Sie haben latenten Hang zu Wollust
mit nicht zu vernachlässigender Affinität zu Völlerei.
[via 7todsuenden.ch.]
Ha! Na, wenn Wollust nicht dabei gewesen wäre, hätt ich das Blog auch zugemacht!
-.-
Schreibt man mittlerweile nicht Wolllust?
Sie haben latenten Hang zu Wollust
mit nicht zu vernachlässigender Affinität zu Völlerei.
[via 7todsuenden.ch.]
Ha! Na, wenn Wollust nicht dabei gewesen wäre, hätt ich das Blog auch zugemacht!
-.-
Schreibt man mittlerweile nicht Wolllust?
Wie schon oft gesagt, bin ich ein körperlicher Mensch. Die Menschen, die ich liebe, berühre ich gern, und mittlerweile weiß ich für mich, dass ich deswegen auch kein Lüstling bin.
Gestern in der Cafete meiner Uni traf ich zwei Kommilitoninnen, setzt mich zu ihnen und wurde von jener, die mir zur Seite saß, in den Armen genommen, ich nahm zurück in den Arm und berührte unabsichtlich, obschon gern, ihren nackten Rücken, denn die Mode muss auch sparen.
“Du hast gerade übrigens über meinen nackten Rücken gestreichelt, aber macht ja nichts”, sagte sie, korrekterweise annehmend es war ein Versehen, fälschlicherweise annehmend, ich hätte es nicht bemerkt oder es wäre mir unangenehm.
“Warum soll das auch was machen? Ist doch super”, sagte ich, und wiederholte meine Tat, weil ich wirklich völlig unverständig war, warum das irgendwie schlimm sein sollte.
Besagte Rückenbesitzerin drehte sich dann zu ihrer Freundin und sagte “Naja, bei J. findet man es ja ganz süß.”
Ganz abgesehen davon möchte ich mal eben in die Blogosphäre werfen, dass es okay ist, sexhungrig und oberflächlich zu sein.
Gut, das war extra provokant formuliert.
Aber man stelle sich ein Alternativ-Universum vor, in dem folgender Dialog möglich ist.
Er: “Du denkst nie an Sex. Manchmal denke ich, reden und kuscheln ist alles, an was du denken kannst. Liebst du etwa nur meinen Geist?”
Sie: “Unsinn, Schatz. Ich liebe alles an dir. Frauen sind halt so.”
Irgendwann wurde die These “Sex wollen ist unfair” oder so, vielleicht eher “Sex wollen reduziert die begehrte Person auf ihren Körper” populär, Sex zu wollen wurde politisch unkorrekt. Das macht aber überhaupt keinen Sinn.
Ganz abgesehen davon, dass alle Menschen Sex und Orgasmen mögen, sind Männer offensichtlich häufig mehr da hinterher (inwiefern kulturelle Rahmenbedingungen wie bspw. oben das bedingen, lasse ich mal dahingestellt, viel ist dann halt doch biologisch – wenn man Frauen Testosteron spritzt, werden die ganz fürchterlich heiß. Bei Männern hat es übrigens keine Wirkung – die laufen offensichtlich schon am oberen Limit). Aber das macht nichts. Das ist nicht falsch.
Falsch wird es erst, wenn man Dinge tut oder sagt, die die andere Person nicht will. Das ist ein schwieriger Satz, weil es halt sehr auf den Rahmen ankommt, ob zum Beispiel so eine Rückenberührung ein sexueller Übergriff ist oder einfach eine freundschaftliche Berührung. Und zu diesem Rahmen gehören dummerweise auch wieder die Klischees, die Normen, die ja evtl. falsch oder dumm sein können.
In meinen Augen ist der Begriff der sexuellen Belästigung übrigens in den letzten Jahren zu weit gefasst worden (s. auch die Diskussion bei Bandini, wo ich in weiten Teilen auch nicht nachvollziehen konnte, warum das jetzt alles so schlimm ist und in weiten Teilen mit Timanfaya übereinstimmte).
In jenen Grenzen, also bevor es belästigend wird, darf man auch einfach das ausleben, was in einem ist. Die Gedanken sind frei. Will ich doch hoffen.
Das gilt natürlich für Männer und für Frauen (weil letztere, was Sex anbetrifft, auch einem ganzen Haufen Erwartungen gegenüberstehen. Aber das ist ein anderes Thema).
PS: An dieser Stelle mal zwei Links zu zwei Sexblogs, die ich gern lese:
Beide stehen zu ihrer Sexualität, teils eben auch zu ungewöhnlichen Wünschen oder Handlungen, und das finde ich super. Bei Frauen ist es leider noch ungewöhnlich, wenn sie überhaupt Sex wollen und vor allem leben, scheint mir manchmal, und als moderner Mann muss man ja auch eher zurückhaltend und zärtlich sein. Alles Scheißklischees.
So, diesmal keine Spoilerwarnung. You can’t spoil documentaries.
Ein Choreograph bringt 250 Kindern und Jugendlichen ein Stück bei, das sie dann mit den Berliner Philharmonikern aufführen.
Und mit diesen Kindern und Jugendlichen, vorwiegend Berliner Hauptschüler, ein paar Oberstüfler und nichtmehrSchüler, passiert etwas während dieser Zeit.
Sie werden gefordert und auf sich zurückgeworfen. Die Schutzversuche der Lehrer, die es gut meinen, und die so gehen: “Sie sind am Limit, sie verunsichern sie” laufen ins Leere, weil der Typ, der das macht, hart ist zu den Kindern. Aber er vertraut ihnen.
Und die Kinder erzählen am Anfang von ihrer Unsicherheit, von “Wir schaffen das nicht” und “Er erklärt uns das nicht gut genug”, dölmern rum und finden es doof, weil es keinen Spaß macht.
“This is serious”, erklärt der Choreograph. “But I, for one, enjoy the seriousness of dance”.
Und am Ende erzählen die Kinder Dinge wie “Ich glaube, es steckt noch viel mehr in den Leuten, wenn wir nur richtig wollten.”
Nach der Aufführung stehen ein paar kleine Mädchen, so 4., 5. Klasse vor der Kamera und machen einen Singsang, in dem die Zahnlücken und Berlin die Bilabiale verhindern: “Wir haans geschafft, wir haans geschafft”.
Und ich glaube, innerlich meinen sie nicht nur die Aufführung.
Im Film wird viel über das gesprochen, was in einem steckt, über Kreativität und Bestimmung, über den eigenen Weg, über Steine darauf.
Und die Kinder haben alle einen großen Schritt gemacht, und haben etwas über sich gelernt.
Und ich habe am Ende ein bisschen geweint, nur kurz, weil ich zurück auf den Bierwagen musste, und habe gewusst, warum ich Therapeut werden will: Weil in jedem Menschen das steckt, was in diesem Film in den Kindern zu sehen ist.
Gerade beim Lernen für meine Prüfung las ich über “Störungen der Geschlechtsidentität”, zu deutsch (haha): Transsexualität. Männer fühlen sich als Frau, Frauen fühlen sich als Mann, beides ziemlich selten, letzteres seltener als ersteres.
Das als Störung zu diagnostizieren ist hoch umstritten, Gender als Kontinuum und frei wählbare Positionierung darauf ist der Gegenpol.
Ich selber habe meine Meinung dazu noch nicht gefunden und bin für Einzelfallentscheidungen, bin aber, wegen der durchaus nur so mittel optimistischen Studien zur Zufriedenheit von “Operierten” sehr froh, dass es gewisse Hürden gibt, wie halt bspw. ein Jahr Psychotherapie bevor man das macht, psychologische Betreuung während und nach der Operationsphase und so weiter.
Aber darum geht es eigentlich gar nicht.
Es gibt einen Fall (Barlow et al., 1973), in dem ein 17-jähriger nicht, wie sonst eher üblich, seinen Körper umwandeln lassen wollte, damit er zu seiner Identität passt, sondern seine Identität an seinen Körper anpassen wollte.
Mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen hat das auch geklappt – nach einem halben Jahr fühlte er sich als Mann und stand auf Frauen.
Zwei Dinge daran sind SEHR interessant:
Geschlechtsidentität ist mal echt ne krasse Geschichte. Und dass das alles so variabel zu sein scheint… Irre.
Das kann man ja sogar noch weiterspinnen… sexuelle Präferenz fühlt sich bei den meisten von uns ja ziemlich tief unten an, ziemlich weit drin in der Person.
Kann ich mir auch Optimismus hinzaubern lassen? Oder Güte?
Vielleicht hatte besagter 17-jähriger einen Konflikt, der durch die Therapie halt gelöst wurde, und so ganz blind hätte man das nicht einfach dazutherapieren können. Vielleicht ist aber menschliche Identitä noch viel, viel labiler, als man so denkt.
Dissoziative Persönlichkeitsstörung (= multiple Identität, übrigens nicht = schizophren!) ist auch so ein Fall, wo man mit seinen schönen, einfachen Vorstellungen von Identität als Kern des Menschen echt im Regen steht.
Gestern oder so fiel mir auf, dass es ein Wort gibt, das ich sehr schön finde für eine Zwischenmenschlichkeit.
Ich bin ja sehr streng, mit mir, mit der Liebe, mit den Begriffen, finde viele Worte doof, weil sie vorbelastet sind, finde Beziehung nicht trennscharf und so, aber ein Wort ist mir dann doch mal recht:
Liebespaar.
Zwei Menschen, zwischen denen Liebe ist.
Schön.
Ob man das jetzt exklusiv für “Pärchen” benutzen will, sei mal dahingestellt, aber eigentlich ist es schön.
Der Film kulminiert in einer Szene, die für mich sehr hübsch eine Neunormierung in Liebesdingen zeigt, welche wiederum deutlich macht, wie gesellschaftlich das alles ist. Und gleichzeitig wird auch klar, wie cool liberal vieles schon geworden ist.
Am Ende kommen Titzi und Ibo nämlich doch wieder zueinander, Ibo überzeugt sie doch noch von seinen Vater-Qualitäten, entscheidet sich endlich doch für ein Leben mit Kind.
Das ganze passiert allenfalls 8 Stunden nach der Geburt, die Kleine wird gerade zum ersten Mal reingetragen, er ist Türke oder zumindest türkischer Herkunft, sie Deutsche.
Und all diese Sachen, die noch vor 50, vielleicht vor 30 Jahren in jedem Fall dazu geführt hätten, dass eine solche Szene skandalös gewesen wäre, in jedem Fall wäre wohl kaum ein Film drüber gedreht worden, sind weg. Sind anders.
Denn die Szene war einfach nur romantisch. Und schön.
Ich schrieb schonmal über Allgegenwärtiges Lieben, und auch schon darüber, dass ich es für einen Glücksfaktor halte, wenn man sehr im Hier und Jetzt ist.
Gegenwärtiges Lieben drängt sich auf, und insbesondere der “Don’t” Aspekt daran ist mir letztens (an mir selber) unangenehm aufgefallen.
Ich hänge meinen vergangenen Liebschaften sehr nach. Will nochmal die Nähe wie 99, will nochmal so körperlich sein wie 2002, will nochmal so schöne Brüste sehen und berühren wie 2003, will nochmal küssen wie 2004.
Anstatt froh zu sein, wie es war, hänge ich dem hinterher, und zwar nicht nur als schöne Erinnerung, sondern als “So soll es wieder sein”.
Das passt mir nicht, weil es bescheuert ist.
Weil es nämlich nicht in meiner Macht steht, die Welt zu ändern; nur meine Sicht der Welt, in diesem Fall also die Sicht meiner Erinnerungen, und zwar die Sicht der Gegenwart, des gegenwärtigen J.s auf die Erinnerungen, das alles liegt in meiner Macht.
Und es passt mir auch nicht, weil es dabei viel zu sehr um Macht geht, um “Es soll so laufen wie ich das gern hätte”. Manchmal, z.B. bei Powergirl, ist dieser Aspekt des “Gewinnens” (als Subkategorie von Macht) ziemlich weit vorne: Ich bin ziemlich sicher, wenn sie das nicht irgendwann beendet hätte, hätte ich es getan, ich hatte sogar schon oft überlegt und 2x Kontaktsperre verlangt und gehabt, und dann wäre ich überhaupt nicht so sehr darauf aus, das wieder zu finden, was wir hatten.
Das kommt eher aus Trotz.
Aber Trotz, Reue und Souvernis sind allesamt miese Gründe zu Lieben. Sind vielleicht auch gar kein Lieben.
Was tut man nur, wenn Leute, deren weichen Kern man kennt, so unglaublich hart sind?
Wenn sie fast alles, was man ihnen gibt, abwehren und abwehren, und man doch das Gefühl hat, dass irgendwo ein kleines Abbild der Person steht und ein Schild hoch hält:
“Bitte mehr.”
Mit Leuten, die Liebe aufsaugen, wie ein Schwamm, irgendwie, die ganz still werden, wenn man etwas Nettes sagt, vielleicht weil sie Angst haben, was Falsches zu sagen, vielleicht weil sie hoffen, dann kommt noch etwas mehr.
Schritt 1 ist sicher “Viel, viel liebhaben”, aber kann man die irgendwie dazukriegen, ihre Mauern hie und da mit Türchen zu versehen?
Es dürfen ja erst auch welche mit Security Locks und allem sein.
Jedes zweite Wort bei jenen Einträgen meines Blogs, die mehr als zwei Worte haben, ergibt folgende Sätze (bis Mitte Mai, danach wirds doof). Die Interpunktion ist frei gesetzt, meine Favoriten habe ich fett gemacht.
Das und Praxis Blog
Lieben frei und tempo night is the Haggard.
Lieben anrufen Liebe bis am geliebt und Liebe.
Links und of.
Über früh lassen wie Süße, machen machen Männerthema.
Lieben unerwarteter Musik, was Männerthema.
Kino, new Muse.
Ernstes und kein Listenspiele.
Doch Tagebuch auf Rückkehr bremst.
Ich sollte jetzt schlafen. Es ist halb 2. Ich finde es zwar gerade unglaublich cool, wie poetisch der Zufall ist, bin mir aber bewusst, dass das ein Tageszeitphänomen ist. Ähäm.
Ich war immer froh, aufrichtig sagen zu können, keinen Hass zu kennen. Hass ist ziemlich schlimm, glaube ich, ist blind und per definitionem maßlos.
Oft kommen dann Beispiele von Kindsmord und Vergewaltigung, und ich gebe zu: Da weiß ich dann auch nicht so recht, aber aus meinem Leben kenne ich den Hass nicht, und bin eigentlich froh.
Im Open-Air Kino lief heute Herr Lehmann,
und als Katrin dann irgendwann mit ihm Schluss macht, regt er sich auf. Sie mahnt zur Ruhe, woraufhin er formschön antwortet (sinngemäß):
“Darüber soll ich mich nicht aufregen? Worüber, bitteschön, soll ich mich denn dann noch aufregen? Ich liebe dich. Und wenn du dann hier rumtätschelnd mit Kristallrainer reinspazierst, soll ich mich nicht aufregen?
Wenn ich mich darüber nicht mehr aufrege, dann bin ich tot, verstehst du das? Tot!”
Gestern hatte ich mich ja über Powergirl geärgert, weil sie zwischen 1 und 2 (“eigentlich eher halb 2″, Zitat Ende) kommen wollte, und dann um 3 irgendwann anrief. Gut, sie hatte ihren Schlüssel im Büro liegen lassen, den sie erst holen musste, und für einen Anruf war wegen der Bahn keine Zeit.
Aber ich hatte Lasagne fertig, habe lange in der Küche gestanden (es sollte das Abschiedsessen werden, sie geht für lange nach Norwegen, und vielleicht auch der Abschluss von diesem, ziemlich mauen, Kapitel), und habe lange gewartet.
Ganz egal wie gerechtfertigt das nun war, man mag darüber streiten können, ich war jedenfalls sauer, hab ihr dann auch gesagt, jetzt lohnt es sich nicht mehr, bin aber insgesamt eher aus dem Feld gegangen.
Auch heute, beim nachgeholten Abschiedsessen (in der Mensa. Hey super), hab ich darüber geschwiegen, auch als sie mir noch einen Spruch reingereicht hat (Jemand frug, ob wir uns denn gestern dann noch gesehen hätten. Sie meinte “Wir wollten, aber dann war J. beleidigt”).
Darüber dachte ich nach, bei Herr Lehmann, und ob 6 Monate Norwegen als Grund ausreichen, nicht auf seine Gefühle zu hören. Und sie dann knapp 24 Stunden auf kleiner Flamme köchelnd mit sich rumzutragen, wodurch man nur mit Handschuhen angefasst werden will, damit ja nichts verschüttet wird.
Ich bin bei Nein angelangt.