06.04.2005 20:49
0 Kommentare »
Allgemein

3und20 ist nervös, und das verstehe ich gut. Ich bin es auch bisschen.
Das Blogtreffen der Autoren von 3und20, Dichotomy, Buddhabot und, mir kaum bekannt, Killefit sowie meiner Wenigkeit steht vor der Tür, um erstmal die Rolle der Männer (as opposed to Frauen und as opposed to Jungs) zu klären.

Ich habe ja eher negative Erfahrungen mit der Schnittmenge von virtueller und reeller Welt gemacht. Das Mädchen aus der Schweiz, dass ich mal im Chat kennenlernte, gefiel mir nicht, als wir uns trafen. Sie war leider zynisch, und dick. Da ich vorher dachte, ich wäre verliebt (oder besser: Ich war verliebt, bevor sie kam), musste ich, als sie dann da war und ich sie gar nicht mehr so gern mochte, leider einsehen, dass diese Parole der 90er (“Es kommt doch aber auf die inneren Werte an”) in dieser Einfachheit leider nicht stimmt.
Kennt hier jemand das Leaking-Barrell Prinzip? Aussehen ist halt auch eine der Planken, die bestimmen, wieviel Wasser das Fass nun hält.
Die Muslime sagen “Allah ist schön und liebt die Schönheit”. Hm.

Jedenfalls (mensch, was ein wirrer Beitrag…) möchte ich nicht, dass das Treffen komisch wird. Dummerweise liest man ja alles, was man liest, mit seiner eigenen Stimme, und Stimme meint hier vor allem Lesart, sodass sich im wahren Leben plötzlich zeigen kann, dass alles ganz anders ist.

Aber hey. Es ist nur ein Abend, wir fühlen uns alle irgendwie intellektuell (ich zumindest – die moderne Version von so Kaffehaustreffen…) und dann sieht man mal.
Interessant wird es sicher. Und Abenteuer sind ja eigentlich erstmal gut.

06.04.2005 13:11
0 Kommentare »
Lieben

Enden drohen, Enden geschehen in meinem Umfeld. Manche verlaufen glimpflich, manche richtig schlimm, und ich bin versucht zu sagen “Gut dass ich solo bin…”. Aber eigentlich ist das Quatsch. Also, es ist gut, dass ich solo bin, ich bin sehr zufrieden damit, im Moment, aber das hat mit den Enden vielleicht gar nichts zu tun.

Gehört nicht das Ende dazu? Gewinnt nicht alles erst an Bedeutung, dadurch dass es begrenzt ist (dazu passt der Beitrag über die alten Menschen ganz gut), dass es nicht ewig ist?
Das gilt für das Leben in jedem Fall. Man kann ja sogar argumentieren, dass Fortpflanzung (ein gewissermaßen allegorischer Akt der Liebe) nur geschieht, damit etwas fortlebt (philosophisch) bzw. damit die Rasse nicht ausstirbt (biologisch).

Und bei der Liebe… Ich bin da ja nach wie vor nicht sicher. Einerseits glaube ich, dass die erste große Liebe so wichtig ist, weil man danach erst versteht, dass Liebe sterben kann.
Man ist nie wieder so blauäugig, kann sich nie mehr so sehr in eine Partnerschaft geben, weil man halt gemerkt hat, dass es irgendwann vorbei sein kann. Und wie sich das anfühlt.
Was natürlich die Entscheidung für ein erneutes “falling in” sehr viel größer macht, so wie eben auch das Wissen um die Vergänglichkeit das Leben irgendwie heller macht durch den Kontrast.

Andererseits bin ich der Meinung, dass Liebe nicht vergeht. Nie. Dass sie sich nur umwandelt, häufig leider in Hass, manchmal aber auch in Freundschaft. Oder einfach Liebe bleibt, freie Liebe eben, die nicht an die Bedingung der Gegenliebe geknüpft ist. Jedenfalls bleibt da immer etwas zurück. Etwas Schönes. Die Menschen aus meiner Vergangenheit sind nach wie vor etwas besonderes, und sie sind besonderer, je mehr ich sie geliebt habe. Manche liebe ich noch, und es ist okay. Sogar ganz schön, eigentlich.

Vielleicht stimmt ja beides. Vielleicht ist es ja wirklich wie mit dem Tod. Man kann zwar sterben, aber es gibt da etwas, was weitergeht. Sei es eine Seele, sei es der Himmel, sei es nur die Erinnerung in den anderen Menschen* – irgendetwas bleibt, trotz des Todes. Oder gerade deswegen.

Wenn man das ganz knallhart konstruktivistisch sieht, existiert man ohnehin nur in der Wahrnehmung all der anderen Menschen und der eigenen. Und dann fällt letztlich nur die eigene Wahrnehmung weg…
06.04.2005 13:01
0 Kommentare »
Allgemein

Oh, ich schreibe selten… das nahm ich als Anlass, zu befürchten, mir würde die Liebe nicht begegnen im Moment, aber vielleicht stimmt das nicht.
Interessanterweise hat man ja immer ganz plötzlich ganz viel zu tun, nachdem irgendeine regelmäßige Tätigkeit vorbei ist, wie bei mir jetzt mein Praktikum.

Aber letztens entdeckte ich meine Liebe für die alten Menschen. Ich ging an meinem letzten Arbeitstag durch die U-Bahn Haltestelle, und ein fragiler alter Mann eilte sich, noch die Bahn zu erreichen.
Und irgendwie war das sehr schön, vielleicht, weil aus seinem Gesicht noch der junge Mensch rausschaute, oder weil ich aus sonst irgendeinem Grund in dem Moment sehen konnte, dass dieser Mensch halt auch mal jung war, so jung wie ich gerade zum Beispiel, dass er 2 Stufen auf einmal nahm, dass er Augenflirts in der Bahn hatte, dass er mal Angst vorm Tod hatte.

Und in diesem Moment stellte ich zwei Dinge fest:

  1. Ich bin sehr dankbar für meine Jugend. Sie ist, genau wie ich es bin, vergänglich, und das ist ein Grund mehr, dankbar dafür zu sein. Sie ist ein großes Geschenk
  2. Das Alter ist auch schön. Denn in dem Maße, in dem ich die Jugend in diesem alten Menschen sehen konnte, hat er natürlich all seine Lebenszeit in sich. Da ist ja nicht nur der 24jährige, da ist auch eine Kindheit, da sind sogar vermutlich noch mehr Kindheiten, und irgendwie ist dieser Mensch… erfüllt. ja. Erfüllt von Leben, was zwar vergangen ist, aber nichtsdestotrotz gelebt und real.

Oft sehe ich nur die Fassade, sehe zitternde Parkinson-Hände, sehe Leute, die schon früh in der Bahn aufstehen, um den gefährlichen Weg vom Platz zur Tür noch pünktlich zu schaffen, die fürchten müssen, zu stürzen, weil ihre Knochen schnell brechen.
Aber das reicht nicht.
Da ist mehr. Und zwar viel mehr.

In diesem Moment konnte ich diesen Mann als all das sehen, was er war, ist und sein wird, habe ihn also erkannt, und gleichzeitig war er mir Spiegel für das was ich bin, war und vor allem sein werde, habe also mich selbst in ihm erkannt, und insofern habe ich ihn in diesem Moment geliebt. Schön war das.

01.04.2005 17:14
0 Kommentare »
Allgemein

Übrigens ist es total super, dass die Männerbewegung jetzt von der Frauenbewegung lernen kann.
Find ich gut.
Ich mag übrigens Männer und Frauen.

01.04.2005 16:55
0 Kommentare »
Allgemein

Ja, meine Herren und Damen, Sie haben richtig gelesen. Dieses Wort gibt es noch nicht*.
Wie B. richtig bemerkt, gibt es keine so große Bewegung für Männer wie es sie für Frauen gibt.
Der Feminismus ist, so sagt er, und so kann ich es nachvollziehen, in seiner dritten Phase.
Alle drei haben gemein, dass die gesellschaftlichen Änderungen bei allen Erfolgen nicht so tiefgreifend waren, wie man sich das wünschen würde.
Nach einer ersten so bis zu den 60ern, in der viele Grundrechte erkämpft werden mussten (Wahlrecht, wobei es das in Deutschland schon früher gab, Arbeitsrecht), kamen dann irgendwann die “Emanzen”, die man schnell und gelegentlich wohl auch zu Recht als Männerhasserinnen beschimpfte, und mittlerweile gibt es einerseits eine gut organisierte Riot und Queer Bewegung und die Frauen, die irgendwie denken, es wäre alles schon geschafft. Vielleicht gab es die auch immer.

Jetzt nenne ich mich ungern Feminist, weil es den falschen Fokus setzt, nämlich auf “Mehr für die Frau”. Aus gleichem Grund ist Maskulinismus Unfug, aber halte eine markige Überschrift.
Das Ziel muss nicht heißen “mehr hier”, “mehr da”, sondern “bitte überall gleich”, wobei gleich die Rechte meint, nicht die Menschen.

Ich nenne mich also Antisexist.

Und deswegen liegt mir eine Männerbewegung sehr am Herzen (ohne dass ich die Frauenbewegung doof finde, im Gegenteil, die liegt mir auch am Herzen).

Ich bin der Meinung, dass auch Männer in ihren Rollen genauso feststecken wie Frauen, mit dem wichtigen Unterschied, dass es Machtrollen, Herrschaftsrollen sind. Das macht es für viele Männer leichter, es sich darin gemütlich zu machen, aber gefangen sind sie dennoch. Selbst wenn es Arschlöcher sind, frauenverachtende Chauvis mit dicken Autos, sind auch sie Gefangene ihrer Rollen.

Auch ich erlebe diesen Sexismus. Ein paar Beispiele kann jeder Mann mal ausprobieren, um die Klischees im Kopf der anderen (ganz gleich welchen Geschlechts) und im eigenen Kopf deutlich zu machen.

  1. Man kriege eine Flasche nicht auf und reiche sie weiter. “Du, ich krieg das nicht auf, probier du mal.”
  2. Sich die Tür aufhalten lassen und sich nicht bedanken.
  3. Sich an die Schulter einer Frau lehnen. Wenn man’s wissen will kann man noch sagen “Halt mich einfach mal fest”.
  4. Im Bett irgendwann etwas sagen wie “Du, das geht mir irgendwie zu schnell”, “Ich möchte heute, glaube ich, nicht mit dir schlafen” oder sogar “Bitte bring mich jetzt nach Hause”.

Nicht falsch verstehen: Manches davon mag schon funktionieren, je nach Umfeld (und das erste spielt mit in anatomische Unterschiede), aber vieles nicht.
Aber allein, dass man darüber schmunzelt, zeigt, dass man diese Konzepte, diese Schemata, auch hat, denn “witzig” ist sehr häufig ein Schemabruch.

Gerade das letzte (Nr. 4) ist total schrecklich, weil es viel nach sich zieht. Ein Mann muss immer Lust auf Sex haben. Da spielt auch das weibliche Klischee rein, dass Frauen immer schön sein müssen. Wenn ich nämlich keinen Sex möchte, fühlt sie sich unsexy. Toll. Dann liegen wir da beide, sie hässlich, ich impotent, und unsere Rollenbilder liegen unterm Bett und kichern.

Das ist nicht gut. Auch starke Rollen sind Gefängnisse. Und deshalb suchen B. und ich (obschon unterschiedlich, und nur ich mit deutlichem Genderbezug), um mal ein bisschen dieser Diskussion Raum zu geben, nach unserem Männerbild, um es besser zu verstehen, um vielleicht Beschränkungen zu finden, die so nicht richtig sind.
Und um uns kritisch damit auseinander zu setzen.

Und insofern sind, sorry, alle Bemerkungen wie “sei doch einfach ein guter Mensch”, obwohl ich sie verstehe, auf einer bestimmten Ebene auch nicht besser als “Ach Schatz, du bist doch toll so wie du bist. Wann gibt’s Essen?”, weil beides verleugnet, dass es da etwas zu bedenken und zu tun gibt.

*Hoppala! Das Wort gibt es doch, oder zumindest Maskulismus, und ich finde es eher kritisch *lesles*. Es ist antifeministisch und mehr so n Trotzding… schreibt Wikipedia. Naja. Feminismus wurde ja auch nie einheitlich verstanden. Vielleicht ist der Artikel über die Männerbewegung besser… Wie dem auch sei: Es gibt viel zu tun.

01.04.2005 16:39
0 Kommentare »
Allgemein

Ich muss mich kurz nochmal echauffieren über die Medien und was sie kosten. Erstens will die GEZ bald (wenn ich das richtig verstanden habe), dass man für seinen PC mit Internetanschluss was bezahlt.
Immerhin kann ich ja öffentlich-rechtliche Inhalte nutzen.

Das hinkt aus zweierlei Gründen:

  1. stellt das öffentlich-rechtliche Angebot im Internet einen minimalen Bruchteil dar. In der Fernsehlandschaft sind sie immerhin noch im Prozentbereich, gerade mit den dritten Programmen, aber online ist ihr Anteil vermutlich nicht mal mehr im Promill-Bereich…
  2. Der große Unterschied ist, dass Fernsehen in der Tat ein Empfangsmedium ist. Dafür ist es da. Und auch wenn man sich da schon darüber streiten kann, ob das automatisch heißen muss, dass ich auch ARD, ZDF und die dritten Programme empfangen will, so macht das zumindest Sinn. Wer einen Fernseher hat, will Programme empfangen.
    Wer aber nun Internet hat, der will nicht zwingend empfangen. Der will gleichermaßen auch senden (e-mails, Internetradio, …), will vielleicht spielen usw.
    Das Argument, dass er empfangen könnte reicht mir irgendwie nicht. Ich könnte mit meinem Telefon auch ein terroristisches Netzwerk aufbauen, aber ich möchte weder in den Knast dafür, noch möchte ich abgehört werden.
    Der Konjunktiv ist der größte Freund der Abkassierer, scheint mir. Otto Schily (bei dem man nicht mit Geld, sondern mit seiner Freiheit bezahlt) ist da auch ganz groß drin.

Aber nun zum eigentlich viel schlimmeren, weil noch ironischerem. Vor einiger Zeit hat ja die GEMA (oder GVL?) die Gebühren erhöht, die die Betreiber von Internetradios bezahlen müssen.
Völlig bescheuert. Die GEMA ist eigentlich die Instanz, die dafür sorgt, dass deutsche Künstler ihr Geld bekommen. Das ist eigentlich nett, manche Leute leben von Musik, das muss schon fair sein, aber das hier ist aus 2 Gründen völliger Blödsinn…

  1. Hier ist die Folge nicht, dass die Künstlerinnen mehr Geld bekommen, sondern weniger gespielt werden. Das ist keine besonders gute Interessensvertretung, die meisten Musiker wollen ja gern Musik machen…
  2. Die Langzeitfolgen! Ich als fleißiger Webradio-Hörer, was mach ich jetzt? Klar, ich hör ausländische Radios (die verbleibenden deutschen Natzradios machen wenig Sinn, die meisten werden vermutlich nicht besser sein als Rundfunk). Und was läuft auf ausländischen Radios so gut wie nie? Richtig, deutsche Musik!

Damit hat die GEMA (oder GVL) gerade dafür gesorgt, dass ihre Schützlinge kurzfristig weniger Gehör finden und es langfristig keinen Nachwuchs geben wird, weil er den wunderbaren Vertriebsweg Internet nicht mehr vernünftig nutzen kann.

Danke auch.

Mann, mann, mann.

Schon mein zweiter Eintrag beschäftigte sich mit Freiheit und Einsamkeit.
Gestern bekam ich von 3und20 folgende Bitte geschickt:

wenn du irgendwann das rezept findest, wie man freiheit und unabhängigkeit kocht, ohne dass es nach einsamkeit schmeckt, gib mir bitte bescheid ;-)
das suche ich schon sooo lange.

Ich dachte ein bisschen nach, immerhin ist das ja bei mir auch selber Thema, dass ich mich oft von Menschen befreie, um dann einige Zeit später zu merken, dass das a) nicht so ganz fair war, ich vielleicht Leute verletzt habe, und zu sehr bei mir bin, und dass das b) durchaus dazu führen kann, dass man sich dann einsam fühlt.
Hier ist was ich ihr schrieb:

Ich glaube, man muss das Alleinsein umarmen.

Mir hat immer sehr geholfen, das ich irgendwann erkannt habe, dass der Mensch einfach allein ist. Und das ist nicht schlimm oder pessimistisch gemeint, sondern sehr hinnehmend.
Nichts, aber auch gar nichts, kann die Getrenntheit von meiner Seele und (bspw) deiner Seele aufheben. Meine ist irgendwie in mir drin, und es ist schon schwierig, die Haut zu durchdringen (meiner Meinung nach ist ein Aspekt von Sex, dass er das eben fast ermöglicht, dieses ineinander dringen, dieses “immer noch näher wollen”. Und was für die Haut eigentlich schon nicht klappt, klappt für die Seele noch viel weniger.
Und wenn man eh allein ist, und Menschen immer nur berühren kann, immer nur streifen, aber man grundsätzlich nur für sich ist, dann ist Einsamkeit nur noch ein Gespinst, ein schwarz gefärbtes Kleid fürs Alleinsein. Aber das Alleinsein kennt man schon, und wie das so ist, mit guten Freunden und alten Bekannten: Man erkennt sie trotz der neuen Klotten.
Und Schwarz steht ihm ja so gar nicht…

Also: Ich hab mich mit dem Alleinsein angefreundet, es ist nett und hat immer Zeit. Manchmal muss ich auch was anderes machen, aber eigentlich läuft es ganz gut. Heiraten will ich es trotzdem nicht.

30.03.2005 22:23
0 Kommentare »
Allgemein

Morgen ist mein letzter Tag, und es war alles in allem wirklich gut. Ich hab viel gelernt, klar, aber vor allem habe ich viel Selbstvertrauen gewonnenm, fühle mich fähig und vor allem sehr gewillt, therapeutisch zu arbeiten.
Super.
Dafür sollte das Praktikum dienen.

Außerdem hab ich eine total liebe Mail von meinem Co-Chef bekommen, in der er sich bei mir bedankt, und in der er folgendes schreibt:

Unglaublich, wie man so oft so spritzig energetisch positiv drauf sein kann … wenn es mit Drogen zu tun hat, hätte ich gern mal das Mixturrezept.

Das fand ich erst gleichermaßen nett wie seltsam, denn immerhin will ich nicht der Sonnenschein sein, will nicht der Typ sein, von dem Leute sagen “Du hast wohl nie schlechte Laune, was?”.
Aber mittlerweile überwiegt das Gefallen, weil ich glaube zu wissen, was er meint, und was das Rezept ist.

Ich finde es zwar unheimlich schwer, immer komplett im Jetzt zu sein, da arbeite ich noch dran, aber ich bin total gern und recht erfolgreich im Hier.
Und wenn das Hier halt gerade gut ist, wie es in der Praxis nunmal war, dann ist das einfach gut. Auch wenn eine Prüfung drückt, der Mitbewohner schwierig ist oder ich Angst vor Powergirl habe.
Jetzt noch vom Raum in die Zeit…

30.03.2005 15:52
0 Kommentare »
Allgemein

Ich habe mich gerade entschieden, ein Gewerbe anzumelden. Das fühlt sich total super an. Es stimuliert nämlich sehr diese Faktoren Verantwortung und Macht, und ist irgendwie echt ein großer Satz auf dem Kontinuum “Erwachsen”, in meinem Fall also “Mann”.
Geil.

30.03.2005 15:48
0 Kommentare »
Allgemein

Jetzt mal fachlich. Eigentlich bin ich ja ausgebildet worden, mich genau mit solchen Themen wie dem Männerthema auseinanderzusetzen, deswegen will ich das jetzt mal aus einer psychologischen Perspektive betrachten.
Der Gedanke baut auf dieser Spontanthese von mir auf, dass man ein Bild von Erwachsenen ausgebildet hat, als man Erwachsene nicht verstand. Da fand also ein sozialer Vergleich statt, der dann das Selbstkonzept beeinflusst (zumindest eins von vielen möglichen Selbstkonzepten). Das schreit eigentlich nach der folgenden Theorie:

Theorie der sozialen Vergleichsprozesse
Leon Festinger geht davon aus, dass wir unseren Selbstwert aus sozialen Vergleichen ziehen. Wenn wir gut abschneiden, kriegen wir einen hohen Selbstwert, wenn wir schlecht abschneiden, einen niedrigen.
Entscheidend ist also, mit wem man sich vergleicht.

Der Vergleich mit Erwachsenen ist, gerade weil man ja früh damit anfängt, dummerweise immer ein Aufwärtsvergleich (upward comparison). Die sind ja erwachsener als man selber.
Gleichzeitig hat die Dimension “Erwachsensein” irgendwann (bei mir so ab 11 oder so) eine hohe Valenz, es kommt einem also erstrebenswert vor, erwachsen zu sein.
Also vergleichen wir uns auf dieser relevanten Dimension mit Leuten, die darin “besser” sind als wir (besser = höhere Ausprägung des Merkmals).

Unter dem Stichwort “pleasure and pain of upward comparison” kann man sich dann gut vorstellen, dass man halt a) einen schlechten Selbstwert kriegt, weil man sich bei Aufwärtsvergleichen ja nie als gleichwertig mit seinen Vorbildern sehen kann (dafür müsste man sich mit “gleichwertigen” Menschen auf dieser Dimension vergleichen, oder gar abwärts), aber auch b) immer wieder bestärkt, dass Leute, die eine höhere Ausprägung haben, Vorbilder sind. Die Vergleichsdimension wird durch den ständigen Vergleich (und das schlechte Abschneiden) immer wichtiger.
Damit wird das Männerbild zu einer “self-fulfilling prophecy” (wie auch schon für die echte große Liebe mal beschrieben), weil jeder Vergleich, bei dem man selber schlecht aussieht (also nicht so erwachsen), dazu führt, dass die Bewertungsdimension Gewicht bekommt und man sich wieder dort vergleicht.

Fazit: Das ist ärgerlich. Uns bleiben 3 Möglichkeiten.

  1. Die Vergleichsdimension wechseln. Statt “Erwachsensein” vielleicht lieber (wie im GB von B. erwähnt) “guter Mensch sein”. Obwohl das vermutlich das gleiche Problem nach sich ziehen würde…
  2. Sich abwärts vergleichen. Anstatt Indiana Jones und (wie ich gestern für mich bemerkte) Al Pacino zu wählen, um sich zu vergleichen, sollte man gelegentlich auch mal die Jackass Leute oder solcherlei zum Vergleich heranziehen. Dann ist man nämlich plötzlich gutes Mittelfeld…
  3. Mit dem Verlieren leben. So erwachsen wie die Vorbilder wird man nie. Weil sie nur ein Ziel sind. Damit muss man sich vielleicht einfach abfinden, froh sein, dass man nach etwas strebt und das Wachstum suchen (das ist eigentlich Faust. Wenn man nämlich irgendwann zu seinem Status des Erwachsenseins sagt
    Verweile doch, du bist so schön

    dann ist halt Schluss mit Wachstum. Wie Feylamia in ihrem Blog andeutete, als sie schrieb

    Sowieso hat “erwachsen sein” für mich etwas von Stagnation. Das klingt, als würde man aufhören zu wachsen.

PS: Die I/E Frame of Reference Theorie sollte ich nochmal nachlesen, das darf ich nicht vergessen.