05.01.2006 13:31
0 Kommentare »
Allgemein

Mein Selbstverständnis hat sich irgendwie geändert, was das freie Lieben und Polyamory angeht.
Ohne es bewusst entschieden zu haben, stehe ich viel mehr dazu, ist es viel mehr eine Sache, von der ich erwarte, dass Leute sie halt schlucken, weniger eine Sache, bei der ich überlege, wie ich sie in angenehme Häppchen aufbereite.

Auf einer Zugfahrt vorgestern sprach ich mit einer freundlichen Tänzerin, und da ich auf dem Rückweg von Powergirl war, die ich besucht hatte, erzählte ich ein bisschen von der Situation, auch von unserer Vergangenheit, in der es ja immer ihren Freund hab.
“Ah, verstehe”, sagte die Tänzerin, aber ich bezweifelte das und sagte “Nein, nein, weißt du, ich bin Poly”, und erklärte es in kurzen Worten, “dass sie einen Freund hat ist mir gleich. Eigentlich finde ich es sogar gut, weil die beiden sich lieben und ich ohnehin lieber Secondary wäre”. Das fand sie seltsam (“For a traintalk”, sagte sie – wir haben 3 Sprachen miteinander gesprochen, was übrigens ganz schön cool war).

Und auf die Nachfrage eines Jungen (der sowohl der Freund einer Freundin einer Freundin wie auch der Freund eines Freundes ist), ob er mich interviewen dürfe, für eine Journalistenschulenbewerbung, er habe gehört ich blogge, habe ich nach ungewöhnlich kurzem Zögern den Link zum Blog in die Mail gepackt.

Schönen guten Tag, das bin ich. This is the new Selbstverständnis.

Ich habe mir aus den USA meinen ersten Playboy bestellt! Der Grund dafür war ziemlich profan.
Es gibt jetzt, das hatte ich in Freiburg gesehen, ein Playboy-Buch, irgendein Jubiläum, genaues weiß ich nicht, und ich stöberte ein wenig in diesem Buch.

Das ist nicht unhumorig, weil es den Playboy ganz schön lange gibt, und das Buch lag aufgeschlagen irgendwo in den Siebzigern. Da war das Schönheitsideal doch noch ein anderes – nicht gänzlich, aber es gibt nette Unterschiede. Die Frisuren, ganz vorn, unrasierte Schamhaare, solche Sachen.

Jedenfalls fiel mein Blick auf ein Bild des mittlerweile verstorbenen Playboy-Photographen Richard Fegley, das mir sehr gefiel, und weswegen ich mir die Ausgabe Dezember 1972 bestellt habe.

Richard Fegley

Ganz schön! Zu sehen ist nur ein Teil des Bildes, das Ganze geht über ne Doppelseite – überall Leiber, die für mein Empfinden gar nicht besonders sexuell wirken, sondern vielmehr zärtlich. Schon lustvoll, aber eher cozy als hot.

Gefällt mir sehr.
Ich habe dann mal in den Artikel zum Bild reingelesen, und auch der ist ganz interessant: Dan Greenburg wird von seinem Editor gebeten, auf eine Orgie zu fahren und darüber zu schreiben.
Und Dan Greenburg ist ziemlich schüchtern, schreibt aber dafür ganz schön witzig. Ich werde deutlich weniger grinsen, wenn ich in Zukunft den Satz höre “Ja, klar hab ich Playboys, aber nur wegen der Artikel!”. Der war wirklich witzig.

Interessant daran sind einige Äußerungen von Interviewten bei dieser Orgie (die nichts anderes ist als ein Swingerclub, aber nur stellenweise so benannt wird) sowie einige Randkommentare:

The feeling is that members should be free to have one primary intimate love-sex relationship and a number of secondary ones, that the secondary ones won’t detract from the primary one but will make it even better

[Die Idee ist, dass Mitglieder eine primäre intime Liebes-Sex-Beziehung und einige sekundäre haben können sollte, dass die Sekundärbeziehungen der Primärbeziehung nichts wegnehmen sondern sie sogar besser machen]

Hu! Ich dachte Polyamory hätte sich in den 90ern rauskristallisiert. Das hier ist mal genau das gleiche Gedankengut. Und auch das weniger hierarchische Modell kommt vor. Herr Greenburg sucht Kontakte, um zu einer Orgie zu finden, hat aber wenig Glück:

He [der Kontakt] used to be very into the orgy thing, but no longer. He says he’s settled down to a fairly meaningful relationship with two chicks he really digs.

[Er (der Kontakt) stand eine Zeitlang sehr auf diese Orgiensache, aber jetzt nicht mehr. Er sagt er hat sich jetzt auf was Ernsthaftes eingelassen mit zwei Mädels auf die er ziemlich steht.]

Da schwingt zwar ein bisschen Astonishment mit, aber dieses V wird mal relativ locker erwähnt – Cool! Der Playboy ist ganz schön modern. Das ist mir im Übrigen auch aufgefallen, als es eine kleine homoerotische Verwechslung gibt und der Autor den Arm eines anderen Mannes knutscht. Läuft ja scheinbar alles sehr locker.

Dennoch ist deutlich, dass Polyamory damals (wie ja auch heute noch) nicht wirklich anerkannt war. Sehr aufschlussreich ist in dem Zusammenhang der Wortwechsel zwischen Dan Greenburg und einem Swinger (von denen sich ja manche Polys auch sehr bewusst distanzieren, aber darüber lässt sich trefflich streiten), in dem er den Swinger fragt:

“How do you feel when you know that your wife has had sex with another man?”
“Just great,” he says. “Matter of fact, I’m never so turned on to her as when she’s just got done making it with another guy”
“So do you sometimes just make love to her right then and there?”
“Oh, no,” says Freddie, as if explaining to a very small child that we do not make ca-ca in our pants.
“Why not?”
“Well, sir, we tend to frown on that sort of thing around here”

["Wie fühlt sich das an, wenn Ihre Frau gerade Sex mit jemand anders hatte?"
"Super", sagt er, "eigentlich bin ich nie so scharf auf sie wie in den Momenten, wo sie gerade mit jemand anderem geschlafen hat."
"Also haben Sie dann manchmal direkt danach Sex miteinander?"
"Nein, nein", antwortet er, als würde er einem kleinen Kind erklären, dass man sein A-A nicht in die Hose macht.
"Wieso nicht?"
"Naja, das sehen wir hier nicht so gern"]

Mit seiner eigenen Frau zu schlafen bei einem Swing wird also nicht gern gesehen. Unter anderem…

I ask Freddie what other types of things they tend to frown on at these shindigs.
“Well, we tend to frown on things like… oh, like more than two people making it with one another at the same time… on people watching other people while they’re making it… We tend to frown on people who come here without partners… We frown on homosexuality…

[Ich frage ihn, was sonst noch so nicht so gern gesehen wird.
"Naja, wir sehen nicht so gern... tja, wenn mehr als zwei Leute es miteinander tun... wenn Leute zuschauen während andere es tun... wenn Leute ohne Partner herkommen... Homosexualität".]

All das ist schon sehr aufschlussreich. Ganz schön spießige Swinger. Aber der Höhepunkt kommt zum Schluss, wie sich das halt gehört.

And we very definitely frown on somebody seeing somebody on the outside that they’ve met at one of our parties.”
“Why is that,” I ask, but I think I already know.
“Because,” says Freddie, “that’s adultery.”

["Und auf jeden Fall sehen wir es nicht gern, wenn jemand sich mit wem im Privatleben trifft, den er oder sie auf einer der Parties kennengelernt hat."
"Warum?", frage ich, aber ich glaube die Antwort zu kennen.
"Weil", sagt Freddie, "das Ehebruch ist."]

Verrückt.

04.01.2006 12:33
0 Kommentare »
Allgemein

There once was a fellow from Limes,
who married three wives at a time.
When asked “Why a third?”,
he said “One’s absurd,
and bigamy, sir, is a crime!”.

01.01.2006 1:28
0 Kommentare »
Allgemein

Gleich ist das Jahr um.
Mein Verhältnis zu Silvester, ich deutete das an, ist deutlich gespalten. Einerseits macht mich dieser ganze Rummel völlig kirre, und wenn ich dann Mitte Oktober gefragt werde, was ich zu Silvester mache, würde ich die folgenden 75 Tage am liebsten übersprungen wissen.
Andererseits ist mir diese Nacht aber schon auch wichtig, und ich war eben wegen jener großen Erwartungen an vielen Silvesterabenden sehr unzufrieden.

Silvester 99, zum “Jahrtausendwechsel” war ich in Berlin. Das Modell “Riesenparty” sagte mir nicht zu, um 1:30 wollte ich ins Bett, und alle Welt schrie “Was? Aber es ist doch Silvester! Das Millennium, Mann!”.

Einen der drei folgenden Jahreswechsel verbrachte ich mit der Wahlschwester, das war ziemlich gut und ist nach wie vor mein Referenzsilvester. An die anderen beiden habe ich leider keine Erinnerung mehr… komisch (bevor jemand fragt: Nein, kann nicht sein, ich bin Antialkoholiker).

Vor 2 Jahren jedenfalls bin ich um halb 11 ins Bett gegangen, weil mir das alles zu scheiße war.

Letztes Jahr war ich auf einer eigentlich sehr netten kleinen Gesellschaft, aber selbst da wurde es mir dann zu trubelig, und ich hab mich in den Wald verzogen, so um 1. Das gefiel mir sogar ganz gut, ich im Wald auf dem Hügel, und unter mir die Stadt voller Leute, die Silvester ganz anders begehen als ich, deren durchschnittlicher Blutalkoholgehalt in Promill sich die nächsten Stunden der Uhrzeit annähern würde, alles Leute also, wegen derer ich Silvester nicht mochte. Ja, das ist grob, ich weiß.

Ihr merkt schon… das ist alles nicht so geil. Dazu kommt, dass die Silvesterfeiern vor den besagten in meiner Schulzeit lagen, und ich kann mich an keine erinnern, auf denen nicht irgendwann jemand geweint hat. Silvester und ich sind keine Freunde.
Was mir in den trubeligen Jahren fehlte, war immer die Besinnlichkeit.
Was mir fehlte, als ich vor 12 schlafen ging, war mein aktives Teilnahmen am Jahreswechsel. Das war zwar nichtmal mein schlechtestes Silvester, aber so richtig super hat sich das auch nicht angefühlt.

Dieses Jahr habe ich den kompletten Nachmittag und Abend damit zugebracht, einen Jahresrückblick zu schreiben, das hat mir sehr viel Freude gemacht. Ich habe über die Menschen nachgedacht, die mir 2005 etwas bedeutet haben, oder die mich nur bewegt haben, die in irgendeiner Form wichtig waren, und ich habe über mich selbst nachgedacht, auch über das Blog und über Polyamory, über so Sachen eben, die man an Silvester dann so denken kann.
Ich möchte kurz sagen: 2005 war geil. Allein, dass ich Polyamory entdeckt habe, hat mal unheimlich viel mit mir gemacht (na sowas, er hat ja auch ein Themenblog zu dem ganzen Kram…). Mein Wunsch, durch das Blog mehr Klarheit über das freie Lieben zu bekommen, ist mehr als wahr geworden. Super Jahr.

Und natürlich habe ich auch über 2006 nachgedacht. Ansatzweise. Ich werd ja nun Therapeut, da werd ich den Teufel tun und mir nicht erfüllbare Ziele setzen oder den Druck künstlich erhöhen, aber es gibt ein paar Sachen, die ich versuchen will.

Französisch zu lernen sollte in jedem Fall drin sein. Vielleicht nicht gleich fließend, aber so ein bisschen.
Und die Diplomarbeit will ich in 2006 komplett fertig haben. 2007 will ich mit dem Laden da nichts mehr zu tun haben.

Alles Weitere betrifft Menschen, und da werde ich nicht durch das Aussprechen von Wünschen Realitäten schaffen, die sich dann als nicht möglich rausstellen.

Dieses Silvester war ein gutes Silvester. Ich schau mir gleich noch vom Küchenfenster an, was die Menschen draußen so machen, putz mir dann die Zähne und geh ins Bett.
Euch allen, die ihr hier lest:
Alles Liebe. Liebeliebeliebe. Darum geht’s doch.

31.12.2005 2:15
0 Kommentare »
Allgemein

Mein verehrter PHP-Dozent, inspierender Ideenschenker, megalomanischer Ränkeschmieder und lieber neuer Freund B. hat mir in einem unserer ersten Gespräche, nachdem ich beschlossen hatte, dass wir Freunde werden sollen, etwas über Kunst gesagt, was ich schlau fand.

Wir sprachen über die Schwierigkeit einer Kunstdefinition, darüber, dass man sich in der Diskussion immer mehr einem individuellen Kunstbegriff annähert (was mich nicht wundert: “This is the great individualism” sage ich gern und fühle mich zeitgenössisch) und kamen folgerichtig bei unseren eigenen an.

Mein Kunstbegriff lautete: Es muss erschaffen worden sein und es muss Gefühle auslösen. Sowohl Nieselregen wie auch ein Industriestaubsauger versagen bei jeweils einem Kriterium. Scheiße versagt gleich auf beiden.
Jenny Holzer, Evelyn Glennie (Empfehlung: Trailer von Touch the Sound) und Andy Goldsworthy dagegen schaffen beides, und zwar wie!

B.’s Kunstbegriff bestand aus mehr Sachen, als ich mir gemerkt hatte, aber der wichtigste Punkt war folgender:
Kunst ist die Semantisierung des Nicht-Semantischen.

Glücklicherweise hatte ich zum Zeitpunkt des Gesprächs schon 2 Jahre Linguistik studiert und wusste, was Semantik ist. Diese 2 Jahre wurden mir allerdings durch bürokratische Hürden ziemlich oll, sodass ich das von niemandem hier erwarten kann, deswegen sei kurz gesagt: Semantik ist die Lehre der Bedeutung, Semantisierung stiftet also Sinn.

Tipp topp Definition. Plötzlich kann nämlich die gänzlich unsemantische obig kurz erwähnte Scheiße Kunst werden. Wenn nämlich Piero Manzoni im Jahre 1961 90 Blechdosen vollscheißt und sie mit “Merda d’Artista” beschriftet. Künstlerscheiße.
Zack, semantisiert. Fast noch brillanter ist übrigens sein “Sockel der Welt“.

Soviel also dazu. Das war ein schönes Gespräch über 5 Haltestellen, aber darum geht es nur sekundär: Was ich daran wirklich schön finde, ist nämlich, dass ich soeben im Beitrag über das Einjährige des Blogs sinnierte, was das Blog so bedeutet.
Und im Grunde macht man das ja ständig.

Was bedeutet dies hier, dieses Erlebnis (was auch immer es ist) für mein Leben? Was soll das? Wo liegt der Sinn?

Und vielleicht, man kann sich angesichts eines Äonen alten Alls und einer menschlichen Lebenserwartung von Mitte 80 schlecht dagegen wehren, vielleicht hat das ganze Zeug hier keinen Sinn.
Das ganze Leben nicht.

Das wäre irgendwie schade. Aber, und das gefällt mir, selbst wenn es so ist, dann macht uns das alle zu Künstlern.
Denn wir semantisieren das Nicht-Semantische, wo es nur eben geht. Merda d’Artista.

Hermann Hesse hatte sicher Recht:

Man sollte auf alles achten, denn man kann alles deuten.
Das Glasperlenspiel

31.12.2005 2:01
0 Kommentare »
Allgemein

So! An sich bin ich kein großer Freund von großen Riten, aber wenn ich ehrlich bin, kann ich mich ihrer Macht überhaupt nicht entziehen.
Silvester zum Beispiel ist mir total wichtig. Ich find’s zwar doof, aber ich habe immense Erwartungen.
Dementsprechend werde ich, wenn das denn alles klappt, morgen endlich mal machen, was mir bislang am 31.12. immer zu wenig war: besinnlich sein. Schön nen Jahresrückblick schreiben, das macht die Wahlschwester immer, und ich will das mal ausprobieren, vielleicht eine hübsche Jahreslegung, und auf jedenfall schön denken.

Vorsatz für den 31.12.: Nicht programmieren, und maximal bis 16:00 für die DA lesen.

Aber zurück zu diesem Eintrag: Das Blog ist ein Jahr alt. Seit dem 31.12.04 bin ich dabei, und jetzt ist seit einer Minute der 31.12.05. Ich habe seither jeden Tag gebloggt, und in jeder siebten Woche einen extra Beitrag geschrieben (bildlich gesprochen), und es hat mir viel Freude gemacht die meiste Zeit.
Ausführlich werde ich mir da morgen länger Gedanken drüber machen, was das Blog hier so für mich bedeutet hat, was es jetzt bedeutet und was es bedeuten soll, erstmal wollte ich nur ganz besinnlich das Einjährige begehen.

Mit einem neuen Design. Auf dem Bild hab ich zwar immer noch Dreads, obwohl sie ja ab sind, aber hey, das wird dann demnächst mal neu gemacht, wenn ich mal wieder ein Selbstauslöserfest feiere oder jemanden finde, der mich sexy photographieren will.

Und die Seite kann auch mehr. Es gibt jetzt eine Suche, die eine oder der andere wird sie schon entdeckt haben, es gibt endlich zusätzlich zu den Kategorien auch eine Anzeigemöglichkeit derselben, und es gibt kategorienspezifische RSS-Feeds (beides auf der Suchseite).
Inwiefern das Sinn macht, weiß ich nicht, aber naja, jetzt gibt’s das halt.

Was es nicht mehr gibt, ist neben dem alten Design eine Komplettunterstützung des Internet Explorers (die Sicherheitsvorwürfe finde ich gar nicht so schlimm, Hacker suchen sich halt das Größte raus, aber das Microsoft CSS einfach nicht vernünftig implementiert ist ne Frechheit) und vernünftige Darstellung bei kleineren Auflösungen als 1024×768. Funktionieren tut alles, sieht aber nicht so schick aus.

Also, ihr Süßen. War schön mit euch bislang, ich hoffe es geht so weiter. Jetzt wäre auch der Zeitpunkt für konstruktive Kritik, entweder hier in den Kommentaren, oder per e-mail.

30.12.2005 23:08
0 Kommentare »
Allgemein

Es gibt, so eröffenete mir die Wahlschwester dankenswerter Weise, gelegentlich einen interessanten Fall in der Kindsentwicklung.

Da gibt es nämlich Embryonen mit X und Y-Chromosom (klassischerweise assoziiert man hier: Mann), die so vor sich rum entwickeln, und irgendwann in der Entwicklung geht ein bisschen was quer: Diese Leute haben nämlich keine Testosteronrezeptoren. Heißt: Das ganze Testosteron, was in der Entwicklung so produziert wird, zieht unverrichteter Dinge wieder ab.
Auch bei Testosteron assoziiert man klassischerweise Mann. Kleine Anekdote: Wenn man Frauen Testosteron spritzt, werden die zum Einen ganz fürchterlich spitz auf Sex und zum Anderen aggressiv. Wenn man Männern die gleiche Menge spritzt, passiert nichts. Wir agieren schon am Limit…

Nun gut. Wo stehen wir also? Diese Leute sind genetisch Männer, bezüglich der hormonellen Entwicklung aber das absolute Gegenteil.
Dabei kommen phänotypische Frauen raus, mit ein paar Besonderheiten.
A) haben sie neben völlig ausgebildeten Vulvae auch Hoden – die sind zwar im Bauch, aber sie sind eben da. Eine Gebärmutter haben sie allerdings nicht.
B), und das ist das eigentlich gender-troublige daran: Die sehen super aus. Null Testosteron heißt: 100% weibliche Merkmale, beinahe prototypisch weiblich. Sie sind Eva.
Diese Menschen sind häufig sehr groß, schlank und feingliedrig und haben keinerlei Sekundärbehaarung, also weder Arm-, noch Bein-, noch Achsel- noch Schamhaare.
Tipptopp super schöne Frauenkörper. Regelrecht zynisch, dass sie nicht fortpflanzungsfähig sind.

Viele dieser Leute werden Models, logisch.
Aber wie irre! Und ich frage jetzt, die Fakten sind ja da: Sind das Männer oder Frauen? Wenn die auf Männer stehen, sind sie dann homo oder hetero?

Tja…

An dieser Stelle möchte ich die geneigten Leserinnen und Leser dazu einladen, sich von der Geschlechtsdichotomie zu verabschieden.
2 Geschlechter zu postulieren macht offenkundig keinen Sinn. Und in diesem Beispiel ist soziales Geschlecht (gender) oder Transsexualität nicht mal drin.

Für einen krönenden Abschluss könnt ihr euch nochmal ein neues Geschlecht anschauen: Buck Angel, Porno-Darsteller, bekannt als der “man with a cunt”.
Achtung: This is not for the faint of heart.
Irgendwann war der mal ne Frau, so liest man aus dem FTM (female-to-male) Schildchen, aber hey… so wie er jetzt aussieht, spielt das wirklich eine geringe Rolle.

Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert.
Please choose your race, age and gender.

29.12.2005 17:55
0 Kommentare »
Allgemein

Im Nachdenken darüber, dass mir Sex as in “wild und ungezügelt” irgendwie nicht so zusagt (s. hier), hab ich nochmal die Theorie von Sternberg, woraus Liebe so besteht (nämlich Intimität, Leidenschaft und Commitment), zu Rate gezogen.

Noch hab ich den Text nicht ganz gelesen, aber ich frug mich ,ob, und beantwortete mir bald darauf, dass: Sex für mich eher die Intimitätsseite bedient.
Ich schmiege gern.
Klar, ich mag es auch, wenn es aufregend wird. Und ich mag Lust empfinden. Aber irgendwie ist all die Leidenschaft für mich dennoch eher ein Gefährt für mehr Nähe, mehr Intimität.

Ergo fand ich es auch immer schlimm, wenn nach dem Sex Aufbruchsstimmung herrschte. Oder Reue. Dann bricht das Gefährt völlig erschöpft und niedergeschlagen zusammen, denn es ist schön gefahren, aber ganz woanders hingekommen. Nix mit Nähe. Verfahrene Situation.
Ich mag Dableiben. Und eben Schmiegen.

28.12.2005 18:05
0 Kommentare »
Allgemein

Die Wahlschwester kennt mich gut, und weiß, was mich erfreut…

“Hallo J., ich muss leider wieder alle Pläne ändern…”
“Oh… heißt?”
“Naja, morgen abend hab ich jetzt doch keine Zeit, und morgen nachmittag ist ja eh voll, aber so von morgens bis um 3 hätte ich Zeit.”
“Hm. Naja, gut. Sollen wir dann zusammen Mittag essen?”

An dieser Stelle ist wichtig zu wissen, dass ich abendliche Verabredungen besonders schätze und somit leicht unzufrieden mit dem neuen Arrangement war. Aber die Wahlschwester weiß Rat:

“Ja, essen ist gut. Wir können ja erst zusammen essen und dann einen Mittagsschlaf machen.”

Wie schön! Ein gemeinsamer Mittagsschlaf! Was besseres gibt es kaum!

28.12.2005 17:52
0 Kommentare »
Allgemein

Achtung, ist nicht nachgeprüft, und ich bin sicher, es gibt eine große Diskussion um die Richtigkeit der Thesen, aber ein gewisser Robin Baker versucht biologisch die Annahme zu widerlegen, der Mensch sei von Natur aus monogam.

Baker schreibt in seinem Buch (ich habe es nicht gelesen, aber er wird es dort sicher schreiben), dass es drei Arten von Spermien gibt: Befruchtungsspermien, Killerspermien und Blockadespermien.

Daraus macht er dann die Vermutung, dass Menschen wohl eher polygam veranlagt sind, denn wofür bräuchte es sonst Killer- und Blockadespermien?

Das wirft natürlich (genau wie bei Homosexualität) verschiedene Fragen auf, inwieweit man das evolutionspsychologisch erklären kann.
Denn: Schwule und Lesben pflanzen sich nicht fort. Und auch die oben beschworenen scheinbar polygam lebenden Männer haben sich ja nur deshalb fortgepflanzt, weil sie die stärksten Spermien hatten, was ja schon irgendwie nicht so gemeinschaftlich ist.
Man könnte fast dazu dichten, dass die Frauen poly waren, die Männer aber kraft ihrer Spermien Schlimmeres verhindern konnten. Vielleicht gab es auch lange ein Matriarchat (wie bei den Bonobos), also eine reine Polyandrie. Wer weiß?
In einem Matriarchat jedenfalls wäre Monogamie nicht besonders wichtig gewesen: Die Tochter erbt von der Mutter. Wer der Vater ist, ist völlig egal.

Ich bin allerdings sehr, sehr vorsichtig mit evolutionären Thesen. Da kann man nämlich alles erklären, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, und eine nicht falsifizierbare Theorie ist nicht wissenschaftlich.
Und es gibt halt Schwule und Lesben, und es gibt halt eine monogame Norm, und es gibt auch Fremdgehen. All das hängt nur sekundär mit Spermien zusammen, glaube ich.
Aber der Vollständigkeit halber wollte ich es mal erwähnen.