11.11.2005 2:25
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Wenn ich als Künstler, beispielsweise als Musiker, in einem Gefängnis auftrete, und dann alle, sagen wir, Mörder rausschicke, sie also vom Konzert ausschließe.
Bin ich dann unethisch?

11.11.2005 2:00
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Ganz im Gegenteil zu L’auberge espagnol 2 ist Keine Lieder über Liebe ein tipp topp Film.
Er weiß auch nicht so recht Antworten auf die alte Frage: Warum klappt das so schlecht mit der Liebe?
Aber er tut auch nicht so.
Er versucht nicht hinterrücks, doch den romantischen Schnickschnack zu verkaufen.

Er kapituliert.

Und in der Kapitulation verbirgt sich klammheimlich, ganz am Schluss des Films, die Lösung.

***SPOILER: Keine Lieder über Liebe***

Da läuft nämlich Tobi seiner Freundin aus der Disco nach, mit der er sich vor einigen Tagen furchtbar zerstritten hat. Und man erwartet so die klassische Szene. Aber die kommt nicht. Er sagt nichts. Irgendwann fragt sie ihn dann:

“Und?”
“Naja. Ich wollt eigentlich gar nicht reden. Ich wollt nur n Stück mit dir gehen.”

Und dann hört der Film eigentlich auf. Sie fragt nochmal nach: “Warum willstn du jetzt mit mir gehen?”, und er weiß es nicht, und darum geht sie.

Aber für mich war dieser Satz Fazit genug.
Ich hab erstmal noch ein Lied geschrieben. Natürlich nicht über Liebe. Sondern über Filme. Oder so.

10.11.2005 1:34
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L’auberge espagnol 2 ist fürchterlich nichtssagend. Aber, und das hat der Film mit der aktuellen Neon gemein: Es zeigt sich immer öfter die grundsätzliche Unzufriedenheit mit dem Monomodell.

Ewige Liebe? Fühlt sich nicht aufrichtig an.
Versprechen geben? Hat noch nie geklappt.

Aber im Film wie in der Neon wird nur geklagt. Es gibt keine Lösungsvorschläge. Gut, im Film gab es so ein dahingeschnäbeltes “Leb im Jetzt”, aber Carpe Diem war schon im Club der toten Dichter ein alter Hut. Ist natürlich trotzdem wahr.

“Love it, leave it or change it” sagen die lösungsfokussierten Therapeuten. Das sind immer die Optionen aus der Krise. Ich möchte dazu einladen, so auch die eigene Ethik, speziell: die eigene Liebesethik zu betrachten.
Man hat diese drei Optionen. Glücklich damit werden, den Glauben an die Liebe verlieren, oder an andere Arten zu lieben glauben.

Sie sind herzlich eingeladen. Amüsieren Sie sich.

08.11.2005 13:10
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Update: Der Firefox ist nicht mehr in der Beta: Endlich in div’s scrollen… RSS-Feeds von Seiten in Frames abonnieren können…
Lohnenswert!

07.11.2005 15:39
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Ich habe gerade bei meiner unregelmäßigen Liebesrecherche ein Blog gefunden, dass für mich exakt das ganz, ganz Schreckliche an Monogamie darstellt.
Der Autor wurde von seiner Freundin verlassen, mit der er “4 Jahre lang eine eheähnliche Beziehung führte”, und schreibt ihr nach der Trennung einen Brief. Einen sehr vorwurfsvollen, verbitterten.

Auf einer persönlichen Ebene habe ich Mitgefühl für den Autor – dem geht’s dreckig, das ist schlecht. Hoffentlich geht’s ihm bald besser.
Als soziologisches monoamory-Beispiel aber ist es wirklich abschreckend, und Schuld- sowie Besitzkonzepte sind allgegenwärtig.

Dein Egoismus hat mich ins Elend gestürzt [...]
Handle endlich so wie es eine liebende Frau tun sollte.

Own your feelings, will ich dem armen Mann zurufen.

Auch das sehr traurige binäre Denken ist sehr stark:

Ich vermute fast, du hast mich nie geliebt.

4 Jahre sind nichts mehr wert, nur weil sie vorbei sind… Das macht mich regelrecht fertig.

Das ist, für mich, der entgegengesetzte Pol auf dem Liebeslebenkontinuum. Und, bevor es jemand anmerkt: Ich bin mir bewusst, dass auch viele Monos das als übertrieben bewerten würden. Trotzdem ist es ein gutes Beispiel für die Verstrickungen, die in mononormativen Beziehungen möglich sind.
Bui.

07.11.2005 2:57
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So, die Weltenseele hat mir heute, im Theater, ein Stück beschert, das sich exakt mit dem Männerthema auseinandersetzt.
Es war ein Stück über Männer, über ihre Rollen. Ich habe mich ein bisschen mit dem Intendanten und einem der Tänzer unterhalten, und mir schien es, als ob das Stück selbst weniger geschlechtspolitisch gemeint war, als ich es begriffen habe, aber so ist das eben: Kunst ist, was ihr draus macht.

Jedenfalls war es spannend, eine tänzerische Interpretation der aktuell wählbaren männlichen Rollen zu sehen: An Schnullern nuckelnde Männer in Bodybuilding-Posen. Männer die Seile boxen oder sich an ihnen reiben. Männer, die in den Seilen hängen.
Das klassische, scheinbare starke, Männerbild ist eines von Infantilität, Stärke/Gewalt und Sex. Und eines von Hilflosigkeit, wenn sie jener Mittel beraubt sind.

Zeit für ein neues Bild.

Ben_ hat im verlinkten Artikel kommentiert, man könne ein Bild nicht ersetzen durch die Freiheit, sich ein Bild auszusuchen.
Ein bisschen widerspreche ich. Wer heute Bauernsohn ist, wird nicht automatisch Bauer. Wer heute Frau ist, wird nicht automatisch Hausfrau. Es sind exakt die Wahlmöglichkeiten, die das neue Bild ausmachen. Eben: Desorientierung ist zeitgeisty, wie gesagt im ersten Artikel zum Weltmännertag.
Ein bisschen stimmt es aber auch. Weil man natürlich die Optionen kennen muss. Es muss eine Galerie von Lebensentwürfen geben, aus denen ich mich bedienen kann.

Ich werde mal aufmerksam sein für Lebensentwürfe von Männlichkeit.
Werde mir die nächsten Wochen mal notieren, was mir an modernen Männern auf- und gefällt, derer ein paar zu kennen mir glücklicherweise vergönnt ist.
Kann ja nicht sein, dass der neue Mann einfach nur irgendwie unmännlich wahrgenommen wird, und, kaum passt einer nicht ins Bild, eine neue sexuelle Orientierung gefordert wird, wie beim angeblich ersten Metrosexuellen Beckham.
Ist doch hanebüchen, auch wenn ich es lustig finde, sich ständig neue sexuelle Orientierungen auszudenken. Hält die Leute schön auf Trab. Ich bin glaub ich nächste Woche anthroposexuell. Oder retrosexuell? Nein, lieber mentosexuell*.

Ich kenne sogar eine Person, die sich durch eine neugewählte Netzidentität gut mit Mentosexualität identifizieren könnte… Sexy Grüße an dieser Stelle, LB!

07.11.2005 2:44
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Nach der Arbeit gingen wir noch ein Getränk einnehmen, und, wie das so meine Art ist, flirtete ich ein wenig mit der Freundin einer Kollegin.
Nur ein ganz klein bisschen, fand ich, wobei letztens jemand über mich gesagt hat, ich sei ja “überflirtig”, oder halt, was schreib ich, ich wäre überflirtig. Und hormongesteuert.
Naja.

Jedenfalls ging ich dann nach Hause, und dachte, mehr spaßeshalber, darüber nach, wie so ein Flirt weiterlaufen würde. Also, der Rahmen ist ja, wenn man ehrlich ist, vorgegeben. Mailen, Telefonieren, Treffen, Reden, Schauen.
Irgendwann würde ich dann sagen “Ach, ich bin übrigens poly” – “Was heißt das denn?” – “Naja, das heißt, dass ich lieben dürfen möchte, wenn ich lieben will”

Und dann dachte ich: Stimmt. Ist ja auch überhaupt nicht einzusehen, sich da einzuschränken. Das Leben, dachte ich dann (es war schon spät, da werd ich global und pathetisch), ist zu kurz um sich einzuschränken.

Leider fiel mir 50 Meter weiter ein, dass ich noch am selben heutigen Abend gesagt hatte, den Verzicht sehr zu schätzen.
Ich trinke keinen Alkohol, rauche nicht, nehme auch keine anderen Drogen und ich esse kein Fleisch. Askese ist mein Freund.

In der Bahn versuchte ich zu fassen, was der Unterschied ist. Warum finde ich es gut, mich bei Genussmitteln wie Nahrung und Drogen einzuschränken, bei Genussmitteln wie Menschen oder Nähe aber nicht?

Der Ansatz, den ich fand, lautet so: Alkohol, Kippen, und der mit Fleischessen assoziierte Ethikbruch, bedeuten, dass ich mich von mir wegbewege. Mir selbst untreu bin.
Liebe zu äußern, Offenheit dagegen bedeuten, mir nah zu sein, und ich würde mir untreu, wenn ich mich da verleugnete.
Sex finde ich dabei einen streitbaren Punkt… Ich mag das, würde mich aber auf den Gedanken einlassen, dass der Verzicht einen näher zu sich bringt.

Und ich muss kurz Nietzsche zitieren, zum Abschluss.

Was sagt dein Gewissen? Du sollst der werden, der du bist.
Friedrich Nietzsche

06.11.2005 0:07
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Noch was zum Weltmännertag: Die Idee, am Weltmännertag irgendwas Chauvinistisches zu machen, ist doch ziemlich weit verbreitet.
“Fußball gucken” kriegte ich gerade als (zugegeben halb scherzhafte) Antwort auf die Frage “Wie hättest du ihn den verbrachtet, hättest du gewusst, dass er ist?”.

Bittere Sache. Männer gehen also zurück zum alten Männerbild. Bei Frauen käme einem das nie in den Sinn. Niemand würde, wäre ihm sein Seelen- und Leibheil lieb, am Weltfrauentag vorschlagen, was Leckeres zu kochen. Oder mal so richtig zu putzen, einfach so. Oder sonst irgendnen Scheiß aus dem klassischen Frauenbild.
Aber ich laste das dem Mann persönlich nicht an. Ich glaube ja, dass Sexismus immer beide Geschlechter trifft.

Und das Zurückwünschen eines chauvinistischen Männlichkeitsbildes, oder vielmehr seine unausweichliche Memokraft, zeigt mir zwei Dinge:

  1. Die Rollen, die Männern vorgeschrieben sind, sind in der Tat nicht so schlecht. Sie wählen sie sogar freiwillig. Dennoch sind sie, genau wie Frauen, auf ihre Rollen sehr festgelegt. Es fällt dem Normalmann, der so auf meinem Flur verkehrt, nichts anderes ein. Was mich zu Punkt 2 bringt.
  2. Es gibt in vielen Köpfen noch keine Alternativen zum klassischen Männerbild. Weder in männischen noch in weibischen Köpfen. Und wenn, sind sie ähnlich bigott wie manche der neuen Frauenbilder, die teils zynischerweise ihrerseits wieder einen eigenen Genderdruck aufbauen. “Wie, du willst keine Karriere? Dein Mann soll das Geld verdienen?” Mindestens “Kind und Karriere”, das musst du doch wollen!
    Für den Mann sind selbst solche ambivalenten neuen Bilder rar.

Der mitweinende Macho ist eins dieser ambivalenten Bilder, aber wo gibt’s den denn in echt, bitte? Und wer jetzt David Beckham ins Feld führt, den will ich ermahnen: Mascara und Körperrasur machen Männer weder metrosexuell noch mitweinend. Sie sehen hübscher aus und sind weicher anzufassen. Ende.

Aber insgesamt irgendwie doch alles doof. Frauen kriegen immer mehr Anforderungen, die sich dummerweise auch noch oft addieren, und bei Männern subtrahiert sich alles weg: “Achso, nicht mehr gewalttätig…okay. Auch nicht mehr laut? Oh. Eigenbrötlerisch? Nein? Darf ich Witze über Frauen… Ah, ja. Dacht ich mir. ”

So sehr ich viele der klassischen Männereigenschaften doof finde, und selbst froh bin, viele davon nicht zu haben: Dass ein Wegfall von -Ismen mit dem Wegfall des Modalverbs “müssen” einhergehen sollte, wird da nicht so ganz befolgt. Statt “müssen” zu können, müssen Frauen jetzt “wollen”. “Wille Kinder, aber plötzlich!”
Für Männer wäre mal folgendes dran: “Du sollst eben nicht wollen müssen”.
Musst nicht immer Chef werden wollen. Musst nicht immer einen wegstecken wollen. Musst nicht immer einfach mal nur deine Ruhe haben wollen.
Darfst alles drei. Cool, wenn du alle kannst. Aber müssen sollst du nicht.

05.11.2005 23:04
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In der Kunst ist jeder viel wert, der anders ist. Man entwerfe sein Leben: Jetzt.

Was wäre das nur für eine klasse Welt ? ? ? ?

freies lieben

Weltklasse wäre das. Und wunderschön. Das sag ich euch aber.

05.11.2005 22:43
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Wie ist die unflektierte Form des Adjektivs im Halbsatz “illustrer Kreis”? Illustr? Illust?

Jedenfalls war es lustig auf der I. Konferenz zu Polyamory und Non-Mononormativity. Hä, fragt man sich jetzt, was ist denn letzteres?
Naja, Mononormativity ist ein Sammelbegriff für all jene gesellschaftlichen Normierungs- (also auch Normalisierungs-) prozesse, die eine Beschränkung auf Mono- und Heterosexualität machen. Die also im Klartext die Paarbeziehung als das einzig gangbare Modell darstellen.
Und Non-das ist alles andere.

Und warum war es da lustig? Verschiedenes.
Erstens waren Menschen von der Mailingliste da, die ich lese und beschreibe (und Dossie Easton war auch da! Cool!). Zwar blieb neben der Konferenz wenig Zeit für Viel, aber immerhin hat man jetzt Gesichter zu den Geschichten gesichtet. Und es waren beileibe keine Alt-68er, auch wenn mir noch mindestens dreimal unter die Nase gerieben wurde, das je gesagt zu haben.
Ich würde gerne sagen: “Es waren Menschen wie du und ich”, aber entweder hilft das nichts, weil man mich nicht kennt, oder weil man kein “ich und du” wahrnimmt, sondern sich wundert, was ich hier eigentlich mache.
Also, die Beobachtung war: Das sind keine verschrobenen Grenzgänger. Das sind noch nichtmal, wie in der Queerbewegung, Menschen die Aufsehen erregen oder provozieren wollen (letzteres kommt vielleicht in 3, 4 Jahren, kann ich mir vorstellen…). Es sind Leute, die sich gern zwei gleiche Socken anziehen, passende Kleidung auswählen und insgesamt im Sozialen eher aufmerksam und vorsichtig als polterig und näheerzwingend sind. So wie ich mich auch einschätzen würde.
Nur dass dann einige von ihnen, und das wird zweitens, zu dritt auf dem Sofa sitzen und sich kosen.

Das war cool. Auch in mir sind ja Normen, sind Bilder, sind Prototypen. Und das Bild war bekannt: Auf ner Party kosen Leute, beiläufig, verspielt, zärtlich. Kennt man. Wenn das mehr als 50% auf einer Party machen, geht man meist.
Nur waren es hier eben 3 Personen. Und dadurch kippte das Bild ins Schöne. Dadurch fühlte zumindest ich mich nicht ausgeschlossen, wie ich das auf Parties manchmal erlebe, sondern gab es im Gegenteil eine sehr zwanglose Atmosphäre. Und mit zwanglos meine ich nicht orgiastisch… manche Menschen, die wissen, dass ich auf der Konferenz war und dort übernachtete, scheinen zu erwarten, dass ich mit wilden Sexgeschichten zurückkehre.
Aber poly is something entirely else. Poly ist vielmehr eine Offenheit. Eben zwanglos.

Und das war wirklich klasse. Achtung, drittens. In einem Raum zu sein mit 80 Leuten, von denen höchstwahrscheinlich gut die Hälfte poly ist…

Ich will es nicht verleugnen: …
Also, vielmehr, eins noch vorweg: Im Grunde ist es albern. Die Zugehörigkeit entstand allein aus der Tatsache, dass wir alle “anders” sind.
Aber jedenfalls, und das will ich nicht verleugnen:
Es war schön, mal normal zu sein.