14.11.2006 17:34
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Allgemein

Vor einigen Tagen habe ich ein schönes Gespräch mit einer Frau irgendwo zwischen Kommilitonin und Freundin geführt, und worüber natürlich? Genau, die Liebe.

Wir erläuterten uns gegenseitig verschiedene Sichten zum Thema, und in manchem waren wir uns einig. Dass es beim Selbstbewusstsein anfängt, zum Beispiel. Sie postulierte nämlich genau wie ich, dass man öfter mal sagen sollte “Du, ich bin verliebt”, ohne dass es ein Problem ist. Da stimme ich zu. Liebe ist in einem selber, ist etwas Gutes, also raus damit und dann alle freuen.

Allerdings gab es auch einen spannenden Unterschied, wie wir die Liebe sehen. Ich sagte, sie sei im Wesentlichen Offenheit: sich zeigen. Sie sagte, sie sei Bereitschaft, zu verzichten: sich zurücknehmen.
Das ist nun wirklich etwas gänzlich anderes, obschon nicht gegenteilig, und es führt mich dazu zu glauben, dass wir über unterschiedliche Dinge sprachen. Ich über die Liebe, die einfach da ist, die weder Begierde ist noch Bindung. Wie die Liebe zu Wald und Meer. Sie dagegen sprach über Bindung, über Beziehung, über ein sich-einlassen auf den anderen.

Da hapert’s ja bei mir. Zurückstecken und so… nicht, dass ich egoistisch wäre, ich tue gern Gutes für die Menschen die ich liebe, aber, man hört es schon, ich tue es eben gern. Aber Dinge tun, die ich nicht gern tue, tue ich nicht so gern.

Bei Freundschaften muss man das auch nicht. Da muss man viel hinnehmen, muss den Freund so sein lassen wie er ist, ihn vielleicht sogar verteidigen, wenn andere blöd finden, wie er ist, aber niemand muss versuchen, ein bisschen besser in irgendwas zu sein. Das gefällt mir. Da öffne ich mich gern, und meine Freunde sagen “Zack, so ist er eben. Herrje.” Vielleicht rollen sie die Augen dabei, aber das macht nichts, die Liebe bleibt da.
Aber in Beziehungen (aka Bindungen), so meine Gesprächspartnerin, ist Verzicht ein Motiv. Die Wünsche des anderen öfter mal erfüllen und dafür selbst zurückstecken.

Das ist ein ganz romantisches Motiv, ad absurdum geführt in Romeo und Julia, wo beide auf ihr Leben verzichten aus Liebe.
Boing.
In abgewandelter Form ist das Standard. “Schatz, ich ziehe nach Berlin”, “Liebling, ich kaufe das Auto nicht, wir fahren in Urlaub”, “Honey, mein letztes Geld für diese Rosen hier”.

Romantische Beziehungen funktionieren so. Aber ist das Liebe? Das mag ich nämlich wirklich nicht so gern, da würde ich dann nicht mitmachen wollen. Ich bin da wohl eher Postromantiker.

Das wird noch spannend. Lieben kann ich schon ganz bombig, das geht schnell, und ich bin niemandem böse, wenn es nachher weh tut. Gute Kompetenz. Aber irgendwann, ich sehe es schon kommen, wird mal eine Liebe in einer Beziehung landen, und dann muss sie irgendwie anders funktionieren als sie das sonst so tut, glaube ich… Oder halt ich.

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