Als ich so 15 war, sah ich den Film “Kommt Mausi raus? und aus irgendeinem Grund erinnere ich mich noch gut daran. Ich glaube, ich fand die Hauptdarstellerin süß – zumindest in “Stadt als Beute”, den ich letztens sah, und wo Inga Busch auch mitspielte, fand ich sie wieder gut), aber darum geht’s gar nicht.
Es geht ums Coming Out. Im Film zieht die Protagonistin in die Stadt, um endlich Lesben kennenzulernen, die sind nämlich bei ihr auf dem Dorf rar gewesen. Aber sie verrät es keinem. Oder halt nachher schon, is ja klar, darum geht der Film.
Der schwierigste Schritt, so seh ich das, ist das Coming Out gegenüber den Eltern. Coming Out macht man ja nur, wenn man irgendwas macht, das nicht den sozialen Normen entspricht, und im Grunde stand ja in der Jobbeschreibung aller Eltern: Sozialisierung.
Macht eure Kinder bitte gesellschaftsfähig, wir haben da ein paar Regeln.
Vielleicht ist es deswegen so schwer.
Da ich aber nun überlege, meine Diplomarbeit über Polyamory zu schreiben, scheint ein Coming Out vorprogrammiert.
“Naja, das ist ein Name für eine Bewegung von Menschen, die die Ausschließlichkeit von Zweierbeziehungen in Frage stellen.”
“Und wieso interessierst du dich dafür?”
Hm. Doof. Ist doch irgendwie feige, sich hinter dem wissenschaftlichen Gedöns zu verstecken, um dann doch so nachzuschieben, dass ich ja selber auch poly empfinde.
Dann andersrum?
“In der Schweiz? Is ja super, allein?”
“Ne, mit Marie.”
“Ach, jaja, habt ihr wieder mehr miteinander zu tun?”
“Och, das kann man sagen, ich bin eine ihrer Beziehungen.”
“Eine ihrer…”
“Und das Wochenende drauf werde ich mit Sandrine zu einem feministischen Vortrag fahren.”
“Moment mal, wer ist denn Sandrine…?”
“Achja, stimmt, also: Das ist eine Freundin with Benefit von mir”
Ist doch auch irgendwie doof. Also, das wird noch etwas kompliziert, glaube ich.
Auf der Poly-Mailingliste, die ich frequentiere, wurde vor einiger Zeit darüber gesprochen, dass man neben den Optionen “Nicht erzählen” und “Coming-Out” ja auch noch die Option “Einfach leben” hat.
Wie gesagt, Coming-Out bedeutet immer, dass man “zugibt”, Normen zu brechen. Damit installiert man natürlich gleichzeitig die Normen als Norm, labelt sich selbst als unnormal. Es hat noch eine andere Qualität, einfach zu machen.
Wenn nur die Diplomarbeit nicht wäre… Das gilt eigentlich sogar in mehrerer Hinsicht, ich werde es nochmal wiederholen:
Wenn doch nur die Diplomarbeit nicht wäre.