig machen. Zwar stimme ich zu, dass eine solche Strategie dann halt kein ganz großer Scheiß ist, aber wenn die Reservierung von Themen das böse an den Nazis sein soll, kommt das nicht so ganz hin. Ich denke eher, das Ziel der nationalsozialistischen “Politik” ist das Problem, und darüber muss man halt keine Reden halten, das ist jedem klar.

Aber egal. Schöne Demo. Soeben wurde ich informiert, dass eine ganze Riege Einsatzwagen der Polizei in haarsträubendem Tempo noch zu irgendeinem Ort fuhr, so ganz harmlos und den-Nazis-die-Aufmerksamkeit-geben – die-sie-verdienen – nämlich-keine war es dann am Ende wohl doch nicht. Mal schauen was davon noch wird.

15.09.2006 17:02
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Morgen ist in meiner Heimatstadt eine Nazi-Demo, und natürlich auch die Gegendemo. Zwei Gegendemos sogar.

Das ist erstmal ganz in Ordnung, und selbstverständlich gehe ich da hin, Nazis sind in weiten Teilen Verfassungsgegner, und die gehören in ihre Schranken verwiesen, die Verfassung ist nämlich so n richtig töfte Ding.

Was immer schwierig ist an solchen Demos, ist der Mob, in dem man selber steckt. Mobs sind ganz schön eigendynamisch, und schwupps wird “Haut die Glatzen bis sie platzen” skandiert, und Links und Rechts treffen sich im Extremismus der Beliebigkeit. Soso, ja genau, dann nehmen wir mal ein äußeres Kennzeichen und rufen zu Gewalt auf, na das ist ja sicher das Beste.

Ach, Jan, Quatsch, es geht ja nicht um die Glatzen, wir meinen ja Nazis

Ja, genau, super, verfolgen wir doch Menschen wegen ihrer Gesinnung! Ich las gestern ein Zitat einer Frau, sie wäre gegen die Meinungsfreiheit von Nazis. Ja, klasse! Nicht nur in der Sicherheitsdiskussion wird das geopfert, das man eigentlich verteidigen wollte, jetzt untergraben wir auch beim Kampf gegen Rechts (ach, was sag ich, Krieg gegen Rechts, ist ja grad modern!) die Verfassung, die wir durch Nationalsozialisten bedroht sehen.

Hachje, das ist doch alles nicht so einfach. Ich finde die ja auch scheiße. Aber irgendwie setzt doch “Nazis raus” schon wieder an der falschen Stelle an, das ist genau so, wie Terror zu bekämpfen. Wo sollen die Nazis denn hin? Die will doch niemand!
Überhaupt ist mir die Diskussion häufig etwas zu aufgeladen von “Oh Gott, die Nazis, so eine Gefahr!”. Irgendwie ist mir die Ernsthaftigkeit der Diskussion schon ein Geschenk zu viel an die Rechtsradikalen. Das ist doch in weiten Teilen überhaupt nicht ernst zu nehmen. So ein ewig gestriger Klumpatsch von Verbrüderung, Ideologie und Kegelverein… Aber in der Diskussion kochen die Argumente häufig dolle hoch.

Ach, die sollte man alle vergasen, dann wissen die mal wie das ist.

Alles schon gehört. Aua, aua. Mal gucken, wie das morgen wird. Aber, oh je, da gibt es immer so viele linkstumbe Leute, die genauso gute Faschisten wie die Nazis wären, weil sie alle gleichgeschaltet sind, und jeder anders geschaltete Mensch gehört erstmal angeschrien und ausgebuht, und womöglich noch gehauen.

15.09.2006 13:30
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Viele meiner Leser wissen vermutlich nicht, was ein RSS-Feed ist. Das ist auch nicht so wichtig. Noch ist das alles viel zu technophil ausgelegt, man muss viel zu viel wissen, um das zu bedienen. Es ist, kurz gesagt, eine gut maschinenlesbare Version des Inhalts einer Seite, ganz reduziert. Nachrichtenseiten haben sowas, aber eben auch Blogs. Darin sind dann nur die Einträge, mit Datum und Titel, und man muss nicht mehr auf die Seite gehen, sondern kann irgendwelche Maschinen beauftragen, einem die Info anzuzeigen.

Dazu gibt es diverse Feedreader, Firefox kann das als “dynamisches Lesezeichen”, alles wunderbar. Und obwohl das zum Teil dem Sinn von RSS als Pull-Angebot zuwiderläuft, kann man auch eine Maschine beauftragen, einem diese Inhalte per e-mail zuzuschicken.

Das geht jetzt auch bei mir. Eine technisch ganz und gar unkomplexe Lösung: Blog per Mail. Dachte ich sag kurz Bescheid.

Blog by Mail

14.09.2006 11:10
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Dem Mädchen aus meinem Umfeld, dessen Freund sich vor kurzem von ihm trennte, habe ich immer geraten, zu tun was sich richtig anfühlt. Private Entscheidungen für das eigene Leben sollten nicht ergebnisbezogen bewertet werden, sondern prozessbezogen. Wenn sie ihn anrufen will, dann soll sie das tun. Natürlich wird das im Zweifelsfall komplizierter, aber wenn es sich richtig anfühlt, braucht diese Entscheidung keine weitere Legitimation mehr.

Bei sich zu sein, auf sich zu hören, nachzuspüren – ich habe noch keine Beratung gemacht, in der mein Klient/ meine Klientin das nicht in irgendeiner Form zum Ziel hatte. Und obwohl es logisch nicht so ganz korrekt ist, schließe ich, dass es krank macht, wenn man das nicht tut.

Ich habe vorgestern nach längerer Zeit das schwangere Mädchen wiedergetroffen, in das ich kurz verliebt war, und das mich ziemlich über meine Vaterrolle hat nachdenken lassen, weil ich letztlich bereit war, Verantwortung zu übernehmen, ich hätte den ganzen Kram mitgemacht, glaube ich. Daraus wurde nichts, weder war sie zu dem Zeitpunkt so richig offen für irgendeine Nähe zu einem neuen Mann, noch verliebte sie sich in mich, aber es war trotzdem schön. Mittlerweile ist die Liebe in mir wieder kleiner und bescheidener geworden, aber natürlich bleibt sie eine wunderbare Frau (und das Kind ist SO süß!).
Beim Treffen vor 2 Tagen habe ich ihr endlich gesagt, dass ich vor einiger Zeit ziemlich in sie verliebt war. Und das hat so gut getan. Nicht, weil ich mir davon etwas versprach, sondern einfach, weil es richtig war, weil ich das Bedürfnis hatte, es ihr zu sagen. Offen zu sein, für sich selbst.

Das Zitat im Titel stammt aus dem Film My Brother Tom von Dom Rotheroe, über den ich vor kurzem schrieb.

13.09.2006 11:50
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Nochmal zum “Krieg gegen den Terror“. Auch wenn die lokale Sicherheitsdebatte umschwenkt, ist weltpolitisch ja eigentlich alles scheiße. Und zwar scheiße auf verschiedenen Ebenen.
Erstens ist es halt wirklich schlimm, dass Verbrechen geschehen. Von Menschen, die Kapitalismus nicht mögen und häufig religiös motiviert sind. Solche Leute nennt man im Moment wohl Terroristen. Nun ja.
Das führt mich zu zweitens. Zweitens ist das nämlich alles großer Unfug. Es ist Zeit für eine Dosis Dekonstruktion.

Mal wieder titelt die Tagesschau zu irgendeinem Anschlag. Diesmal in der Türkei. 11 Tote.
Jetzt bitte nicht missverstehen. Die 11 Opfer, ihre Angehörigen und Freunde, die tun mir leid. Der Tod ist was Schlimmes, zumindest im Einzelfall. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es immer mal wieder, auch vor 9/11 mal Verbrechen gab, wo 11 Menschen gestorben sind. Ich will mir gar nicht überlegen, wie viele Leute auch heute schon bei Raubüberfällen, Schießereien oder sonstwas umgekommen sind in der Welt. Sicher mehr als 11. Vom Straßenverkehr ganz zu schweigen. Die Welt ist nunmal groß, es geschehen schlimme Dinge.

Augenblicklich passiert aber etwas ganz anderes. Es gibt ein mediales Interesse an solchen Taten. Ich wette, irgendwo tobt gerade ein Bürgerkrieg, von dem wir nichts wissen, weil er nicht gezeigt wird. Gezeigt wird uns immer mal wieder ein Anschlag, mal in Madrid, dann in Köln, und jetzt in Diyarbakir in der Türkei.

Und durch die immer gleichen Überschriften werden all diese Einzelfälle in einen Zusammenhang gesetzt. All diese Verbrechen sind plötzlich Teil des “Terrors”, Teil von diesem mollusken Gallertklumpen, gegen den wir gerade alle irgendwie im Krieg sind. Das ist aber Unfug. Die Jungs in Diyarbakir haben noch nie ein Wort mit den Jungs aus Madrid oder London gesprochen. Mit Osama bin Laden schon gar nicht. Terror ist in weiten Teilen ein mediales Phänomen, und Michael Moore hat sicher Recht in “Fahrenheit 9/11″, dass Angst des Bürgers für den Staat eine ziemlich feine Sache ist. Denn eigentlich gibt es nicht “den Terror”, die ganzen Verbrechen haben nichts miteinander zu tun.

Nichts? Gut, das stimmt nicht ganz. All diese Taten sind von ähnlichen Gedanken inspiriert, richten sich gegen ähnliche Strukturen. Motivierend sind immer Armut, wahrgenommene wie tatsächliche Ungerechtigkeit, religiöser Eifer und fehlende Bildung.

Wohl wahr. Aber jetzt mal alle scharf überlegen, was man dann wohl tatsächlich bekämpfen sollte. Ich glaube, es sind Armut, wahrgenommene wie tatsächliche Ungerechtigkeit, religiöser Eifer und fehlende Bildung.

12.09.2006 11:25
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Etwas Gutes passiert: Auf der diesjährigen Modewoche in Madrid, der Pasarela Cibeles, wurden alle Models von der Teilnahme ausgeschlossen, die einen BMI von unter 18 haben (via tagesschau.de)

BMI-Rechner

kg

cm

Der Body-Mass-Index ermittelt ein Verhältnis von Größe und Gewicht, und ein Ergebnis von 20 bis 25 gilt als gesund, bei einem Ergebnis von unter 16 ist das Magersuchtskritierium erfüllt.

Ich finde das gut. Ich glaube, irgendwann haben sich vor geraumer Zeit auch mal Puppenhersteller getroffen, und ihren Puppen ein wenig Gesundung und Überlebensfähigkeit verpasst, indem sie ein bisschen mehr auf die Rippen bekamen.

Allerdings sei gesagt, dass der BMI nicht unumstritten ist, denn natürlich ist willkürlich festgelegt, dass 20 bis 25 gut ist. Eine Weile waren, wenn ich recht informiert bin, auch 30 Punkte noch normalgewichtig, irgendwann wurde dann aber gesagt, nein, das ist viel zu dick, und von jetzt auf gleich hatten Tausende Menschen Übergewicht.

Auch eine weitere Sache gilt es zu beachten: Gerade lästerten im Radio zwei Menschen über Victoria Beckham, sie würde sich neben David Beckham unsexy fühlen. Es wurde kommentiert, sie müsse einfach mal 10 Kilo Pommes essen, dann würde auch die Figur wieder werden. Das ist gemeine Kacke. Victoria Beckham ist magersüchtig, und deswegen hat sie ein gestörtes Körperbild, da muss man mit so polemischen Tipps gar nicht kommen.
Und auch bei der Modenschau muss ich dazu sagen: Ich finde es gesellschaftlich gut, wenn Schlankheit weniger stark als Norm gesetzt wird, wenn mehr okay ist und weniger Menschen krank werden. Aber diejenigen, die schon krank sind, unter anderem auch die ganzen Models, die jetzt nicht mitmachen dürfen, sind bereits Opfer der Normierung, die haben eine Krankheit, und um die muss man sich kümmern.

Magersucht ausgrenzen: Jawollja.
Magersüchtige ausgrenzen. Nö.

11.09.2006 21:53
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Wenn Menschen gezwungen sind, schnell zu antworten, was eine Beziehung von einer Freundschaft unterscheidet, kommt oft “Sex”. Ich selbst halte wenig von einer rigiden Trennung, und nicht nur hatte ich schon mit ganz wunderbaren Freundinnen Sex, im weitesten Sinne, nein, auch kommt in vielen Beziehungen, besonders in langen Beziehungen, überhaupt kein Sex vor.

Was ich aber weitaus interessanter finde, ist, dass es viel leichter ist, mit Menschen Sex zu haben, denen man noch fremd ist. Ohne zu wissen, was genau da passiert, scheint es mir leichter, den Körper zu offenbaren, wenn der andere den Geist noch nicht kennt.

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Ja, man mag einwenden, dass eine bestimmte Art von Nähe beim Sex erst zustande kommt, wenn man den anderen kennt und möglicherweise liebt. Zugegeben, das sehe ich auch so. Aber eine wilde Nacht, ein ONS, ein, Verzeihung, Fick, das ist leichter mit Fremden, ist verführerisch leicht.
Ich bin da auch schon mehrmals drauf reingefallen, wenn man so will, und habe die Leichtigkeit, mit der sich jemand auf mich einlässt, auf meinen Körper, und die Offenheit, mit der ich zum anderen Körper eingeladen wurde, verwechselt mit großer Zuneigung und einem Gefühl von “Richtigkeit”. Wobei “reingefallen” den falschen Eindruck erweckt, weder hat da jemand was Böses mit mir angestellt (mir sei erlaubt zu ergänzen: Im Gegenteil), noch hat es mir geschadet, dass ich mich da geirrt habe.

Ich frage mich, was genau bei Fremden nicht im Weg steht, das einem diese Ungehemmtheit ermöglicht.
Ist es das Gefühl, nichts verlieren zu können? Immerhin, sobald man jemanden kennt, so wird einem ja oft vermittelt, kann eine heiße Nacht alles kaputt machen (dazu sei gesagt: Das stimmt nicht. Bei mir hat das so gut wie nie was kaputtgemacht, und bei den Malen, wo es kaputtging, war es nicht wegen sondern trotz der Nacht).
Oder ist es, weil man überrollt wird? Weil man gar keine Zeit hat, sich viele Gedanken zu machen? Ist Leidenschaft nur Überraschung + Gefallen? Immerhin, die Nächte mit den Freundinnen gingen immer auch nur, weil sie überraschend waren. Vorher schon klaren Sex gibt es nur in Beziehungen, in festen Strukturen. Aber warum ist der Sex dann so anders?

Und warum zur Hölle verwechsle ich diese Andersartigkeit so oft mit Wahrhaftigkeit? Vermutlich, weil man dort so flott und ungeschönt nackt ist, in jedwedem Wortsinn, und Nacktheit ist Authentizität, und Authentizität ist schon ziemlich viel von dem, in das ich mich verliebe. Vermutlich so. Aber warum das in Beziehungen anders sein soll…

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