02.04.2007 16:17
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Ich am allerwenigsten, das muss ich wohl nicht sagen, aber mittlerweile hat auch die Exekutive keine Lust mehr auf den Überwachungswahn. Konrad Freiberg ist Vorsitzender der Polizeigewerkschaft und sagt folgendes:

“Eine bundesweite Fingerabdruck-Datei legt den Grundstein zu einer umfassenden Datensammlung über jeden einzelnen Bürger, das ist keine vertrauensschaffende Maßnahme für die Arbeit der Polizei und überdies ungesetzlich”
Konrad Freiberg (via Heise)

Das nenne ich mal überraschende Unterstützung. Die Beschützten wollen es nicht, das ist nicht neu, und jetzt wollen es scheinbar auch die Schützenden nicht mehr. Bleibt nur die dumme Legislative, die, wie Frau Leutheuser-Schnarrenberger anmerkte, trotz einer Reihe von Urteilen und Rügen vom BVG in Karlsruhe immer weiter eine Linie fährt, die in die falsche Zukunft weist.

02.04.2007 13:48
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Ich bin ja nicht dafür, alles zu verteufeln, was neu ist. Das erscheint mir albern, immerhin lebe ich nur 90 Jahre hier auf dem Planeten, der schon zig Millionen auf dem verkraterten Buckel hat. Und gerade bei den Jugendlichen wurde ja eigentlich immer schon geschrien, dies sei nun wirklich die schlimmste Generation überhaupt. “Die nehmen Drogen”, “Die haben mehrere Partner”, das ist so das erste was mir einfällt, obwohl, in den 20ern hieß es “die Frauen rauchen!”.

Immer war irgendwas. Und dieses irgendwas ist meiner Meinung nach schlicht ein “Die machen das anders als wir damals”, ist also enorm egozentrische Normativität – so war’s früher, ich bin toll, alle sollen es so machen wie ich damals. Und weil ich das so bekloppt finde, versuche ich immer, offen zu bleiben, und wirklich zu verstehen: Warum müssen die Handys ganz laut und in fürchterlicher Qualität Songs in die S-Bahn brüllen, die unoriginell und langweilig sind? Warum die dicken Jacken und die Mützen so seitwärts? Die meisten Sachen kann ich tatsächlich auch verstehen, viel hat mit Grenzen und Identität zu tun, so muss das eben. Aber ich verstehe auch, dass manche Sachen quite shocking sind.

So fand ich eben via Renee Pornero einen Artikel auf Spiegel Online, in dem folgendes zu lesen stand:

Dass Cliquen von Vierzehnjährigen Gang-Bang-Partys veranstalten, soll keine Seltenheit mehr sein. Kids verabreden sich in Chats zu Blowjob-Dates in Parkhäusern, die dort entstandenen Handyfilme landen auf einschlägigen Webseiten. Das ist Sport: In Kliniken und bei Jugendbehörden laufen minderjährige schwangere Mädchen auf, die fünf, sechs potentielle Väter nennen – und das nicht nur ganz selbstverständlich, sondern mitunter mit Stolz.
Spiegel Online

Tja. Was macht man nun damit. Auch meine erste Reaktion war gehörige Irritation. “Momenterl”, dachte ich, noch ganz im Wienerisch von Renee Pornero, “einen Menschen zu gebären ist kein Kindergeburtstag”. Gleich darauf fiel mir auf, dass das Gebären natürlich üblicherweise schon auch ein Kindergeburtstag ist, naja, die Irritation blieb aber jedenfalls bestehen.
Gleichzeitig musste ich grinsen. Viele Leute müssen 30 oder 40 jahre alt werden, um sich für Swinging oder Playparties zu öffnen. Und Oralsex ist für viele Menschen nach wie vor irgendwie “Bäh!”. Erst vor kurzem berichtete die Senderin, dass viele ihrer Kunden im Camchat genau das in ihren Beziehungen total vermissen. Kann ich gut verstehen, Oralsex ist was Feines. Es gibt ja so viel, was Freude macht.
Welch ein Geschenk, dass die Jugendlichen heute das alles einfach tun können. Dass sie es normal finden, dass Sex nur Sex ist, und kein Versprechen. Dass sie nicht verhüten finde ich nicht so gut, aber dass sie Sex genießen, und offensichtlich das Internet dafür gesorgt hat, dass sie nicht lauter Komplexe, Vorurteile und quatschige Vorstellungen in sich tragen – find ich super, find ich fast beneidenswert.

Ja, das kann man auch unromantisch finden. Aber hey, die Romantik ist 200 Jahre her, vielleicht wird es ja auch mal Zeit für was Neues. Wie ich schon sagte: Ich bin nur so kurz hier, alles wandelt sich, und ich bin nicht dafür, alles zu verteufeln, was neu ist.

“You will go so much further” hat Dossie Easton, die Polyamory-Vorreiterin auf der 1. Poly-Konferenz in Hamburg gesagt. Wir seien jung, und wir würden so viel weiter starten. Recht hat sie. Wo sind wohl die Jugendlichen von heute mit 30 oder 40, gerade auch in sexueller, moralischer Hinsicht? Wie werden sie lieben? Wahrscheinlich, das sei zur Beruhigung gesagt, wahrscheinlich genau wie all die Generationen vor ihr. Noch keine Generation hat die Welt zugrunde gerichtet, spätestens mit Mitte 30 schimpft man auf die neuen Gören. Ist ja vielleicht auch ganz gut, so hat man was zu tun.

30.03.2007 13:23
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Du hast den stein weit in den see geworfen
er ging im modergarten still zu grund
und was noch blieb das waren wasserkreise
die unscheinbar an unsre füße rollten
uind als auch diese schließlich ganz verebbten
da sah man wolken durch den spiegel gehn
sie zogen fort – und unten liegt der stein
Armin Strohmeyr

Das las ich gestern nacht, und dachte an das Mädchen was ich mag. Und an die anderen, die ich mal liebte, oder noch liebe, wer kann schon Erinnerung von Liebe unterscheiden. Seltsam, wie in der Melancholie ob der Vergänglichkeit, der Müßigkeit, auch ein großer Trost liegt.

30.03.2007 1:52
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Eigentlich, und darauf komme ich gleich noch zurück, eigentlich ist alles viel einfacher mit Polyamory. Denn die oft zermürbende Frage fällt einfach weg: “Ist das der richtige Mensch?”. Das ist ja dann egal. Ich muss nicht diesen Menschen vor anderen wissen, muss mich nicht entscheiden. Ich muss nur leben was da ist, das ist bedeutend leichter.
Kein Wunder also, dass den meisten Leuten einleuchtet, was Polyamory so bedeutet, oder freies Lieben, also das Leben von Gefühlen jenseits von Strukturen, die Bejahung der einen Zwischenmenschlichkeit unabhängig von der Verneinung anderer. Wenn die Leute erstmal ihre ersten Urteile und Vorsichtigkeiten überwunden haben, ihre Sätze wie “Vielleicht warst du ja noch nicht richtig verliebt” oder derlei, dann nicken die meisten, und hm-hmen. Es wäre zwar nichts für sie, aber verstehen würden sie es.
Kein Wunder, weil es ja eigentlich ganz einfach ist.

Jetzt jedoch ist der Moment gekommen, um darauf zurückzukommen:
Eigentlich.

20.03.2007 11:12
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Paikja, mit der es im Moment schön ist wie selten zuvor, nah, selbstverständlich, einfach und wunderbar, hat eine Beobachtung gemacht.
Es gibt ja den Spruch “Männer reifen wie Wein, Frauen wie Essig”. Der ist ein bisschen hart, aber er spiegelt wieder, wem unsere Gesellschaft das Altern übel nimmt und wem nicht so sehr. Bei Männern sind Falten hübsch, bei Frauen nicht, und so weiter. Unfair.

“Falsch”, hat Paikja gesagt, “wohl fair”. Frauen verlieren im Alter ihre Schönheit. Schade sei das, natürlich, aber auch gerecht, denn bis es soweit ist, seien die Frauen weitaus schöner als die Männer. Hätten nicht nur die Reize, sondern auch den Charme, und viele, viele Vorteile, die daraus erwachsen. Partnerwahl, Sex, Favors, …

Da ist was dran. Erste 3 Dekaden: Hübsche Frauen. Letzte 3 Dekaden: Hübsche Männer. Dazwischen ist es wahrscheinlich am schönsten, da sind sie alle ganz ansehnlich.

19.03.2007 19:47
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“Frauen stehen auf Arschlöcher”. Sagt man. Auf Machos, auf unsensible und rücksichtslose, ungehobelte Knallchargen. Nun kann es an sehr unterschiedlichen Gründen liegen, warum man das sagt.
Zum Einen könnte es ein schlichter Versuch von Männern sein, ihren Selbstwert zu erhalten. “Aha, ich hab immer Pech bei den Frauen, na, dann bin ich immerhin kein Arschloch”. Oder es liegt daran, dass nach einer hässlichen Trennung die meisten Partner als Arschloch erscheinen.

Aber es könnte ja auch sein, dass was dran ist. Dass tatsächlich viele Frauen mit Männern zusammen sind, die unter die landläufige Definition von “Arschloch” fallen. Tatsächlich gab es in meinem Studium – Ihr wisst schon, “damals”, als ich noch Student war. Ach, das war eine tolle Zeit, aber heute, als Diplompsychologe, ist das natürlich völlig anders geworden. Ich denke gern und oft zurück an die Zeit an der Uni… wir waren ja so jung, und so verrückt… – also, tatsächlich gab es in meinem Grundstudium eine Theorie, die das irgendwie erklären konnte, nämlich über die Rechtfertigung des Aufwands. So komplett kriege ich das nicht mehr zusammen, aber es ging irgendwie drum, dass man bei dissonanten Informationen (z.B. “Der ist aber süß” und “Der hat gerade einen total miesen und blöden Kommentar abgelassen”) versucht, diese Dissonanz zu verringern. Aus irgendwelchen Gründen passiert das häufiger über “Ach, so blöd war der Spruch gar nicht, der Thorsten hat halt ne raue Schale” und nicht so oft über “Tja, ist wohl doch nicht so toll, dieser Typ”. Wahrscheinlich weil man gern verliebt sein will. Wie auch immer.

Letztens lag ich mit einer Frau im Bett herum, wir sahen einen Film, und ich spürte eine gewisse sexuelle Anziehung. “Hui”, dachte ich, “das fühlt sich aber ganz nett an”. Die Frau hatte vorm ins Bett legen ihren Pullover ausgezogen und meinem Blick ihre wohlgeformten Schultern und ihr Dekolleté angeboten. Das wusste der Blick sehr zu schätzen und ruhte sich zeitweise darauf aus.
Ich allerdings, weitaus besser erzogen als mein Blick (mein Blick wurde nie geschult), dachte, dass es kompliziert werden könnte, und wusste ja auch gar nicht, was die Frau so wollte. Spielen? Anfassen? Das berühmte “Mehr”? “Mehr” hätte ich nämlich nicht gewollt, und wenn ich jetzt spiele und anfasse, verspreche ich dann nicht etwas?

Ich weiß, ich weiß, das ist bekloppt. Ich sollte entweder drauf scheißen oder drüber reden, aber das hab ich halt beides nicht gemacht. “Kommt Zeit, kommt Rat”, dachte ich, und genoss erstmal den Abend mit ein kleinklein bisschen schmiegen (ja, kleinklein, das ist noch etwas weniger als ein klein bisschen). War eigentlich auch schön, im Moment und alles. Die Anziehung war dennoch da.

Jedenfalls merkte ich ganz deutlich: Ich hatte Angst, dass ich sie verletzen könnte, wenn ich jetzt forsch werde, dass wir in ein Missverständnis rutschen. Das hätte mir leid getan. Zwar auch für mich, denn das wäre ganz schwierig geworden, aber mehr noch für sie. Ich verletze nicht gern.

Und vielleicht, so jetzt die steile These, ist das genau die Eigenschaft, die sogenannte Arschlöcher nicht haben. Sie versuchen nicht, eine Verletzung zu verhindern. Ich sage nicht, dass sie gern verletzen, aber vielleicht wäre ein landläufig definiertes Arschloch in meiner Situation einfach lockerer gewesen, und hätte mal geschaut was so passiert. Und, more often than not, würde daraus vermutlich was Nettes erwachsen. Klar, manchmal tun solche Leute anderen Leuten weh, aber häufig passt es ja auch. Alle mögen Sex. Und so wäre dann auch klar, warum diese sogenannten Arschlöcher so erfolgreich sind. Wenn sie es dann noch hinkriegen, selber keine Angst haben, verletzt zu werden, steht ihnen die Welt offen und liegt ihnen zu Füßen. Obwohl, vielleicht doch nicht beides zugleich, dann stürzen sie ja hinein.

Aber eins von beidem vielleicht. Könnte doch sein. Und dann sind die Arschlöcher auch keine Arschlöcher, sondern furchtlos, und die anderen Männer sind nicht die anderen Männer, sondern feige. Haben Dünkel in Momenten, wo der Dünkel nicht angebracht ist. Trauen sich nicht, die Hand auszustrecken oder den Mund aufzumachen. Also: Scheibe abschneiden von den Furchtlosen.

18.03.2007 13:08
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Heiei, ich komme nach der Abgabe meiner Diplomarbeit nicht aus dem Effizienzzwang heraus. Während der DA musste alles gut aufeinander passen. Mittags in der Uni essen, möglichst in Gesellschaft wegen Sozialkontakten, dann in die Bib, lesen, kopieren, ins Wiki schreiben, nach Hause, wichtige Sachen in die Arbeit, Abendessen, noch telefonieren. Gar nicht so sehr zack, zack, aber alles musste schön passen.

Das hab ich mir jetzt über Monate ziemlich antrainiert, und jetzt wo ich frei hab bin ich es noch nicht wieder los. Die Mail lädt hoch, schnell zweidrei Dinge vom Schreibtisch räumen, immer noch nicht fertig?, dann aber mal flott nen Blogeintrag geschrieben.

Mühselig. Ich gebe zu, die Eigenschaft ist sehr oft hilfreich, aber so von 2 Meter Entfernung ist es regelrecht lächerlich tayloristisch. Ich bin ja kein Roboter.

Allerdings hatte ich letztens mit einem lieben Bekannten ein Gespräch über Weisheit, und dass ein großes Stück Weisheit darin besteht, sich wertungsfrei zu betrachten, und hinzunehmen, dass manche Phasen eben nicht so sind, wie man sie gern hätte. “Aha, gerade versuche ich also wie eine Maschine zu arbeiten, obwohl ich frei habe”. Anschauen, zulassen, zurücklehnen.
Das geht bei allen bösen Gedanken, ist aber auch überall gleich schwer.
“Aha, gerade habe ich also Lust auf Sex, es ist aber keiner in Aussicht.”
“Aha, das Mädchen das ich mag investiert kaum etwas in unser Miteinander und ich fühle mich zurückgewiesen.”

Nicht leicht, aber vermutlich wirklich ein sinnvoller Weg. Nothing is ever easy.

17.03.2007 11:53
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Gestern im Kino habe ich eine Vorschau für “Shoppen” gesehen. Brilliant betitelter Film, geht es doch um Single-Events, wo man hingeht, um “den Menschen” zu treffen. Hier irgendwo muss er doch sein, der Mensch.

Szene aus Shoppen

Der wird sehr nett, glaube ich. Insbesondere eine Beobachtung hat es mir sehr angetan:

Ist doch komisch, dass man heute reden können muss, um Sex zu haben.

Schlau. Und bitter. Und schlau.
Filmstart am 3. Mai.

16.03.2007 12:52
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So, ihr könnt jetzt alle “Sie” zu mir sagen, ich habe mein Psychologiestudium (ENDLICH!) abgeschlossen. Hui. Bin ich erleichtert. Dipl.-Psych. darf ich mich bald nennen. Und vor allem muss ich nicht mehr in den alten Betonklotz. Ich hab ihn zwar lieb, aber irgendwann reicht’s auch mal. 6einhalb Jahre sind wirklich genug.

Damit besteht jetzt auch die Chance, dass ich in Zukunft wieder mehr Leben zum erleben habe, und gelegentlich mal wieder was drüber schreibe.

11.03.2007 19:57
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Das sage ich oft, aber spannend ist heute nicht die Botschaft, sondern die Herkunft der Botschaft:

Mehr Überwachung führt nicht automatisch zu mehr Sicherheit, aber stets zu weniger Freiheit. Es gibt keine absolute Sicherheit.
Die Datenschutzbeauftragten

Hach schön. Kümmert sich doch noch jemand um die Verfassung. Eine Liste der “Entschließungen” seit 1992 findet sich auf der Seite von Sachsen-Anhalt (warum auch immer dort…).