10.03.2006 22:32
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Allgemein

Soeben habe ich eine Klientin abgelehnt.

Ich habe keine Ahnung, worum genau es geht, ich wusste nur, ihr Freund hat sie betrogen, sie ist eifersüchtig und ist momentan dabei, ihn zu kontrollieren.

Viele mögliche Richtungen wären mit mir wohl auch möglich gewesen, zum Beispiel zu schauen, was das mit ihr gemacht hat, dass er unehrlich war, was es ihr gibt, ihn zu kontrollieren und solche Sachen.
Aber allein die Tatsache, dass ich, in meiner Haltung des Nichtwissens und der Kooperation, hätte hinnehmen müssen, dass ihre Eifersucht für sie halt ganz was Anderes bedeutet als sie es für mich tut, dass zum Beispiel für sie die Eifersucht etwas ist, was der Freund mit ihr anstellt, und nichts, was sie hat, hat mich den Auftrag an einen Kollegen abtreten lassen.

Einerseits stehe ich total hinter dieser Entscheidung. Ich habe Zweifel, ob ich die bestmögliche Beratung anbieten kann, ein Kollege hat Ressourcen frei, wunderbar.
Andererseits will ich bei diesem Thema eigentlich nicht befangen sein, aus ganz vielen Gründen. Erstens ist es ein häufiges Thema, ich lege mich wirtschaftlich völlig lahm, wenn ich das auf ewig ausschließe. Zweitens habe ich ein super Hintergrundwissen zum Thema und habe mich sicherlich eingängiger damit beschäftigt als manch anderer Therapiemensch. Drittens will ich mich vor allem nicht mit meinen Meinungen selber ausgrenzen, das passiert mir ja schon von außen viel zu oft.

Ach, vielleicht hätt ich das doch machen sollen… Schlimmstenfalls hätte ich gesagt “Tut mir leid, ich denke so fundamental anders über diese Dinge, ich glaube nicht, dass ich Ihnen ein guter Berater wäre”, und viel wahrscheinlicher hätte ich einfach mein Nichtwissen in einer Situation geprobt, in der es mir halt ein bisschen schwerer gefallen wäre, und vielleicht hätte meine andere Sicht auch eine ganz spannende Dynamik entwickelt…

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