06.12.2005 14:06
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Wie schon oft gesagt, trifft Sexismus immer beide Seiten. Auch Männer, ich werde nicht müde das zu betonen, weil es im Rahmen der (per se sehr zu begrüßenden) erfolgreichen Frauenbewegung ein bisschen in Vergessenheit geraten ist, sind auf bestimmte Rollen festgelegt, sind darin gefangen.
Es sind häufig nicht so schwierige Rollen, häufig mächtigere Rollen als die klassischen Frauenrollen, aber es sind halt Rollen, und selbst wenn mann raus wollte, es würde nicht gehen.

Gestern erlebte ich einen spannenden Double Bind – das ist eine Situation, die keine Auflösung besitzt, weil jede mögliche Reaktion das gleiche Ergebnis zeitigt: Berühmtes Beispiel für einen Satz, der einen Double Bind herstellt:

“Sei doch mal spontan!”

oder, gleichsam schönes Beispiel

“Mach doch nicht immer das, was andere Leute dir sagen!”

Diese Anweisungen kann man nicht befolgen. Geht nicht.

Gestern hatte ich also, wie gesagt, so einen Double Bind. Gewissermaßen. Eigentlich war es ein bisschen was anderes, weil die Männerrolle an sich in einem Double Bind steckt.

Man stelle sich folgende 2 Situationen vor:
a) Ein Mann schaut mit 2 Frauen fern. Sie haben Spaß. Eine dritte Frau kommt herein und sagt zum Mann “Hey, hier noch ne dritte Frau für dich…”
b) Eine Frau schaut mit 2 Männern fern. Sie haben Spaß. Ein dritter Mann kommt herein und sagt zur Frau: “Hey, hier noch ein dritter Mann für dich…”

Für mein Empfinden steht in beiden Fällen der Mann als sexgeiler Typ da, der eigentlich nur das eine will.
Ich hatte gestern Situation a) und fühlte mich sehr reduziert. Auf die klassisch männliche Rolle eben. Das war zwar sicher nicht intendiert, aber es fällt mir doch auf. Scheiß Sexismus.

04.12.2005 18:57
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Über jenen Suchbegriff bei Google hat jemand zu mir gefunden, und ich bin dafür im deutschsprachigen Web auf der ersten Seite.

Eigentlich freu ich mich immer, wenn Suchanfragen Menschen zu mir führen, denen zu helfen ich dieses Blog thematisch wirklich für fähig halte (hui, was ein Satz).
Sex zu dritt oder Freies Ficken sind halt nicht so besonders dolle, “Partner ist Polyamory” oder eben “Alternative Beziehungskonzepte” finde ich gut.
Vielleicht hilft der ein oder andere Gedanke hier aus dem Blog ja wirklich weiter, darum geht’s doch irgendwie auch: Gedanken des freien Liebens (und neuerdings auch poly) als Alternative anzubieten, die Norm der Monobeziehung etwas zu hinterfragen und als das zu enttarnen, was sie ist: Eine Möglichkeit von vielen.

Aber hey… Platz 3 für “Alternative Beziehungskonzepte”? Das ist ganz schön viel Verantwortung… Klar, erwähnt hab ich vieles: Offene Beziehungen, Primary, Secondary und Beziehungsnetze, Friendships with Benefit, das Kontinuum von Mono und Poly, und bei den Polyamory-Links sind auch ein paar Sachen, aber irgendwie werde ich meinem Pagerank dafür nicht gerecht.

Deswegen, zusätzlich zum Vorsatz, im nächsten Jahr französisch zu lernen: Ich werde im Blog eine neue Kategorie einführen, in der ich ein bisschen mehr überwache, was so passiert.
Über die 3er Hochzeit in Holland habe ich nie geschrieben (wäre eigentlich wichtig gewesen, weil das (genau wie Homoehe) durchaus nicht so super ist, wie es klingt…), und über die Polyamorykonferenz auch erst im Nachhinein.

Dann muss ich nur noch ein bisschen programmieren, dann gibt’s RSS-Feeds nur mit Beiträgen aus bestimmten “Ressorts”, und dann wird alles super. Topp Jahr. 2005 war schon super, wenn 2006 noch geiler wird, bin ich unverrückbar froh.

04.12.2005 18:19
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Als ich so 15 war, sah ich den Film “Kommt Mausi raus? und aus irgendeinem Grund erinnere ich mich noch gut daran. Ich glaube, ich fand die Hauptdarstellerin süß – zumindest in “Stadt als Beute”, den ich letztens sah, und wo Inga Busch auch mitspielte, fand ich sie wieder gut), aber darum geht’s gar nicht.

Es geht ums Coming Out. Im Film zieht die Protagonistin in die Stadt, um endlich Lesben kennenzulernen, die sind nämlich bei ihr auf dem Dorf rar gewesen. Aber sie verrät es keinem. Oder halt nachher schon, is ja klar, darum geht der Film.

Der schwierigste Schritt, so seh ich das, ist das Coming Out gegenüber den Eltern. Coming Out macht man ja nur, wenn man irgendwas macht, das nicht den sozialen Normen entspricht, und im Grunde stand ja in der Jobbeschreibung aller Eltern: Sozialisierung.
Macht eure Kinder bitte gesellschaftsfähig, wir haben da ein paar Regeln.
Vielleicht ist es deswegen so schwer.

Da ich aber nun überlege, meine Diplomarbeit über Polyamory zu schreiben, scheint ein Coming Out vorprogrammiert.

“Aha, Polyamory… was ist das?”
“Naja, das ist ein Name für eine Bewegung von Menschen, die die Ausschließlichkeit von Zweierbeziehungen in Frage stellen.”
“Und wieso interessierst du dich dafür?”

Hm. Doof. Ist doch irgendwie feige, sich hinter dem wissenschaftlichen Gedöns zu verstecken, um dann doch so nachzuschieben, dass ich ja selber auch poly empfinde.
Dann andersrum?

“Du Mama, ich muss dir was noch was erzählen, ich bin nämlich nächste Woche in der Schweiz.”
“In der Schweiz? Is ja super, allein?”
“Ne, mit Marie.”
“Ach, jaja, habt ihr wieder mehr miteinander zu tun?”
“Och, das kann man sagen, ich bin eine ihrer Beziehungen.”
“Eine ihrer…”
“Und das Wochenende drauf werde ich mit Sandrine zu einem feministischen Vortrag fahren.”
“Moment mal, wer ist denn Sandrine…?”
“Achja, stimmt, also: Das ist eine Freundin with Benefit von mir”

Ist doch auch irgendwie doof. Also, das wird noch etwas kompliziert, glaube ich.

Auf der Poly-Mailingliste, die ich frequentiere, wurde vor einiger Zeit darüber gesprochen, dass man neben den Optionen “Nicht erzählen” und “Coming-Out” ja auch noch die Option “Einfach leben” hat.
Wie gesagt, Coming-Out bedeutet immer, dass man “zugibt”, Normen zu brechen. Damit installiert man natürlich gleichzeitig die Normen als Norm, labelt sich selbst als unnormal. Es hat noch eine andere Qualität, einfach zu machen.

Wenn nur die Diplomarbeit nicht wäre… Das gilt eigentlich sogar in mehrerer Hinsicht, ich werde es nochmal wiederholen:
Wenn doch nur die Diplomarbeit nicht wäre.

03.12.2005 17:41
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Die Mitbewohnerin der Wahlschwester hat mal geäußert, dass die Menschen den Tod nicht als dem Leben zugehörig sehen.
Das leuchtet sofort ein, da muss man wenig zu sagen.
Allerdings bezog sie das auch auf Beziehungstode, und das ist sehr schlau: Niemand nähme hin, dass Beziehungen zu Ende gehen können.
In “Keine Lieder über Liebe” gibt es eine Szene zwischen dem Protagonistenpaar, in dem es um die Endlichkeit von Zwischenmenschlichem geht. Sie sagt, dass es unrealistisch wäre, zu glauben man bliebe ewig zusammen.

“Wie… du glaubst, wir trennen uns irgendwann?”
“Naja. Irgendwie schon.”
“Warum bist du dann mit mir zusammen?”
“Weil ich… hoffe, dass es diesmal nicht passiert.”
Keine Lieder über Liebe

Für mich enttarnte sich an dieser Stelle das romantische Ideal, eben durch das obig beschriebene Wissen um die Sterblichkeit. Das fand ich ganz schön.
Aus diesem Grund war auch die Aussage am Ende

“Ich wollt nur n Stück mit dir gehen.”

in meinen Augen so schön.

Die erste Frage ist also:
Glaubt man an den Tod oder nicht?
(Man kann insbesondere das erste von zwei Zitaten bei 3und20 diesbezüglich interessant auf Beziehung anwenden)

Die zweite Frage ist:
Glaubt man an Mord? Kann man den Tod einer Beziehung herbeiführen? Kann das irgendjemand?

Marianne Fredrikson schreibt in ihrem Buch “Simon” darüber, dass eben jener Simon Schluss gemacht hätte, mit seiner Freundin. Der Vater von Simon antwortet darauf sinngemäß

“Schluss machen? Glaubst du du bist Gott, dass du einfach mit Menschen Schluss machen kannst?!?”

Das finde ich schlau. Irgendwie glaube ich nämlich nicht an ein Ende. Zumindest nicht Ende as in Schluss-Aus-Vorbei. Irgendwas kommt immer.

Ich habe nun in mir einen Widerspruch bei diesen beiden Fragen bemerkt.
Ich glaube eigentlich nicht an den Tod, wie gesagt. Irgendwas kommt immer.
Aber ich befürchte mir eingestehen zu müssen, dass ich schon oft gemordet habe.

In meinem Leben gibt es eine Reihe von Menschen, mit denen die Zwischenmenschlichkeit für mich irgendwie vorbei war.
Ich hab mich verändert, sie haben sich verändert, was weiß ich. Da war es nur logisch, nichts mehr rein zu investieren.
Aber das fand nur ich, für die jeweils anderen Menschen schien es wohl immer ziemlich aus heiterem Himmel zu kommen (um bei der Mordmetapher zu bleiben war es also heimtückischer Mord).

Das passt nicht zusammen.

Es passt besser, wenn man an Wiedergeburt von Beziehungen glaubt – vielleicht tue ich das.
Weil ich eigentlich immer offen war für ein neues Aufleben einer Beziehung. Beispielsweise mit der Wahlschwester ist es auch so gekommen. Das war einfach vorbei (damals sogar einvernehmlich, glaube ich, das war ganz gut), und auf dem Parkplatz eines Festivals ging es wieder los.

Ja. So muss es sein. Zwischenmenschliche Reinkarnation folgt dem kleinen Tod.

01.12.2005 14:16
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Jippie! Ich hab ISDN ans Laufen gekriegt! Jetzt können wir zwar nicht mehr telefonieren, sobald man im Netz ist, aber hey, e-mails und blogging sind erstmal gerettet. Puhh….

PS: So, mittlerweile läuft auch Telefon und ISDN nebeneinander… falsches Kabel gehabt.

01.12.2005 0:32
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Oh nein, schon wieder… aufgrund einer Telefonumstellung werde ich die nächsten 3 bis 4 Wochen ohne DSL sein. Eventuell stellen wir noch was mit ISDN auf die Beine, aber es wird wohl wirklich dauern, diesmal…
*seufz*
Naja. Passt auf euch auf, liebe Netznutzer, wir sehen uns im neuen Jahr!

29.11.2005 1:18
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Liebe Marveille, hier geht es viel um dich. Aber es ist kein Appell, sondern eine Ich-Botschaft. Falls du es lesen willst, solltest du das wissen – Druck ausüben will ich nämlich eigentlich nicht..

Ich stelle immer mehr fest, dass mir Sex im Grunde nicht so besonders wichtig ist. Also, Sex as in Orgasmus zumindest. Deswegen sage ich manchmal lieber Sex* (sprich: Sexsternchen) oder Körperlichkeit, um mehr damit zu meinen.

Auch wenn das hart klingt und ich nicht ausschließe, dass mich mehr Erfahrung eines Besseren belehren wird: Orgasmen hatte ich auch allein immer schöne.
Was ich dagegen über die Maßen schätze, ist Haut, wobei das in weiten Teilen metaphorisch ist.
Im Grunde geht es mir bei Sex ganz viel um Intimität und Nähe. Dieses Ineinanderdrängen, diese Körperlichkeit ist eine recht gute Annäherung an maximale Nähe. Klappt super bei mir – ich fasse Menschen gern an, die mir nah sind. Manchmal wird es sexy* dabei, aber das muss nicht zwingend so sein. Manchmal ist es so, aber entscheidend ist für mich immer die Nähe per se.

Genau diese Nähe ist es, die ich immer spüren muss – das hab ich schon oft geschrieben, glaube ich:
Ich muss spüren, was da ist; bei jedweder Zwischenmenschlichkeit.
Dann bin ich nicht eifersüchtig und nicht enttäuscht und nix, dann geht’s mir super. Und dieses Etwas, was ich da spüren muss, so erarbeitete ich heute mit Paikja, ist die Nähe. Ist Intimität.

In einer momentan frisch aufkeimenden Geschichte mit Marveille fühle ich die nicht so sehr. Da liegen 2 Ebenen getrennt vor, einmal ich als Freund und ich als Bettgespiel, als boytoy, und diese Trennung fällt mir schwer. Denn als Freund spüre ich dort die besagte Nähe, als boytoy aber nicht.
Und da meine betörende Freundin momentan sehr an ihrer Spontaneität hängt (und ich bin der letzte, der ihr da reinredet, das kann ich mal so gut verstehen), entscheidet sie von Mal zu Mal, ob ich Freund oder boytoy bin. Ich dagegen, glaube ich, hätte das lieber verschmolzen in einer Zwischenmenschlichkeit, sodass ich meine Nähe zu ihr, die sowohl freundschaftlich wie erotisch ist, auch eben beiderlei ausdrücken kann.

Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, dass mir das Momentane schwer fällt, dass ich mich (zumindest auf der einen Ebene) als einen von mehreren anderen boytoys empfinde (bevor jemand fragt: Das Problem ist, um genau zu sein, nicht, einer von vielen zu sein, das Problem ist die Empfindung, nicht besonders zu sein).

Und jetzt – immerhin versuche ich Beziehungen offen zu führen – frage ich mich, wie das kommt, und wie ich daran etwas ändern kann, ohne Schuldzuweisungen vorzunehmen. Denn sie hat alles Recht der Welt, das zu leben was sie will.

Es gibt in dem Zusammenhang zwei Dinge, die ich für wahr halte.

Nein ist stärker als Ja.

In jeder Beziehung sollte man die Schnittmenge leben.

Das Dumme ist ja in meinen Augen, dass sich die Schnittmenge der beiden Ebenen (Freund / Boytoy) unterscheidet. Und da Nein stärker ist als Ja, gelten die Beschränkungen, die Marveille setzt, unmittelbar und treffen mich jedesmal unvorbereitet. Halt spontan.

Das gibt ihr ziemlich viel Macht über unsere gemeinsame Zeit, und ich fühle mich dabei ohnmächtig.

Kleiner Einschub: In unserer Vergangenheit gab es das schonmal andersrum. Da hatte ich mehr Macht. Vielleicht muss sich das Thema erst einmal gelöst haben, bevor es weitergeht.

Ich habe das vor kurzem mal angesprochen, und sie hat gut reagiert. Wir haben über meine Ängste gesprochen (die aus der Ohnmacht kommen) und über ihre Wünsche, und sie hat viele meiner Bedenken zerstreut, allen voran im Grunde jenes, dass ich nichts Besonderes wäre. Aber das Gefühl bleibt, und ich weiß noch nichtmal genau, was es ist.
Diesmal will ich erst bei mir schauen, wie ich das lösen kann, in mir (und Marveille, falls du das liest, das ist auch der Grund warum ich es blogge und dich nicht drauf anspreche. Ein Tabu ist das Thema aber übrigens deshalb nicht).
Im Grunde ist schön, was wir haben. Eine Friendship with Benefit. Ich kann ja auch gar nicht sagen, wohin ich gern würde, ob mir das gerade “nicht genug” ist, ich mehr brauche.
Vielleicht mehr Sicherheit. Mehr Wissen um ein Morgen. Aber ich kann verstehen, dass sie gerade nur das Heute interessiert. Das kann ich gut verstehen.
Aber was ist die Schnittmenge von Heute und Morgen?

28.11.2005 14:28
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Vor kurzem noch darüber sinniert, ob Otto Schily vielleicht doch ganz nett ist, und nur die Rolle des Innenministers ein schreckliches Unheil, und schon finde ich diesen Satz seines Nachfolgers in der aktuellen Frankfurter Rundschau (Nr. 277/48, D-Ausgabe):

Ich glaube, wenn es darum geht, etwa einen Mord aufzuklären, dann muss der Datenschutz auch in Grenzen zurücktreten.
Wolfgang Schäuble

Arhh, die unheilige Logik der Notwendigkeit, die politische Realisierung von Stammtischwahrheiten á la “Der Zweck heiligt die Mittel”.

Ich muss Herrn Schäuble eine e-mail schreiben…Nach Einigkeit und Recht war doch immer auch die Rede von Freiheit. Das muss er doch wissen!

27.11.2005 19:43
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Jetzt schreib ich ihn doch, den obligatorischen Winterbeitrag. Hach, da geht so viel Individualismus bei drauf, so innerlich… doof.

Aber eigentlich geht’s genau darum. Weil er nämlich doch einfach eine Gewalt ist, der Winter. Und zwar für alle. Über alle, sozusagen. Da ist’s vorbei mit individuell.

Die Menschen werden traurig. Ich auch. I feel like a boytoy. Kleine Dinge gehen mir momentan näher als sich das gehört, und um mich rum verkriechen sich Menschen in sich und ihren Betten.
Ich hatte gestern so einen Tag, den ich dann doch noch halbwegs gewendet habe – aber ich weiß wirklich nicht, ob ich mich besser dagegen wehre, oder die kalte Schwere gewähren lasse.

Winter.

26.11.2005 16:23
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Meine Familie hat keine wirklich Weihnachtstradition. Erst in den letzten Jahren, übrigens interessanterweise nachdem wir den Geschenkekram weitgehend gestrichen haben, entwickelt sich wieder etwas, nämlich ein Familienabend.
Das gefällt mir, denn ich habe mit Christi Geburt (übrigens eine schöne Phrasologie (ich glaube das heißt so), in der ein lateinischer Genitiv gebraucht wird) nicht viel am Hut, mit meiner Familie hätte ich das dagegen ganz gern.
Jedenfalls habe ich aber deshalb auch keinen besonderen Bezug zu Weihnachtsdekoration und -musik oder so.

Ich stapfte vor einigen Tagen durch den frischen Schnee (die Inuit würden Qanittak sagen), es war ziemlich kalt und ungemütlich, meine Schuhe waren nass und der Wind stach mir in die Augen, und sah so ein Weihnachtssterndingens in einem Fenster, und war dann doch gerührt.

Das menschelt so… Man hängt da ein Symbol ins Fenster, hat es schön warm, knackt sich ein Nüsslein, und 10 cm vom Weihnachtsschmuck entfernt beginnt das Nasskalte, das Verkehrstote fordert und Menschen erfrieren lässt.

Ich meine das nicht zynisch. Man hängt sich die Hoffnung ins Fenster, das ist eigentlich schön, irgendwie. Rührend halt.
Und auch nicht anders, als meine Entscheidung, kein Fernsehen mehr zu schauen, weil mich das Leid stärker betrübt, als dass es mich motiviert, etwas dagegen zu tun.