09.01.2006 22:11
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Hierarchien sind nichts für mich, glaube ich. Ich komme einfach nicht gut damit klar. Womit ich auch schon weiß, was ich irgendwann in Jobinterviews sagen werde, wenn ich nach Schwächen gefragt werde.

Immer, wenn ich verglichen wurde, kam mir die Galle hoch, gleich wer mich mit wem verglich. Meine Freunde mit ihren Partnern (“Es ist so ein wichtiger Abend für mich, da würde ich lieber mit ihm…”), meine Mutter mit sich früher (“Das hab ich auch lange gedacht”), oder jetzt eben meine Lieben mit ihren anderen Lieben. Ich bin mir sogar bewusst, dass das eine Empfindlichkeit ist, dass ich im Zweifel ziemlich früh anschlage und Vergleich wittere, wo eventuell keiner ist, aber Vergleich ist der Anfang von Wettbewerb, und das ist der Anfang vom Ende.
Also bin ich da sensibel und bedarf besonderer Pflege.

Jedenfalls, und das finde ich hier gerade wichtig zu notieren, ist Primary/ Secondary natürlich nur eine Unterform von Polyamory, und wird sogar als recht nah zu Monogamie beschrieben.

Stimmt. Denn was mit dem Primary entschieden wird hat Auswirkungen auf den Secondary, und wenn der Primary entscheidet, jetzt wird mal nix gemacht mit Secondaries hat man die aus der Monogamie altbekannte Wahl: Mit- oder Schluss machen.

In diesem Gefüge stoße ich mich, fühle zu wenig Liebe, muss zu viel fürchten um Dinge, um die ich aber nicht kämpfen will. I want them to be freely given.

Diktiert die Form wohl den Inhalt? Sollte ich erst rausfinden, welche Form mir gefällt? 3und20 sagt, Erwartungen sagen einem, wo man hinwill, da ist was dran.
Oder diktiert doch der Inhalt die Form? Und es kommt, was kommt?

Everything’s falling apart.

09.01.2006 18:39
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Meine Recherche fördert mal wieder Feines zutage, diesmal die Abschlussarbeit der Psychologin Elaine Cook: Commitment in polyamorous relationships.

Ziemlich gute Literaturübersicht und für einen wissenschaftlichen Start nicht schlecht, wie mir scheint.

Die Studie selber hat mir wieder ein zu kleines N, außerdem ist sie wieder nur explorativ. Aber, wie gesagt, die Literaturübersicht gefällt mir gut.

09.01.2006 18:01
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Gerade lese ich den besagten Sternberg-Text über die 3 Faktoren von Liebe (Intimität, Leidenschaft, Commitment), und mir wurde präsentiert, dass diese 3 Faktoren sich schlau als Dreiecke darstellen lassen. Je weiter eine Spitze rausragt, umso stärker ist jener Faktor ausgeprägt. Die Fläche, so Sternberg, repräsentiert dann das Ausmaß der Liebe, und die Form der Art.

Völlig zu Recht behauptet Sternberg folgendes:

There are always at least two people involved in interpersonal love relationships, and each of them experiences a triangle of love.

Das “at least two” stach mir natürlich ins Auge, aber viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass man wirklich immer unterschiedliche Dreiecke hat. Scheißegal ob poly oder mono, Dreiecke müssen passen.

Bei mir passen sie gerade nicht so gut. Und schon komme ich wieder stärker beim “freies” an, auf Kosten des “lieben”. Beides gleichzeitig is aber auch schwer.

09.01.2006 15:00
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Es prangen große Plakate allüberall. Parship ist nur eins von vielen Unternehmen, die mit dem Unglück Geld verdienen, was sich aus Individualismus hier und Zweisamkeitsideal dort ergibt.

Und weil es viele sind, und weil die Menschen misstrauisch sind, müssen sie natürlich Joker ziehen.

“Die große Liebe finden – Garantiert. Sternchen”
steht auf den dicken roten Plakaten. Sternchen steht da natürlich nicht, da ist eins (so: *), aber es wird nicht, wie es sich für ein Fußnotenzeichen gehört, am Fuße des Plakates erläutert.

Na gut, die Netzadresse ist ja gut genug. Und da finde ich sie, die “Große Liebe-Garantie”, und kann nicht anders als es zynisch zu finden:

Die einmalige Große-Liebe-Garantie: Sollten Sie im ersten Anlauf nicht fündig werden, schenken wir Ihnen weitere 6 Monate bei PARSHIP.de!

Ja, so läuft das mit der großen Liebe. Man findet sie, wirklich, ist kein Problem. Und wenn nicht, dann sucht man einfach weiter, dann findet man sie schon, wirklich, kein Problem. Und wenn nicht, dann…

Ach, und übrigens:

Der Garantieanspruch ist nicht übertragbar oder umwandelbar in eine Geldleistung.

Das ist doch Realsatire.

09.01.2006 14:40
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Berlin, Berlin

Es ist nicht wirklich neu, aber es verdient Erwähnung. In der dritten Staffel von “Berlin, Berlin”, Folge 49 (Nimm 2) fährt Lolle zweigleisig – Da sie sich weder gegen Alex, ihren Freund, mit dem sie zusammenziehen will, entscheiden kann, noch gegen Sven, ihren Cousin, mit dem sie jetzt zusammenwohnt, und die sie beide liebt, fahren sie zusammen ins Grüne.

Um die Gefühle klarzukriegen.

Zwar gilt in den besagten Folgen (47 – 49) die monogame Norm, und sowohl Alex wie Sven fordern eine Entscheidung, aber gleichzeitig ist sehr deutlich, dass Lolle beide liebt. Die Fähigkeit, mehrere Menschen zu lieben, wird also erstmal anerkannt.
Zudem versuchen sich die drei in der Tat an einer Beziehung zu dritt… das Ganze geht schief, und leider zieht Lolle schlussendlich das Resümee, dass sie eher egoistisch war und nicht an die anderen gedacht hat.

Dennoch ist das mal wieder ein Zeichen für mich, dass Polyamory und alles was da so dranhängt immer mehr Thema wird.
Und ich meine, hey, Zielgruppe für Berlin, Berlin sind schon ungefähr 16-jährige, würde ich sagen. Da geht noch was.

08.01.2006 19:38
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Ich stöberte gerade in alten Beiträgen, weil ich etwas suchte, und fand einen, in dem ich über Marveille und Powergirl schreibe, dass alles super wäre und das Gefühl so schön und überhaupt:

Ich wünsche mir insgesamt so sehr, dass das Gefühl, dass ich jetzt gerade habe, weitergeht…dass ich es mir weiter erlaube, einfach verliebt zu sein, auch die Ungewissheiten zu ertragen, und dass ich beiden das Gefühl vermitteln kann, was ich jeweils für sie habe, dass das unabhängig voneinander ist und wunderschön.

Memo an mich: Die eigenen Wünsche mehr in die Hand nehmen.

08.01.2006 19:31
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Hossa! Bettgeflüster bloggt wieder, nachdem er letztes Jahr alles dicht gemacht hatte.
Quality male sexblog.
Das gibt’s nicht oft, nicht umsonst hat der Gute so viele Hits.
Zudem lässt er sich gern auch mal auf, ich sag mal, ortsfremde Diskussionen ein, und versucht aufrichtig die Dinge zu verstehen, die er eigentlich seltsam findet. Polyamory gehört, glaube ich, dazu.

Das finde ich ziemlich integer von ihm, und überhaupt ist er lesenswert, deswegen wollte ich Bescheid sagen, obwohl er, wie gesagt, mit Poly-Themen selber nichts zu tun hat, und mit dem Lieben hauptsächlich auch nur im körperlichen Bereich.

08.01.2006 18:45
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Im Interview striffen wir noch ein weiteres interessantes Thema.
Der Interviewer spielte ein Assoziationsspiel mit mir, was ganz humorig war, und sagte also Worte, auf die ich dann meine spontanen Einfälle sagen sollte.

Unter anderem sagte er “Kontrolle”, und ich kam ins Sinnieren, und weil wir vorher das Stichwort “Politik” hatten, dachte ich an Staatliche, und dabei dann an Thomas Hobbes, von dem ich wenig weiß, dieses Wenige mir aber gefällt. Im Rahmen der Osthoff-Entführung wurde der gelegentlich erwähnt, denn Hobbes sagt (so ich das richtig verstanden habe) folgendes:

Der Bürger verdient sich die Fürsorge des Staates durch seinen Gehorsam. Der Staat wiederum verdient sich das Gehorsam der Bürger durch die angebotene Fürsorge.

Im Klartext: Wenn der Staat einem keine Straßen bauen und kein ALG 2 zahlen würde, dann hätte er das Recht verwirkt, irgendwas von einem zu fordern. Zum Beispiel, dass man Arbeit sucht oder das Land verteidigt.

Weil das Interview aber nun um mein Blog und somit ums Lieben ging, schwonk ich um zu jenen Themenfeldern, sagte dann irgendwas anderes, bezog aber vor allem mal diese Hobbes’schen Thesen auf Beziehungen.

Ich verdiene die Fürsorge meines Partners nur durch meinen Gehorsam. Oder, weil Gehorsam so hart klingt, durch meine exklusive Entscheidung für diesen Partner, für mein Einhalten der monogamen Norm. Das darf mein Partner von mir verlangen, solange er sich fürsorglich verhält.

Ich bin ihr treu, weil sie mich liebt.
Sie liebt mich, weil ich ihr treu bin.

Das finde ich eine interessante Anwendung (übrigens mal wieder der Vertragsgedanke…), denn obiger Satz ist ganz schön nah dran an monogamen Konzepten, wie ich finden muss.
Wenn man in der Wikipedia mal liest, was Hobbes Alternative dazu ist (auf Staatsebene), nämlich der sogenannte “Naturzustand”, dann muss man sagen: Sind nicht die schlechtesten Konzepte.

Es herrscht Anarchie; die Menschen führen – in Hobbes pessimistischem Weltbild – einen “Krieg aller gegen alle” (bellum omnium contra omnes), in dem “der Mensch dem Menschen Wolf ist” (homo homini lupus est).
Wikipedia, Leviathan (Thomas Hobbes)

Tja. Aber Hobbes benennt auch exakt das, was mich an der scheinbaren Lösung von Gehorsam und Fürsorge, ergo von Treue und Liebe so stört:

Der Preis dieses übermächtigen Staates ist die Freiheit, die es bis auf wenige Ausnahmen in Hobbes Abhandlung nicht mehr gibt. Sie wird dem Streben nach Sicherheit geopfert. Triebfeder der Staatsbildung ist nicht mehr – wie etwa noch bei Aristoteles – die „eudaimonia“, das „gute Leben“, sondern vielmehr das „nackte Überleben“, dem Entrinnen der im Naturzustand begründeten Gefahren.
Wikipedia, Leviathan (Thomas Hobbes)

Oh, wie passend… Die Analogie gefällt mir… Das nackte Überleben, koste es was es wolle. Die Freiheit wird der Sicherheit geopfert. Hallo Herr Schily… Hallo Monogamie.

Und die “Im Naturzustand begründeten Gefahren” finde ich in der Tat nicht schlecht benannt, denn genau in so einen Dschungel will ich ja am liebsten.

08.01.2006 18:28
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Sauwitzig… Ich wurde gerade gut anderthalb Stunden interviewt. Und, wie schon zum Jahreswechsel gemerkt, sind mir die Konzepte mittlerweile viel klarer.

Nach wie vor viel unklarer ist mein Verhältnis zum Blog, und ergo auch zu euch Lesenden. Lest ihr mein Tagebuch? Schreibe ich euch Geschichten? Seid ihr voyeuristisch und ich ein Exhibitionist?
Die Antwort ist natürlich klar, sie ist die Antwort, die man im Psychologiestudium ständig hört und irgendwann ständig sagt: Ein bisschen von allem.

Aber die Antwort ist natürlich feige. Das Ganze wird ohnehin nochmal komplexer, weil hier sowohl völlig Fremde wie Freunde und Geliebte von mir hier mitlesen, sodass ich einen schmalen Weg gehe zwischen Aufrichtigkeit und Datenschutz, zwischen Authentizität und Stil.

Das war schön, das nochmal zu reflektieren.

Apropos: Das wurde mir auch nochmal klarer im Interview, dass auch Polyamory im ersten Schritt im Grunde nur eine Option zum Reflektieren ist, dass es zunächst mal ein sehr kognitiver Prozess ist. Man wirft die Axiome, die für die Liebe so gelten, einmal um, und fühlt erst dann nochmal hin.
Man kann nur eine Person lieben? *rumms*
- Okay, was fühl ich jetzt?
Man hat entweder ne Beziehung oder ne Freundschaft? *rumms*
- Okay, was bist du für mich?

Das ist interessant, weil ich in der Tat jetzt am zweiten Schritt bin, namentlich das Leben, die Praxis, und naturgemäß hier ebenso Fehler mache wie beim ersten Schritt.
Beim Axiomeschmeißen fühlte ich mich eine Weile elitär, dachte, ich hätte Wahrheit gefunden und habe mich isoliert. Das hab ich jetzt weitgehend im Griff.
Und nun, beim Leben, kommen die Erwartungen, wie das nun zu sein hat, ich fühle noch nicht ausreichend hin, was genau da ist, sondern habe schlicht neue Normen.

Gute Erkenntnis…

08.01.2006 0:28
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Ich glaube ich bin nicht besonders gut in diesen ganzen Beziehungssachen.
Das mag jetzt enttäuschend klingen, immerhin hab ich seit über einem Jahr ein Blog zu dem Thema, da liegt ein gewisses Expertenselbstbild irgendwie nahe (auch wenn das alles ganz gefährlich ist, aber ganz gefährlich), aber irgendwie läuft das immer gleich:

Alles ist super, es wird ernst, ich werde komisch.

Immer. Weil nämlich, und das ist ganz perfide, weil ich um die Scheiße an der Sache weiß, weil nämlich Erwartungen angehen in mir. Eigentlich weiß ich ne Menge über Erwartungen, weiß allem anderen voran, dass sie gemeine Halunken sind, so Leute, die ungeladen auf ne Party kommen und einfach. Nicht. Wieder. Gehen!

Solche Leute sind die Erwartungen. Und hässlich noch dazu.

Letztens traf ich eine, die gab sich erst gar nicht zu erkennen. Es war in Powergirls Augenblicksheimat, in der ich sie besuchte, und am zweiten Tag arbeitete sie, das war klar, und ich wartete den ganzen Tag auf sie.
Rational war alles logisch (witziger Satz…). Ich fahr hin, wir haben den Abend, ich warte den ganzen Tag, wir haben noch nen Abend. Ihr ging es nicht so gut.
Ich merkte nur, wie ich immer missmutiger wurde über den besagten Tag. Ich hatte was zum Lesen für die Diplomarbeit dabei, und doch, und doch… Missmut.
Irgendwann kam Powergirl wieder, und ich war missmutig, das merkte sie, und ich berichtete, dass ich eben missmutig sei, täte mir leid, aber irgendwie könne das ja auch mal sein.
Powergirl hat aber (völlig zu Recht) auf etwas Anderes in diesen Aussagen reagiert: Auf die Erwartung. Denn der Erwartung hab ich, ohne es zu merken, die ganze Zeit in die Hackfresse geschaut, und daher wurde ich missmutig. Oder nein, eigentlich wurde ich sogar missmutig, weil die Erwartung gesagt hat: “Komm, setz dich mal neben mich und schau dir die Situation hier genau an. Fällt dir was auf? Stimmt, irgendwas ist doch doof, oder? Müsste es nicht eigentlich…”

Da hätte ich es merken sollen. Der Konjunktiv und das Modalverb “müssen”. Was sollte es anderes sein als eine Erwartung? Überhaupt, müssen als Hauptverb, allein die Rolle des Zwangs darin should have given it away.

Mit Marveille gab es dich auch. Da hatte die Erwartung einen geschmeidigen Körper und sagte “Na, erinnerst du dich? Ja, leg dich zu mir, genau. Müsste man das nicht viel öfter haben?”

Boing. Schon wieder.
Fickende Scheiße, immer die gleichen Fallen. Ob das noch genauso geht, wenn ich 50 bin? Wird man die kleinen Kacker irgendwann mal los?

Und jetzt bin ich wieder am ackern, meine Erwartungen abzuhängen, ihren hässlichen Visagen in ihren hässlichen roten Peugeots davonzulaufen, und das ist mühsam… Ach je…