29.10.2005 22:44
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Auf Tahiti kennt man das schöne Wort

Taio – a formal friendship between people not related by ancestors, which involves the sharing of everything, even sex partners.

Kein Wunder, dass Gauguin es dort so mochte… Und das ist doch auch mal ein Wort, dass man aussprechen kann und das ich genau jetzt in meinen aktiven Wortschatz aufnehme.
Finde ich nämlich viel passender als das in Polykreisen oft benutzte “primary”. Mein “primary” wäre halt der Partner, der nochmal über den anderen steht, mit dem ich gemeinsam entscheide. Und dieses Hierarchische, was da mitschwingt, mag ich für mich nicht. Wenn man das hierarchisch hat, ist es ein gutes Wort, aber das will ich ja eigentlich vermeiden.
Wenn ich mit jemandem Taio habe, ist das in weiten Teilen ähnlich, aber halt weder hierarchisch noch einzig. Topp Wort!

29.10.2005 19:38
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Man mag mir vorwerfen, sehr verkopft zu sein (man hätte Recht), man mag mir vorwerfen, das Leben nicht so ganz Ernst zu nehmen (auch Recht), aber ich finde immer mehr Gefallen an einer Sicht auf das Leben als ein Riesenexperiment. Als eine Spielwiese. Ein “Try one, get nothing for free”-Angebot.

Milan Kundera schreibt in “Die unerträgliche Leichkeit des Seins”, dass das ziemlich Verheerende am Leben sei, nur einen Versuch zu haben. Es gibt keine Korrektur, keine zweite Probe.
Man wird auf die Bühne geworfen und soll losspielen. Eventuell, das muss jeder für sich wissen, stehen am Ende Intendant und Regisseurin hinter der Bühne und bewerten einen. Aber die Aufführung ist dann gelaufen. Man geht von der Bühne und das wars. Kein Verbeugen mehr, den Applaus, wenn es einen gibt, hört man nicht mehr. Und die Seele bleibt draußen auf der Bühne.
“Spiel, Freund, gib alles. Spiel um dein Leben und dir die Seele aus dem Leib.”
Jau, wird gemacht.

Mir gefällt das. Bei Kundera schwingt, wenn ich mich recht entsinne, so eine leichte Zerknirschtheit darob mit. So á la “Dann kann man es ja nur falsch machen”.

Ich halte es dagegen für sehr erleichternd.
“Dann kann man es ja nur machen”. Man kann es nicht planen, man kann sich noch nichtmal mit Sinn nachher ärgern (was soll es bringen?).
Ausprobieren, ausprobieren. Und die Zeit lässt es zu, welch Glück! 12 Berufe, 120 Freunde, 1200 Projekte. Das ist doch alles keine große Sache mehr für ein Leben – wie supergeil!

28.10.2005 1:50
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Liebe Brüder und Schwestern,

es sieht grau aus in Deutschland. 1.451 Milliarden Euro Schulden in Bund, Ländern und Kommunen. Schrecklich…

Könnte man meinen!

Mein Mitbewohner und ich haben das eben mal durchgerechnet. Alles halb so schlimm.
Als erstes muss man diese Zahl doch mal greifbar machen. Ich meine, wir sind doch das Volk. Wir haben 1.451 Milliarden Euro Schulden. Aber wir sind ja auch 80 Millionen, macht also pro Kopf:
- 18.137 €

Gut, sicher, das ist immer noch viel Geld. Aber wir haben doch eine Legislaturperiode Zeit, da wird ja durchregiert, das sind 4 Jahre, also 48 Monate. Macht pro Monat 377,86 €. Da müssten uns die Vermieter halt mal entgegenkommen, dann wär das doch sofort getilgt!

Bleibt natürlich noch die Neuverschuldung. Mein Mitbewohner und ich haben auch hier einen guten Plan.
Der Bundeshaushalt für 2005 beträgt rund 270 Milliarden. Die sollen also ausgegeben werden, für dies und das. Dadurch entstehen ca. 70 Milliarden Euro neue Schulden.
Das heißt aber ja im Grunde auch, dass wir 200 Milliarden € im Grunde selber stemmen. Wir, ne? Also, wir Deutsche und so. Jeder Deutsche stemmt 2500 € im Jahr. Nicht schlecht. Reicht aber nicht. Die Neuverschuldung, die Neuverschuldung…

Die Lösung ist aber ganz einfach.
Geburtenstopp!
Klingt vermutlich radikal, aber wir wollen niemandem an den Kragen, selbst die Kinder, die just in diesem Moment geboren werden, sollen schön in Frieden alt werden.

Aber ab jetzt wird halt mal halt gemacht, und ausgegeben wird auch nichts mehr.
Jetzt brauchen wir eben mal auf, was da ist. Die Straßen werden schon noch gehen.

In 100 Jahren ist die Bundesrepublik dann ausgestorben. Weil sie aber kein Geld mehr ausgegeben hat, hat sie ja, wie oben erwähnt, jedes Jahr 200 Milliarden Ocken erwirtschaftet. Das sind 20 Billionen Euro in den 100 Jahren! Also, jeder Bürger 250.000 €. Im Grunde sogar mehr, es sterben ja auch welche weg.

Gut, im ersten Jahr, wo wir jeder monatlich 377,86 Euro abdrücken müssen wird es ein bisschen weh tun.
Aber die folgendenen 99 Jahre leben wir praktisch schuldenfrei, der große Schuldenberg ist getilgt!
Und 2105 wird der letzte Überlebende, der unserer Meinung nach automatisch Bundespräsident sein sollte, den Schlüssel wegwerfen.
Mit nem richtig guten Gewissen.

27.10.2005 23:52
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Irgendwann, das weiß man, dreht sich das Verhältnis zu seinen Eltern um. Man wird sie pflegen müssen oder umsorgen, zumindest wird man Geld für sie aufbringen müssen, und die Abhängigkeit, aus der man sich dann mühevoll gelöst haben wird, kommt umgedreht zu einem zurück.

Aber ich hätte nie gedacht, dass das schon früher in Anschwüngen kommt. Und auch nicht, dass es sich auf Domänen bezieht wie Liebe.
Über meine Beziehungsversuche, insbesondere mein Scheitern dabei, habe ich mit meinen Eltern nie gesprochen. Nicht über meinen Schmerz, und nicht über meine Hoffnungslosigkeit. Auch was das anbetraf, wollte ich immer unabhängig bleiben, wollte das alleine, oder vielleicht mit Hilfe von Freunden zurechtbasteln. Diese Unabhängigkeit habe ich noch immer, und bin froh darum.

Umso mehr trifft es mich, wenn jetzt mein Vater schwach ist nach einem (fast) Beziehungsende, sich an mich wendet. Mich zu einem gewissen Teil vorschiebt, um seine Beziehung zu retten.
Und nochmal seltsamer, weil ich doch an so eine Beziehung gar nicht glaube. Eine, um die man kämpfen muss. Eine, die nicht auf Freiwilligkeit, sondern wohl auf harter Arbeit, Überzeugungsarbeit beruht. Oder auf vorgeschobenen Argumenten a.k.a. auf mir. Auf Lügen.

This is not my battle.
Rekrutier aus dir selbst, will ich ihm zurufen, und hab sowohl das Gefühl, dass es mir nicht zusteht, ihm was zu sagen, sowas schon gar nicht, immerhin ist er doch schon groß und bin ich doch das Kind, aber eben auch das Gefühl von “Ach Papa. So nicht mit mir, und so vor allem nicht mir dir selbst.” Ebenso weiß ich nicht, ob ich primär sauer bin, weil er mich vorschiebt, oder traurig, weil es ihm schlecht geht.
This is all wrong.

26.10.2005 16:11
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Die Zeit will hip sein und haut ein Onlineportal namens “ZeitZuender” für junge Leute raus, oder vielmehr für junge Leute, die eigentlich ja schon zu alt für vieles sind.
So á la “Ach, in Discos geh ich nicht mehr so oft, reg mich aber noch gern über DJs auf”.
Ich glaube, ich bin so am unteren Rand der Zielgruppe. Ich geh nämlich auch nicht mehr in Discos, ärgere mich aber sehr gern über DJs.
Und immerhin schreibt für den Zeitzuender auch der oft bejubelte Markus Kavka. Leider nicht so besonders geistreich, wie ich finden muss, aber immerhin. Ikone der Popkultur.

Und die Zeit hat da (natürlich) auch eine Blogsektion, und der Link dahin wird betitelt mit

Wie man sich in zwei Menschen gleichzeitig verliebt. Was Arianismus ist. Welche Musik Katzen mögen. In diesem Blog seid ihr dran.

und ich finde, Teufel auch, den Artikel über die zwei Menschen gleichzeitig nicht. Weder über die Site-eigene Suche, noch über Google. Und was Arianismus ist, weiß ich zwar jetzt, auf der Zünder-Seite hab ich aber dazu auch nichts gefunden.
Mist.

Oder heißt “Ihr seid dran”, dass dazu noch geschrieben werden soll?
Hach. Wo ich mich doch immer so freue, wenn freies Lieben in der Öffentlichkeit gezeigt wird, einfach als eine Alternative, und nicht immer nur die monogamen Gedanken als einzige Wahrheit verkauft werden.

26.10.2005 1:27
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In der Nacht sind alle Fratzen grau, scheint mir. Die Arbeit war ganz okay, aber Hin- und Rückweg… puh.

Erst die ganz offensichtlichen Nazis in der Bahn. Und alle drumrum hatten Angst, ich auch. Schrecklich! Ich sage ja immer, in ner Demokratie muss man auch Nazi sein dürfen, muss man, weil halt Meinungsfreiheit herrscht, auch irgendwie böse und bescheuerte Meinungen haben dürfen.
Mein Mitbewohner belehrt mich dann aber völlig zu Recht, dass das Problem bei Nazis ist, dass sie halt wider das Demokratische agieren, dass sie sich zwar in der Demokratie legitimieren, eigentlich aber Systemgegner sind. Das stimmt wohl.
Aber das sind Anarchisten und Kommunisten eigentlich auch, und trotzdem darf wegen meiner jeder die Weltrevolution herbeisehnen.
Was mich eben viel härter erwischte, war die Tatsache, dass die drei Jungs allein durch ihren Dresscode Angst machen, weil man mit Glatzen und Stiefeln nunmal Gewalt assoziiert. Und natürlich geht es auch eben um diese Wirkung. Und genau diese Gewaltbereitschaft, dieses Spiel mit der Angst, unterscheidet andere Meinung von Feindseligkeit. Die RAF war ja auch kein Spaß mehr, und die drei Jungs waren es auch nicht.
Schrecklich. Die fühlten sich so unangreifbar, und sie hatten auch noch Recht… Buäh.

Und auf dem Rückweg keine nationalistischen, aber dafür umso verkniffenere Gesichter. Verhärmte Mienen, die von Unrecht zeugen, das angetan wurde, oder von, wie bei den Nazis, Gewaltbereitschaft, aber im Unterschied zu ihnen nicht beinahe beiläufig, als bewusst lockere Drohung, sondern als Reaktion auf viel Schlimmes. Eine Art gelernte Aggressivität, eine offensive Vorsicht. Ich weiß gar nicht, was ich bedrückender finde.

Und natürlich Alkoholiker. Mann, das geht mir immer so nah. Es ist gleich halb 12. Wenn jetzt jemand in der Bahn sitzt und schläft, dann wird er auch noch da sitzen, wenn die Bahn in ihren Schlafhof fährt, das ist in einer guten Stunde.
“Aufstehen! Fahrt ist vorbei! Ich hab jetzt Feierabend.”
Und die arme Sau mit dem Fusel unterm Arm? Die hat nie Feierabend. Arme Sau zu sein ist ein 24/7 Job.

25.10.2005 18:48
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Ich belächle B. ja oft und gerne für seine Misanthropie, wenn er den Sommer verabscheut, oder, gerade wieder, den Herbst und Winter ankündigt als sei der Rest des Jahres nur der Pausenclown.

Aber ich gebe zu… ich mag es ja auch. Besonders mag ich Sturm, und einen Anflug davon durfte ich heute morgen beim Warten auf die Bahn spüren.
Dann zerrt der Wind an mir. “Wie die Sehnsucht”, dachte ich so für mich, dachte aber gleich darauf “Wie schwülstig”. Aber das kann ja mal passieren.

Auch schön ist, bei richtigem Sturm, dieses Geräusch in den Ohren, das man nicht nachmachen kann, was meiner Meinung mit “Heulen” nur unzureichend beschrieben ist. “Heulen” tut der Sturm in Winkeln und Ecken, in meinen Ohren ist es etwas anderes… dieses dumpfe Kabowern. Wenn die veränderte akustische Wahrnehmung, die man beim Einschlafen hat, laut sein könnte, und die Stimmen wegfielen und nur die Veränderung bliebe… so würde es klingen.

Und, da hat B. ganz recht, die ratternden Fenster.
Und dann zu zweit am Fenster stehen und sich kosen… wie vor Jahren schonmal. Das wäre schön. Dumm, dass mein Fenster jetzt auf 1,30m beginnt.

25.10.2005 13:43
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Kein Wunder

23.10.2005 23:14
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Gerade hab ich ja gebloggt, was Pi Supuhui heißt, nämlich übertragen in etwa “Urlaub zum Partnertausch”, aber eben wörtlich soviel wie: 100 Pettings. Auf mikronesisch. Zumindest auf einer Sprache von den mikronesischen Inseln, keine Ahnung. Darum geht’s gar nicht.

Pi Supuhui. 100 Pettings.
Meine linguistische Intuition hält es für wahrscheinlich, dass “Pi” die Zahl ist (nicht weil es wie π klingt, sondern weil es so hübsch kurz ist).
Dann muss Supuhui Petting heißen.
Und als mir das gerade auffiel, beömmelte ich mich (oder “beomel ich mich”?) ein wenig, weil es ja wohl ganz wunderbar nah dran an “Super Hui” ist!

Super, Hui, das macht ja Spaß!
Hihi…

Ist natürlich alles Quatsch, wenn Supuhui Hundert heißt. Aber immerhin hätten wir dann eine Sprache, in der das Wort für Petting (nicht für GV, für Petting, also für etwas recht unpatriarches, regelrecht uneingeschränkt Schönes) nur 2 Buchstaben lang ist.
Pi! Dann hätte das π-Zeichen in der Polyamory-Fahne noch eine ganz neue Bedeutung…

Man kann es drehen und wenden wie man will, es ist witzizg. Und, das muss ich jetzt wohl zugeben, I’m all shook up. Hm-hm-hmmm, hm-hm-hmmmm… Yeah, yeah, yeah.

23.10.2005 19:04
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Schon sehr oft geschrieben: Worte sind Welt. Und in “The meaning of Tingo” geht es um sehr viele Worte aus allen möglichen Ländern.

Hübsche Worte gibt es für allerlei nicht-monogames:

  • agapemone (Greek) an establishment where free love is practised
  • sacanagem (Brazilian Portuguese) the practice of openly seeking sexual pleasure with one or more partners other than one’s primary partner (during Mardi Gras)

Der Zusatz “during Mardi Gras” schmälert meine Freude über den Begriff etwas, Mardi Gras bedeutet nämlich fetter Dienstag und bezeichnet den Dienstag vor Aschermittwoch, wo halt das Fasten beginnt. Das klingt für mich etwas nach präskriptiver Ausgelassenheit, die hierzulande ja zu Karnevalszeiten ebenso wie zu Silvester auch oft herrscht (gestern, am 22.10., wurde ich das erste Mal gefragt, was ich denn Silvester machen würde… 69 Tage vorher…).
Andererseits, so verrät mir Wikipedia, ist Mardi Gras vielerorten auch ein Fest der homosexuellen Bewegung…

Naja, wie dem auch immer sei. Interessant, was es so für Worte gibt…

  • Pi supuhui (Micronesian) a holiday dedicated to mate-swapping (literally: a hundred pettings)

Das wird auf der westpazifischen Insel “Ulithi” so gemacht… spannend. Vor allem folgendes:

Married couples are not allowed to go together and the selection of new partners is encouraged. If there is an unequal number of participants, some couples may become threesomes.

Spannendes Buch! Ich kann es nur empfehlen.