04.05.2005 21:40
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Gerade geht viel in mir, irgendwie. Zu viel zum Sortieren, scheint mir, aber immerhin alles gut. Das Mädchen, das in der Geschichte steht, hat mein Blog gelesen und geweint, aber nicht aus Trauer, hat mich darin erkannt, hat mich besser verstanden.
Das ist gut, weil authentisch gut ist.

Und mit der Wahlschwester sprach ich über gutes Leben, was halt auch authentisches Leben ist, und vor allem immer das eigene. Das Leben, mit dem man allein ist.
Und was es zu genießen gilt, was aber schwer ist.
Und in zwei Wochen besuch ich sie, dann üben wir das, sofern das geht zu zweit.

Ich glaube ich werde jetzt spazieren gehen. Mit meinem Leben und meinem Ich. Mal sehen wie wir 3 uns so verstehen.

02.05.2005 1:59
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Wenn man den Titel eben jener Veranstaltungen ein paar Mal sagt, klingt er nach Freiheit und Menschsein:
Open Air. Open Air. Open Air.

Wenn heute, auf dem Open Air, bei dem ich war, die Aliens gelandet wären, hätten sie drei Botschaften mit nach Hause gebracht:

  1. Die Erdlinge hören so mittelgute Musik
  2. Sie zahlen unheimlich viel Geld für Nahrungsmittel
  3. Sie sehen super aus

Auf Festivals sind immer viel mehr schöne Menschen, und ich meine jetzt erstmal wirklich nur physisch schön, als sonst. Es sind immer unterschiedliche Dinge, mal hier ein Mund, da ein paar Augen, dort Beine, eine Brust, ein Lachen, ein Tanzstil, aber es sind viel mehr als sonst.
Wie kommt das? Lag es nur an der Sonne, also entweder daran, dass sie mir auf den Kopf schien und mich erhitzte, oder daran, dass sie den anderen a) auf den Kopf schien, um sie zu erhitzen, und b) überall sonst hin schien, sodass sie sich auszogen und außerdem schön aussahen, so wie eben alles in der Sonne schön aussieht? Lag es an der Musik? Daran, dass es umsonst war, und wir uns alle ganz frei und ungezwungen fühlen durften?

Jedenfalls war es super. Mindestens 800 Menschen friedlich beisammen, alle mit dem gleichen fehlenden Ziel, alle einfach nur so. Und mindestens 200 davon wirklich bildschön.

Allah ist schön und liebt die Schönheit, hat der Sufi gesagt. Man ist ja schnell politisch unkorrekt und oberflächlich, und Paikja, mit der ich da war, hat mich schon gescholten, aber ich mag auch die Schönheit. Sie ist nicht entscheidend, sie ist nicht das Wichtigste, aber sie ist … naja, schön eben.

02.05.2005 1:29
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Wie bei B. neulich zu lesen war, war er in der S-Bahn und fand es schön, dort zu sein, hat sich als Teil der alltäglichen Ewigkeit des Menschseins gefühlt.
Das hab ich nicht so ganz verstanden, aber es klang für mich nach ganz viel von dem, was ich unter freiem Lieben, oder eigentlich unter Lieben überhaupt verstehe: Den anderen erkennen, und dabei (evtl. in ihm/ihr) sich selbst erkennen.
Frei wird es dann, weil man dieses sich selbst erkennen und wen anders erkennen nicht exklusiv macht.

Jedenfalls gab er ein Beispiel (unter anderen):

Das Mädchen gegenüber war ein bischen zu krass geschminkt, machte aber einen hübschen linksalternativen Eindruck und hatte superkrass hellblaue Augen. Irgendwann während der Fahrt hat sie gegähnt, wie ein kleines Kind.

und dabei dachte ich: “Jau”, dachte ich, “das kenn ich, Gähnen ist wirklich sexy.”
Kurz darauf dachte ich: “Ne. Sexy is das gar nicht. Vielleicht süß?”
Aber süß sind auch Teddies (evtl.) und Kinderzeichnungen, aber irgendwie fehlt mir da ein Wort.

Wenn jemand etwas tut, und ich will unmittelbar Sex mit dieser Person (so vom Impuls her, ihr wisst schon), dann ist es sexy.
Wenn jemand etwas tut, und ich fühle in dem Moment große Liebe für die Person, sehe mich in ihr und vor allem auch sie, erkenne ihren und meinen Teil an der Weltenseele, Teil der alltäglichen Ewigkeit, was ist es denn dann?

01.05.2005 2:05
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… fragt Nina in “le film” (siehe Links), und ich finde es ein gutes Motto. Ist ja eigentlich eine Frage, die einen (Achtung, neues Verb) immer wieder neu horizontiert.

Und häufig gibt es keinen guten Grund für pas, glaub ich.

01.05.2005 1:20
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Gerade war ich bei der Konforma – äh, Konfirmation meines Cousins, und die Feier danach war sehr schön. Familie ist irgendwie doch was Feines. Menschen, denen man nicht nah ist, die man aber trotzdem duzt und die man immer um Sachen bitten könnte, und für die man selber auch gern was tun würde. Blut und Wasser und so.

Die eigentliche Zeremonie aber hat mich nicht berührt. Gerade im Kontrast zum Sufi-Abend, der mich ja wirklich bewegt hat, kann ich doch mit dem Christentum immer weniger anfangen.
Die “heilige christliche Kirche” im Glaubensbekenntnis, das gleichförmige Sprechen, ja Inkantieren von Gesängen und Gelübden, die eher durch das gleichförmige Sprechen denn durch ihren Inhalt Gänsehaut machen, die ewig gleiche Diktion (“Wir sind Gott nah, aber sind ihm auch fern”), die immer überzeugt, aber nie etwas erzählt…
Ich fand es insgesamt doof.
Ich glaube der Pfarrer war auch nicht der beste, die letzte Konfirmation, die ich miterlebte, war besser, war näher am Menschen, aber insgesamt erschien mir dies als ein Gleichschaltungsritual, bei dem nicht nur die Konfirmanden eingenordet wurden, sondern auch alle Gäste gleich nochmal mit.

Ich bin sehr froh, dass mein Cousin den Glauben ganz tief in sich hat, und sich wirklich frei für diesen Weg entschieden hat (seine (coolen) Eltern haben ihm gesagt, er kriegt die ganzen Geschenke auch, wenn er sich gegen die Konfirmation entscheidet. Super), und deswegen kann ich auch mit ihm diesen Tag feiern.
Auch weil, ganz im Gegensatz zum Pfarrer, die Eltern einen lebendigen Glauben haben, einen differenzierten, unideologischen Glauben, den ich irgendwie sehr gutheiße, und bei dem ich froh bin, dass sie ihn haben.
Für mich wär das nichts, trotzdem. Nicht auf die christliche Tour, zumindest.

Ich sollte doch einmal die bürokratischen Hürden nehmen und austreten. Mein Glaube (den ich schon als stark erlebe) hat mit dem Christentum nichts mehr zu tun, wenn ich mal ehrlich bin.

28.04.2005 13:25
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Das Leben ist ein 2 Liter Trog Eis. Es macht nur Spaß, wenn man ihn mit Freunden isst und wenn du ihn nich nutzt, zerläuft er einfach zu Schlotze.

Allein für das Wort Schlotze verdient dieses Zitat meiner grundguten Schlagzeugerin Erwähnung, aber natürlich setzt sie noch einen drauf mit dem Inhalt.

Und vor allem: Was macht das mit meinem kleinen Lebenskonstrukt, dass man ja an sich ganz allein ist, es nur Nähe und keine Verschmelzung gibt, dass nur der lieben kann, der sich selbst liebt, und zwar auch wenn er ganz allein ist?
Ist die Liebe auch ein Trog Eis? Macht sie nur zu zweien Spaß? Ich glaub ja eigentlich nicht… Andererseits bin ich mir ja auch sehr klar darüber, dass ich total auf Menschen stehe, und ihre Nähe genau der Witz ist an einem Leben… Vielleicht gibt es eine innere Einstellung, die den Trog daran hindert, zu Schlotze zu werden.
Switch the button to Gelassenheit. To Hinnehmen. Dann hält das Eis länger.
Und wenn Leute vorbeikommen, um es mit dir zu essen. Umso besser. Aber satt wirst immer nur du selbst. Oder so.

27.04.2005 0:30
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Den folgenden Gedanken hatte ich in meinem ersten Blog gebloggt – ja, genau ein erstes Blog. Aber es war nur zum Testen für eine Freundin, da wusste ich noch nicht, dass es auch mir gefallen würde.
Jedenfalls ist der Gedanke von damals irgendwie charming, und ich musste gerade daran denken.

So wie es die “lie by omission” gibt, also die Lüge durch Auslassung, so gibt’s das auch beim Leben. Ständig. Eigentlich trennt einen immer nur eine dumme Idee vom Tod.
Man wartet auf die S-Bahn, man steht am Zebrastreifen, man geht über eine Brücke, man füllt Öl nach…

Obwohl sich Otto Schily und Konsorten ja wahrhaft Mühe geben, alles so sicher zu machen, dass man gar nicht mehr selber entscheiden muss, gibt es jeden Tag einige Situation (morgen zähl ich mal mit…), wo man “um Haaresbreite” mit dem Leben davonkommt.
Und das Haar ist die eigene Entscheidung, es nicht zu tun. Oder vielmehr, und das ist genau der Punkt:
Das Fehlen einer Entscheidung, es zu tun. Man geht nicht auf das Gleis. Oder auf die Straße. Oder übers Geländer.
Das interessante ist, dass ich noch nichtmal vielen Leuten unterstelle, besonders am Leben zu hängen. Sie treffen einfach in all diesen Momenten überhaupt keine Entscheidung, sie handeln einfach nicht, und genau deshalb überleben sie.
Living by omission.

“Your next step determines wether you live or die. Choose now.” stand mal in einem netten Roman.
Ich bin geneigt hinzuzufügen: “Or don’t choose at all.”

25.04.2005 12:16
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Warum bloggt sonst niemand? Ich bin traurig. Meine tollen neuen digitalen Freunde, die doch immer da sind und mir Geschichten erzählen, sind still (von einigen löblichen Ausnahmen abgesehen).
So war das aber nicht abgemacht!
Keine Themen? Oder zu viele?

25.04.2005 12:14
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Bekanntermaßen ist die Zukunft ungewiss, und ideologiekonform müsste ich das auch genau so gut finden, aber ich bin inkonsistent und freue mich auf den Herbst.
Ich werde mit der Band umziehen, wenn alles gut geht, und der Termin wird immer klarer.
Das mag eine Schnapsidee sein, aber es fühlt sich so schön an, zu wissen, dass ich mit und wegen dieser anderen drei und mit und wegen der Musik nach Hamburg ziehe, dass wir dann zusammengehören und es allen zeigen.
Ja.
Und nochmal voll rein ins Beziehungssubstitut.

Oktober, komm zu mir, dann können wir tanzen!

24.04.2005 19:31
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Ich halte mich ja durchaus für kommunikationssüchtig. Gepaart mit meinem Freiheitsdrang hat das dazu geführt, dass ich kein Handy habe, Handy ist nämlich immer auch Verpflichtung (“1 Anruf in Abwesenheit”, “2 ungelesene SMS”), ich aber andererseits nen Rappel kriege wenn ich nicht morgens und abends meine Mails abrufen kann.
Mails sind nämlich super flexibel, die können zwischen einer SMS und einem langen Brief alles sein.

Diese Form der ständigen Erreichbarkeit, diesem Wunsch, ständig mit meinen Lieben kommunizieren zu können (ohne es zu müssen), find ich super.
Ich kriege gerne Mails, ich lese gerne Blogs, und mag es, wenn da Bezüge sind, wenn man sich zugehörig fühlt.
Das stieß mir gerade etwas quer auf, als ich gerade die Zeile “I wish all my friends were online all the time” vor mich hin sang.

Letztlich ist das ja der Wunsch, dass da immer jemand ist, der oder die für einen da ist, einem zuhört. Also der ganze Quatsch, den ich in Beziehungen doof finde, kommt so hinterrücks zu mir zurück, auf digital gemacht.
Verstörend. Ich hasse doch jede Form der Abhängigkeit (u.a. deswegen trinke ich auch keinen Alkohol), und jetzt muss ich für eine meiner beiden, die ich mir erlaube (Kaffee und Internet) auch noch einsehen, dass sie dem sehr ähnelt, was ich immer seltsam fand.
Naja, immerhin sind es ganz viele Leute, nicht eine Person, das ist zumindest nicht exklusiv, aber dafür doch ganz schön abhängig, halt.

Selbsterkenntnis stinkt. Aber hey, niemand hat gesagt der Weg ist nicht schwer. Jetzt muss ich nachdenken. Und Ravioli essen.