Archiv der Kategorie: Allgemein

19.10.2005 14:32
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Gesagt, getan, das Buch liegt vor mir und amüsiert mich.

Zum Einen weil es in anderen Sprachen wirklich klasse Worte gibt, zum Beispiel das indonesische termangu-mangu (traurig ohne zu wissen warum), zum Anderen, weil halt auch deutsche Worte drin stehen, und ich so merke, dass wir in der Tat für ganz schön seltsame Dinge ein präzises Wort haben. Verheult zum Beispiel (im Buch: “puffy-faced and red-eyed from crying”).

Worte sind eben Welt. Wie beruhigend, wenn auch andere Leute manchmal termangu-mangu sind, dann ist man wohl doch nicht bekloppt.

Und eben jener Aspekt geht dann auch über das Amusement hinaus. Die Inuit zum Beispiel sprechen von areodjarekput, wenn sie nur für ein paar Tage ihre Frauen tauschen.
Offensichtlich ist Monogamie zwar häufig, aber eben doch nicht allgegenwärtig. Obwohl areodjarekput eher Swingen bzw. Swappen ist, und noch nicht poly, ist es ja doch interessant.

18.10.2005 18:08
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Freiheit aushalten

17.10.2005 16:08
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Mamihlapinatapei (Feuerland)
Der Blick zwischen zwei Menschen, die beide aneinander interessiert sind, von denen aber keiner den ersten Schritt machen will.
Adam Jacot de Boinod, The Meaning of Tingo

Sehr hübsch: Muss ich kaufen.

15.10.2005 15:16
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In meinem Umfeld gibt es eine Freundin, die an einen christlichen Gott glaubt. Nun hat sie jemanden kennengelernt, der das ebenfalls tut, allerdings ein klein wenig anders: Er will warten. Kein Sex vor der Ehe.
Das ganze ist etwas vielschichtiger, aber das soll hier gar keine Rolle spielen, jedenfalls scherzten wir ein wenig herum.

“Stell dir mal vor”, sagte ich, “ich würde den kennenlernen, und einer von uns wäre eine Frau!”.
Die Möglichkeit einer homosexuellen Geschichte hab ich gleich außen vor gelassen, das wird schon so schwierig genug für den Jungen…
“Oh ja, da hätte er sicher viel Spaß… und für dich wär das auch nichts.”
“Och, wieso? Er würde dann sagen ‘Du, ich mag dich sehr, aber ich will keinen Sex bevor wir verheiratet sind’ und ich könnte antworten ‘Kein Problem, ich mag dich auch sehr, ich hab dann einfach mit anderen Leuten Sex!’ Wär doch super.”

Das fanden wir witzig. Erstaunlich kompatibel, eigentlich. Ich frage mich, ob die Kirche da explizit was gegen hätte… ich meine, aus der Begründung “Erst die Ehe gilt!” kann man ja sowohl schließen, dass man dann erst Sex hat, aber ja auch, dass man dann erst treu sein muss, so als Christ.

15.10.2005 4:15
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Im österreichischen Film “Silentium” wird der Protagonist irgendwann gefragt: “Wie funktionierens eigentlich, hm? Über Geld net, über Anerkennung auch net…”.
In der Szene musste ich ganz schön schlucken, denn ich fühlte mich vorgeführt – ich funktioniere absolut über die Anerkennung. Man reiche mich auf eine Bühne, zack, schon geht’s mir gut. Selbst im übertragenen Sinn.

In “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” von Milan Kundera schreibt er irgendwann, dass man für bestimmte Berufe bestimmte Grundeigenschaften haben muss. Ein Arzt muss besessen sein vom menschlichen Körper. Ein Schauspieler muss gewillt sein, vor fremden Menschen sein Innerstes bloßzulegen.

Warum schreibe ich das?
Ich habe einen neuen Job, stehe jetzt an der Theke in einem kleinen Theater. Und heute, beim ersten Tag, bei der Premierenfeier, stellte ich fest, warum ich so gern hinter einer Theke stehe: Es ist eine Bühne. Da sind Menschen, die schenken mir (wenn es gut läuft) Anerkennung, ein Lächeln, mindestens ein Danke. Topp.
Noch dazu ist es eben ein Theater. Dutzende schöner Menschen, mit für die Bühne trainierten Körpern, vor allem aber mit für die Bühne trainiertem Ego, die sich zeigen, die, wie Kundera eben schreibt, ihr Innerstes schneller offenbaren als andere. Mit Tänzern, die sich eben bewegen wie Tänzer, mit Schauspielern, die… ich weiß nicht. Schauspieler fand ich schon immer spannend. Vielleicht ist es was psychologisches, was mich fasziniert: Die Fähigkeit, Persönlichkeiten einzunehmen, sich zu verstellen, mir, also wirklich mir, etwas vorzumachen, ohne dass ich es merke… fast wie ein kleines Spiel, Schauspieler gegen Psychologe, und ich muss das Spiel durchschauen… nur eben nicht “gegen”.

Wahnsinn. Die Atmosphäre da… ich hätte mehrmals juchzen können, und kann schwer sagen worüber genau… eine schöne Schauspielerin, ein gelobter Cappuccino, noch ein Becks bitte, ein Flirt mit einem Tänzer.
Juchz, juchz. Alles super. Baby.

14.10.2005 18:50
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Vor einiger Zeit frug ich im Chat eine Freundin, warum sie mich möge. Sie hat dann ein paar Dinge gesagt (unter anderem “Weil du schlau bist”, das hat mir natürlich gefallen), und am Ende sprach sie: “Und weil du mich magst”. Dann hat sie sich gewundert, dass das so ist, und ich mich auch, und wir kicherten virtuell und das war das, so im Groben.

Gerade fiel mir das nochmal ein, ich weiß gar nicht warum, und mir fiel beim Einfallen auf, dass das stimmt. Und das ich das auch sagen könnte.
In ganz fiesen, vermeidenswerten Fällen, ist das sogar der einzige Grund. Da wird man umgarnt, dem Ego wird geschmeichelt, und das täuscht über die mangelnde Substanz hinweg.

Aber in jeder Freundschaft gibt es diese “upward spiral”. Ich mag dich, weil du mich magst, weil ich dich mag, weil du mich magst.

Einerseits irgendwie komisch. Wer hat denn angefangen? Ist es so einfach? Einer fängt an, so, jetzt mag ich dich, und schon geht’s ab?
Das wäre ja komisch.

Andererseits natürlich irgendwie super. Das wird ja meinem Streben nach den “as is” Beziehungen gerecht.

This relationship is provided ‘as-is’, without any express or implied warranty.
In no event shall the regents or contributors be liable for any direct, indirect, incidental, special, exemplary or consequential damages.
Neuanwendung der BSD-Lizenz

Weil sich das einfach so ergibt.

Bin ich schon nett? Das ist ja einfach.

14.10.2005 13:28
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Auf der Titelseite der aktuellen Zeit steht die Konstruktion

…wider besseres Wissen…

Jetzt bin ich mal so freundlich, zu unterstellen, dass der Autor immerhin die flektierte Form im Akkusativ meint, so wie es bei gegen wäre, und nicht den Nominativ, aber ich muss doch wirklich sehr bitten!
Genau wie aufgrund oder wegen verlangt wider meines Wissens nach* immer noch den Genitiv.
Also: “Wider des besseren Wissens” oder eben “wider besseren Wissens”.

Wenigstens die Journalisten sollten sich an die Grammatik halten, Sprachwandel hin oder her. Wenigstens die. Sprache ist doch deren Job.

*und eben nicht: “verlangt mein Wissen nach”, mein Wissen verlangt nämlich nach Wachstum, aber “meines Wissens nach” verlangt der Genitiv nach Unterstützung.

PS: In den Kommentaren wurde ich doppelt belehrt: Einerseits, dass “wider” in der Tat doch den Akkusativ verlangt, und zweitens, dass ich besser recherchieren sollte… ich ziehe meine Einwände gegen die Zeit hiermit zurück :).

14.10.2005 12:40
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Ich weiß, ich weiß, ich bin eigentlich nicht so’n Softwareblogger. Ich bin auch gar nicht hart am Puls der Zeit, und ich nehme keine geworfenen Stöckchen auf.
Ich blogge alles in allem eigentlich ein bisschen anders.

Aber gerade freu ich mich, weil der neue Firefox in der Beta draußen ist, und endlich, endlich ist mein schönes div-Element hier per Mausrad scrollbar…

Das war eigentlich das einzige, was ich wirklich störend fand.
Hoffentlich kommt bald die offizielle Version, bis dahin nutz ich mal die Beta.

13.10.2005 14:25
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Viermal schon hat jemand seinen Freund mit mir betrogen. Gut, drei davon war immer die gleiche Person, aber dennoch. Viermal war ich der Seitensprung.
Und ich bin nicht stolz drauf. Einige Male habe ich mich sogar schlecht gefühlt (das hängt davon ab, wie stark ich den Einfluss auf die Beziehung einschätze, wie sehr ich den Partner mag, usw.) Es war immer schön, klar, aber im Grunde nicht wegen des Betrugs sondern trotz dem Betrug*.

Ich schreibe das also nicht, weil ich mich wie ein Wahnsinnshengst fühle, sondern weil ich mich gefragt habe, wie das kommt. Immerhin bin ich, was so “normale” Beziehungen angeht, also Kennenlernen, Schätzen lernen, Liebhaben, Schmusen, usw., nicht so sonderlich weitgekommen. Sowas hatte ich in meinem Leben insgesamt 3 Monate, und in denen war ich der Meinung, wir hätten eine Beziehung, sie sah das aber ganz anders. Nach 3 Monaten war die Spannung dann eben zu groß.
Mit Affären (as in: Man mag sich, genießt sich, hat Spaß, hat Sex, hat aber kaum Verpflichtungen) habe ich dagegen sicher anderthalb Jahre meines Lebens verbracht. Sechs Siebtel meines Liebenslebens sind Affären. Krass.

Wie kommt das?

Gestern im Bett dachte ich darüber nach. Glücklicherweise bin ich, auch durch das Entdecken der Poly-Bewegung, nicht mehr dabei, mich in Gedanken selbst zu kasteien, à la “Alter Luftikus, du bist halt nicht bindungsfähig, Schwerenöter, Taugenichts”, sondern frage mich, warum Frauen sich mit mir eher sowas vorstellen können (Warum ich mir das eher vorstellen kann, weiß ich, darüber geht das Blog). Und eigentlich ist es ganz klar.

Wir wollen ja oft das, was wir nicht haben. Und weil ich selbstverständlich viel eher Freiheit und Ungebundenheit ausstrahle als Sicherheit und Geborgenheit, wirkt das eher auf Menschen, die schon sicher und geborgen sind.
Das ist in der Konsequenz ein kleines bisschen bitter (es ist auch ganz schön, weil ich ja scheinbar ausstrahle, was mir wirklich sehr am Herzen liegt), weil, wenn die Theorie stimmt, die Menschen schnell das Interesse an mir verlören, wenn sie die Freiheit und Ungebundenheit erst erreicht haben und wieder ein bisschen Sicherheit wollen.
Da bin ich nämlich nicht so gut drin.

* Ja, an dieser Stelle muss der Dativ stehen. Eigentlich. Es ist eine der wenigen Situationen, in denen der Genitiv auf dem Vormarsch ist, und man “trotz des Betrugs” sagt, aber ursprünglich nahm man den Dativ. Deswegen heißt es ja auch “trotzdem”.
Ich gebe aber trotzdessen zu, dass sich der Dativ hier spleenig anhört.

13.10.2005 14:10
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Vor kurzem schrieb ich einen Beitrag, in dem ich die These vertrete, Eifersucht sei schlicht ein Urgefühl, das man, im Vergleich zu anderen Urgefühlen, nie verlerne. Beziehungsweise den Umgang damit eben nie lerne.

Meine Beispiele dort waren Angst, die man eben irgendwann rationalisieren kann, und Wut, die man anderweitig rauslässt oder auch nochmal reflektiert.

In einem Gespräch vor kurzem ergab sich ein besseres Beispiel:
Kindliches Besitzdenken

Es ist besser, weil es so schön nah an der Eifersucht ist. “Du hast MEINE Freundin angefasst!” ist auf sehr vielen Ebenen genau dasselbe wie “Du hast mit MEINEM Bagger gebaggert”.

Die Analogie ist einleuchtend, denke ich. Interessant wäre jetzt der nächste Schritt: Wie genau haben wir als Kinder gelernt, davon loszulassen? Und ginge das auch für die Eifersucht?
Ein Drawback ist in jedem Fall, dass wir natürlich niemals komplett das Besitzdenken aufgegeben haben. Der Kapitalismus stellt uns viele Konstrukte zur Verfügung, die dieses Besitzdenken halt schön sozial machen. Mietverträge, die für beide Seiten bestimmte Nutzungsregeln haben, Arbeitsplätze, deren sozialer Wert sich über den Verdienst bemisst (oder deren Verdienst sich am sozialen Wert misst?), wie Müllmensch* oder Arzt.

Aber trotzdem sind wir ja bedeutend lockerer als damals mit dem Bagger.
Vielleicht, weil wir einfach nur eine Norm gelernt haben. Man teilt!
Vielleicht haben wir aber auch wirklich verstanden, dass der Bagger nicht weniger wird, wenn jemand anders damit spielt. Besonders, wenn man selbst gerade eh an den Bauklötzen sitzt.
Oder wir haben verstanden, dass das eigene Spiel mit dem Bagger halt einzigartig ist. Das Gefühl, das man selbst beim Schaufeln hat, kann einem niemand nehmen, es ist die ureigene Qualia.
Vielleicht haben wir sogar verstanden, dass, je mehr andere Kinder mit dem Bagger spielen dürfen, desto mehr Freude im Kindergarten herrscht, weil alle Kinder zufriedener sind.

Oh! Das geht nicht, oder? Wie sagt man politisch korrekt zu Müllmann?