05.11.2005 22:27
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“Guck mal, Mami, 2 Schwäne!”
“Ja, die sind zu zweit.”
“Und da, die 3 Frauen!”
“Jaja, die sind zu dritt.”
“Und der Junge da vorne? Der ist ja ganz allein.”
“Tja, mein Schatz. Der ist zu erst.”

Heute fing meine Ausbildung an, und in irgendeinem Aufzählungskontext produzierte mein Ausbilder zu zweit und zuerst in einem Satz.
Gefällt mir super! Weil es nämlich eine Reinterpretation des Alleinseins sprachlich aufzeigt, die ich ja sehr spüre. Beim Alleinsein ist man sich selbst nahe, man muss nie verhandeln. Ich bin immer zuerst. Nice.
Das soll jetzt gar nicht blöd und verbittert klingen: Ich halte diese Nähe zu sich selbst (solange es kein Egozentrismus wird) für eine der geilsten Sachen am Alleine leben, und auch für eine, die es in maßvollen Maßen auch in Beziehungen zu retten gilt.

Weil Lieben halt immer bei sich selber anfängt. Für beide. Und da ist dann auch wieder das “zu zweit”.

03.11.2005 20:20
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Abgesehen davon, dass zeitgeisty ein weiteres hübsches deutschstämmiges Wort der englischen Sprache ist, kam ich gerade auf diesen Satz.

Heute ist Weltmännertag!

Interessant, dass man das nicht weiß… Ich habs gerade erst erfahren, der Tag ist praktisch vorbei. Es wird wohl leider kein Bedarf an (männlicher) Emanzipation gesehen… so gibt es auch einen Wikipedia-Beitrag zum Weltfrauentag, aber keinen zum Weltmännertag.
Kein Bedarf leider. Und übrigens: Nur weil die meisten Männer den Bedarf nicht sehen, heißt das nicht, dass es ihnen super geht. In den 70ern gab es auch viele Frauen, die gemeint haben, sie stehen gern in der Küche, Röcke sind hübscher und die Männer sollen mal wählen gehen.

Ich sehe den Bedarf für “männliche Emanzipation” sehr wohl, einfach im Zuge der “menschlichen Empanziptaion”, eben unabhängig von Geschlecht, wie ich in meinem Beitrag zu Maskulinismus deutlich gemacht habe.

Jedenfalls frug mich mein Mitbewohner, was denn nun dran sei, was wir denn machen wollen am Männertag, und wir waren beide etwas überfordert. Besonders chauvimäßig sein und auf unser Recht pochen? Ne. Weiblichen Zügen mehr Raum geben? Auch Quatsch.
Und wir wussten es nicht. Und genau diese Desorientierung erschien mir dann sehr zeitgeisty.

“Echt, du weißt gar nicht, was deine Rolle so ausmacht? Hey, find ich voll modern von dir!”

Die Geschlechterrollen bröckeln und bröckeln, und ich finde es gut.
Im Übrigen bin ich ja, weil ich ja nicht wirklich Maskulinist bin sondern Antisexist, nicht für einen getrennten Frauen- und Männertag.
Sexismus trifft immer beide. Immer. Ausnahmslos. Weil Sexismus Menschen Freiheit nimmt. Das ist, je nach der Rolle, auf die man festgelegt wird, mehr oder weniger schlimm, aber es ist Sexismus.

Deswegen feiere ich heute abend noch ein bisschen den 2. Gendertag des Jahres.
Am 8. März ist der nächste Weltgendertag!

03.11.2005 16:17
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So, ich habe gerade das Blog teilweise auf eine Datenbank umgestellt (Kommentare noch nicht) – wenn ihr Seltsamkeiten bemerkt, bitte kurz Bescheid sagen!

03.11.2005 13:34
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[Die Mehrdeutigkeit in der Quantenwelt] kann auch praktisch genutzt werden. So wie die klassische Logik mit ihren Ja/Nein-Bits zur Grundlage herkömmlicher Computer wurde, sollen künftig die unbestimmten Quantenzustände als “Qubits” zur Informationseinheit des Quantencomputers werden.
Mit 300 Atomen lassen sich 2300 Zustände auf einmal darstellen“, ruft Zoller, “mehr als die Zahl der sichtbaren Atome im Universum!
Zeit Nr. 45

Geht’s denn noch? Wie jetzt, mit 300 Atomen mehr Zustände darstellen als es überhaupt Atome gibt… Das werden ja hübsch kleine Computer, wenn die das wirklich gebaut kriegen.

Aber witzig ist es doch. In der Psychologie gilt als ein wichtiger Faktor zur geistigen Gesundheit, dass man sich Widersprüche erlaubt.
Dass man also sagen kann “Naja, eigentlich halte ich mich für liebenswert, aber gerade hasse ich mich”, ohne darüber in eine Sinnkrise zu verfallen, wer man eigentlich sei, und ob die Liebe vorher nur Scheiße war. Oder so.

Und bald müssen das auch Computer können.
Ist doch süß.

03.11.2005 13:29
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Wenn jemand Liebe will, dann gibt es so etwas wie Liebe nicht, sondern nur Beweise der Liebe.
Izabelle in die Träumer

Das hab ich gerade online gefunden.
Den Film kenne ich nicht, aber der Satz spricht mich auch an. Der Autor, wo ich es fand, erlebt zugleich Zustimmung und Ablehnung. Kann ich verstehen.

Der Konstruktivist und Realist in mir sagt: “Ja, logisch. Es existiert ja für mich nur meine Wahrnehmung und meine Konstruktion, also meine innere Welt. Dann kann also nur der Beweis einer Liebe bei mir ankommen!”
Der Philologe (bin ich sowas?) aber ruft: “Ey! Klar gibt’s die Liebe auch so! Wenn es sie nur durch Beweise gäbe, gäbe es Liebe ja nur wenn was zurückkommt! Wie ätzend!”
Immerhin bin ich ja der Meinung, dass Liebe erst dann richtig geil ist, wenn sie eben nichts zurück erwartet.

Die Lösung liegt für mich in der Verortung der Liebe: Izabelle sieht sie im Gegenüber (Darum sagt sie wohl auch “Wenn man Liebe will”, nämlich von jemand anderem, wie der Autor treffend beschreibt). Und dann kann sie in der Tat nur die Beweise sehen, kann nie die Liebe ihres Partners erfahren.
Ich aber sehe sie ja in mir. Und meine Liebe kann ich sehr wohl spüren.
Und, auch wenn man jetzt argumentieren kann, dass ich mein inneres Erleben als Beweis für ein abstraktes Gefühl verwende, das stützt auch meine These, dass Liebe immer bei einem selber anfängt und vielleicht, so scheint es ja hier, auch gleich wieder aufhört.
This is the great individualism.

02.11.2005 22:06
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Gerade gefunden:

Untreue fängt an, wenn die Liebe endet.
Wer liebt ist treu. Auch wenn er andere liebt.
Promisc (Blog)

Schlau! Und völlig richtig, glaube ich. Und vor allem schön bündig. Hach, ich muss oft so viele Worte verlieren, um ein wenig Klarheit zu gewinnen…

Danke Promisc, für die Links! Ich schau mal öfter vorbei.

02.11.2005 17:28
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Ich lerne gerade etwas über die klientenzentrierte Psychotherapie nach Carl Rogers, auch Gesprächstherapie genannt, und finde es ganz schön… die haben ein so wunderbares Menschenbild, ich war beim Lesen ganz gerührt.

Während ja Psychoanalytiker davon ausgehen, dass die grundsätzlichsten Impulse des Menschen destruktiv oder zumindest asozial sind, halten es die klientenzentrierten Psychotherapeuten eher mit Maslow und unterstellen jedem Menschen die Fähigkeit zur Selbstaktualisierung.
Das bedeutet, dass bei befriedigten Grundbedürfnissen (und den richtigen Rahmenbedingungen) ein Mensch an sich selbst arbeitet. Das wiederum bedeutet, nach Rogers, sich selbst näher zu kommen, sich selbst als authentisch zu erleben, einen guten Selbstwert zu haben und sich selbst gegenüber empathisch zu sein, also auf sich zu hören.

Dafür gibt es bestimmte Eigenschaften, die der Therapeut in sich entwickeln muss, damit er diese Selbstaktualisierung im Klienten ermöglichen kann, und ein Wort hat es mir dabei sehr angetan. Eine Bedingung ist nämlich die non-possessive love, das bedingungslose Akzeptieren und Wertschätzen (die Amerikaner sind ja etwas schneller mit dem verbalen Zücken von “Love”). Also kein “Ich liebe dich, aber nur wenn…” und noch nichtmal ein “Ich liebe dich, weil…”, sondern schlicht ein “Ich liebe dich. Du bist du. Das ist gut.”

Non-possessive Love. Das muss ich üben. Das wird bestimmt schön. Denn ich habe ja doch, was geistige Gesundheit angeht, ziemlich starke Vorstellungen, wie Leute die Welt sehen sollten, damit es ihnen besser geht. Aber das ist im Grunde arrogant. Das muss ich üben…

01.11.2005 14:02
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Am Wochenende ist die Polyamorykonferenz in Hamburg. Das ist an sich schon interessant, nicht nur, weil es halt ein cooles Thema ist, auch weil da an die Öffentlichkeit geholt werden wird, was halt sonst eher unbekannt ist (ich bin ja übrigens sehr froh, dass Leute, die hier zum Blog finden, auf jeden Fall das Wort polyamory kennenlernen, und vielleicht mehr damit anfangen können, wenn sie mal wen treffen, der das so macht, oder wenn sie selber so sind. Mein kleiner Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit).

Zudem hege ich die Hoffnung, mit der Veranstalterin von der Hamburger Uni über mögliche Forschungsthemen zu sprechen, immerhin möchte ich 2006 gern meine Diplomarbeit schreiben, und ein poly-Thema würde mich sicher ausreichend begeistern, um das ohne Verlust meiner geistigen Integrität durchzustehen. 6 Monate Scheuklappen, da ist es hilfreich, wenn einem das Ziel uneingeschränkt gefällt.

Aber vor allem werden divere Leute von der Mailingliste dabei sein:
Seitdem ich das Wort “polyamory” erfahren und daraufhin recherchiert habe, bin ich auf einer Mailingliste zum Thema.
Dort schreibt man recht offen über dieses und jenes, klärt ein paar Sachverhalte, tauscht sich aus, vor allem aber hat man eben einen Freiraum, in dem man sich nicht erklären muss. In dem die anderen, was die Liebe angeht, so ticken wie man selbst. Grundsätzlich zumindest. Das ist sehr schön. Eine Art Pause vom anders sein.

Und in Hamburg werde ich ein paar dieser Menschen face to face kennenlernen, das ist ganz schön verrückt. Denn wenn man liest, liest man zunächst immer mit der eigenen Stimme. Betont den Satz, wie er betont wäre, hätte man ihn selbst geschrieben. Wenn man aber einmal die Stimme des Verfassers gehört hat, liest man dessen Texte immer mit der Verfasserstimme.

Das kann schön sein (bei Wiglaf Droste macht es total Spaß, das so näselnd vorwurfsvoll im Kopf zu hören, wie er es eben liest), das kann aber auch viel kaputtmachen.
Ich hatte mal eine Mailbekanntschaft aus der Schweiz, täglich 2 Mails, und als wir uns trafen, war sie zynisch und ihre Worte waren nicht so weich, wie ich sie gelesen hatte, sondern eben hart. Danach war alles anders.

Also Hamburg. Ich bin sehr gespannt. Auch, ob die nun wahrgenommene Ähnlichkeit (“Die sind auch poly”) sich dann noch halten kann.
Die Listis sind, glaube ich, fast alle älter als ich. Manche sind sicherlich Alt-68er. Ist die Basis dann immer noch da?
Vielleicht Ja. Immerhin ist die Liebe ein ziemlich ergiebiges Thema, und wenn man da Übereinstimmung hat, ist schon viel gewonnen.
Vielleicht aber halt auch nicht. Und dann wäre die Pause vom anders sein nicht mehr ganz so pausig, weil man (im Grunde weiß ich das ja eh) halt doch anders ist.

Spannend, spannend. Erinnert mich an die Spannung vorm Blogtreffen.

29.10.2005 23:22
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Das 2. Kapitel von Powergirl und mir geht so langsam los, und bisher, obschon natürlich irgendwie verzerrt durch große Distanz, gefällt es uns sehr.

Und wir sprachen auch, natürlich, über Monogamie und monoamory, weil es für uns beide Thema ist.
Ich legte im Gespräch meine neu gewonnene Akzeptanz an den Tag für Mono-Konzepte, und sagte
“Naja, das ist halt nichts für mich… Aber sicher gibt es Leute die damit sehr glücklich werden, und denen will ich nicht reinreden.”
“Ach komm”, sagte sie, “ich kenne kein einziges ‘Topf-Deckel’-Paar! Kein einziges.”

Und sie hat Recht. Ich dachte, ich merke das mal an. Die Menschen sind ein seltsamer Verein… sie laufen, denn sie haben Angst allein zu sein

29.10.2005 23:00
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Letztens, im Gespräch mit meinem Mitbewohner, sprachen wir über die Entwicklung der Menschheit. Nein, das war nicht das gleiche Gespräch wie über die deutsche Staatsverschuldung, wir haben sowas öfter.
Jedenfalls äußerte ich, Optimist der ich eben bin, eine gewisse Zuversicht, dass Eifersucht über kurz oder lang verschwinden werde. Und danach dann der Hass.
Störgefühl für Störgefühl, so meinte ich, würde die Menschheit schon besser werden.

Grammatikfreunden wird der Wechsel vom Konjunktiv 1 zum Konjunktiv 2 aufgefallen sein – am Ende des Gesprächs war ich nämlich nicht mehr so überzeugt davon.
Mein Mitbewohner bat mich um ein Beispiel einer schlechten menschlichen Eigenschaft, derer sich die Menschheit entledigt hätte.
Mir fiel keins ein. Trist. Sicher, es gibt Dinge, die es viel weniger gibt: Sklaverei, Todesstrafe. Das ist gut. Aber grundlegende Eigenschaften (Diskriminierung, Rachsucht) waren davon irgendwie nicht betroffen…

Aber immerhin! Ulrich Speck von der Zeit bloggt und zitiert aus dem Human Security Report:

The number of armed conflicts has declined by more than 40% since 1992. The deadliest conflicts (those with 1000 or more battle-deaths) dropped even more dramatically––by 80%.

Immerhin.