Archiv der Kategorie: Allgemein

12.10.2005 2:20
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Soeben hatte ich mit meinem Mitbewohner ein spannendes Gespräch über Normen, Evolution und Sinn und Zweck von Poly- und Monogamie.

Jetzt will ich versuchen, da Struktur reinzukriegen.

Also, Monogamie ist weit verbreitet und ausgesprochen häufig. Sie ist die Norm. Warum eigentlich?
Erst fragten wir uns, wie rum das ganze wohl funktioniert: Ist Monogamie in den Menschen verankert, und hat deswegen den Weg zur gesellschaftlichen Norm gefunden, oder ist es irgendwie anders zur Norm geworden, und jetzt wird die Norm den Menschen beigebracht in der Wiege.

Die These, Monogamie sei im Menschen, haben wir schnell verworfen. Immerhin gibt es zig Seitensprünge. Zwar gibt es zeitgleich die Forderung nach Treue, aber offensichtlich scheint es keinen besonders starken Trieb zu geben, sich auf einen Partner zu beschränken.

Dann also andersrum: Die Menschen lernen eine Norm*, die irgendwie anders zu einer Norm geworden ist. Aber wie?

Gern bemüht: Die Evolution. Die Nuss ist schwer zu knacken, aber wir haben ein paar Ideen gehabt. Nehmen wir an, es gibt drei Arten von polygamen Beziehungen in unserem Stamm aus 90 Menschen (das sollen 100% sein, aber mit 90 geht’s grad leichter).
30 Leute haben Beziehungen mit 1 Frau und 2 Männern.
30 Leute davon haben Beziehungen mit 1 Mann und 2 Frauen.
30 Leute davon haben gleichgewichtete Beziehungen (also 2 zu 2 oder 3 zu 3).
Die ersten beiden Gruppen sind leider ausgestorben. Die mit Männerüberschuss hatten nur eine Frau, kriegen also seltener Kinder als Monopärchen (weil der eine Mann zu viel niemanden schwängern kann).
Die mit Frauenüberschuss hatten nur einen Mann, und wenn man den evolutionären Thesen Glauben schenkt, dass Männer gejagt und beschützt haben, hatte der halt zu viel zu tun. 2 Frauen mit je einem Kind zu schützen und mit Nahrung zu versorgen ist halt zu hart.
Also hat das nicht gut geklappt. Das würde auch erklären, warum es dann zu einer Norm wurde. Die weisen Stammesältesten haben dann immer gesagt: Jeder nur 1 Partner, sonst verrecken uns die Kinder.

So weit, so gut. Das wäre die evolutionäre These. Eher monogame Menschen wurden also heran gezüchtet. Alle paar Geburten haut die Evolution dann natürlich nochmal sowas raus wie mich, um zu schauen, ob das nicht allmählich doch mal klappt mit dem Poly-Leben :).

* Im Übrigen vertrete ich ja eigentlich sogar die These, dass die Menschen nicht so sehr die Norm “Monogamie” lernen, sondern einfach nicht lernen, dass es auch anders geht. Darüber sprachen wir auch, das blog ich morgen.

09.10.2005 13:17
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Gestern war ich auf einem Konzert mit vorausgegangener “Diskussionsrunde”. Freunde der Grammatik bemerken sofort die unpassenden Anführungszeichen, aber halt!
Es war nämlich keine Diskussion – im Grunde haben 5 Gleichgesinnte eine Bühne organisiert und über Deutschland geredet, darüber, dass Pop sich stärker nationalisiert, und das man das natürlich nicht mit “hartem” Nationalismus vergleichen könnte, aber wir lassen beides mal so im Raum stehen.
Und wer sich mit dem Begriff der “Nation” arrangiert, arrangiert sich auch mit dem Völkermord. So diese Schiene.

Alles in allem halt dieser Linksdünkel, der so allgemein und diffus ist, dass einem jeder Widerspruch gleich als Faschismus angelastet werden kann.
Ich habe natürlich dennoch widersprochen, ich bin grad in Frankfurt, mich kennt hier eh keiner.

Soweit die unheilige Vorgeschichte.

Eigentlich soll es hier aber um Musik gehen. Mir fällt nämlich oft auf, dass linke Musikfreunde, nein, eigentlich sogar linke “Musikfreunde” mit Musik eigentlich auch ein bisschen faschistisch umgehen.

Halt, Gang zurück. Eins will ich vorwegschicken. Jeder darf Musik genießen wie er mag. Mitsingen ist klasse, Lieder wiedererkennen ist klasse, das ist alles in Ordnung. Man findet sogar hirnphysiologische Reaktionen bei bekannten Melodien, das ist völlig normal.
Ich will nur werben für einen anderen Umgang damit, weil Musik eben mehr ist, zumindest mehr sein kann, als “Hey, cool, das kenn ich” oder “Die CD hab ich” oder sogar “Die CD hatte ich schon ’96″,

Ich meine, da passiert doch was auf der Bühne, bei jeder Musik. Von barockster Mucke zu neudeutschestem Pop, irgendwas geschieht da, hinter jedem Instrument steckt ein Mensch, der dieses Etwas fühlt, sich einschwingt, auf die anderen Menschen und ihre Musik, und jede Musik birgt etwas der Menschen.
Da find ich’s irgendwie befremdlich, wenn dann alle auf dem Boden sitzenbleiben und sich kein bisschen drauf einlassen, dass da gerade was passiert, vielleicht ungewöhnlich, auf jeden Fall aber halt Musik. Musik erzählt manchmal Geschichten, macht Scherze, zeigt Widersprüche in sich, macht Mut, macht traurig, was weiß ich alles…

Aber Nein, wir tanzen nur zu dem, was wir kennen, beginnen zu feiern, wenn Markus Wiebusch nur den nächsten Song ansagt. So viel Jubel kriegt die Vorband nichtmal nach einer Stunde Vorspiel.
Ich meine, da läuft doch was falsch, gerade wenn das so linksalternative (leider, zumindest gestern, nur mittelmäßig reflektierte) Kids sind, die immer Akzeptanz und Offenheit predigen, die dann aber nur für die eine Band, die sie halt kennen, die sie (als CD) besitzen, jubeln.
Das ist doch auch nicht anders, als CDU zu wählen, weil man das eben immer gemacht hat, oder Ausländer scheiße zu finden, weil die früher nicht hier waren, oder dem Kapital nachzulaufen, weil man halt viel davon hat.

Musikfaschisten, hat unsere Schlagzeugerin das mal genannt. Alle wegen der gleichen Band da, der Anführerband, alle durch die Band-Shirts uniformiert, und wehe man sagt was dagegen.
Aber vorher noch Deutschland verrecke in neue Zeilen gießen und Popnationalismus beschwören.

Diskutieren oder Thematisieren hätte ich echt spannend gefunden, Pop ist mächtig, und Nation ist in der Tat wie Gender ein Konstrukt, nicht mehr, aber eine Beschwörung, die nur gutheißt, wer eh schon der gleichen Meinung ist…
das stößt mir übel auf.

07.10.2005 23:04
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Messer links, Gabel rechts, beinahe alle Regeln einer Gesellschaft sind willkürlich. Du bist ein Mann, ich bin eine Frau, das ist grün, das ist blau, das ist gut, das ist schlecht. Alles halt festgelegt.
Deswegen haben bestimmte Leute (vorwiegend Nazis und anderes Gesocks) so ein Problem mit fremden Kulturen, da gibt es andere Regeln.
Unser Blau kann in Italien Azurro oder Blu sein, in Japan ist man mit Stäbchen. Huch!

Auch in Liebesdingen gibt es zig solche gesellschaftlichen Regeln. Wann man sich küssen darf, was man beim ersten Date fragen darf, wielange man als 15-jähriger bei einer Beziehung warten muss, bis man Sex hat. Solche Sachen.

Und natürlich gibt es auch Regeln, wie Leute, die lieben, mit anderen Menschen umgehen dürfen. Wenn der Süße anruft, dann spricht man selbstverständlich mit ihm, sogar wenn Weihnachten ist und die Großeltern zu Besuch sind. Allerdings dürfte man beispielsweise nicht am heiligen Abend die Simpsons gucken, oder vorm Weihnachtsauflauf eine SMS schreiben. So ist das eben.
Und am Wochenende, wenn ich die Wahlschwester besuche, werde ich auf dem Boden schlafen und ihr Lieber mit ihr in einem Bett.
So ist das eben.
Das ist auch gar nicht das Problem. Es klingt vielleicht ein bisschen enttäuscht, weil ich in der Tat Angst habe, dass ich verglichen werde (und verliere), aber eigentlich handhabt die Wahlschwester das ganze Thema sehr gut und liebevoll, und meine Angst ist halt irrational.

Aber zurück zur Sache: Ein Problem hat man immer dann, wenn man andere Regeln fühlt, als die Gesellschaft um einen rum so für richtig hält, klar. Dann ist man nicht Teil der Kultur der Gesellschaft, sondern Subkultur.

Jedenfalls werden ja diese Regeln einer Gesellschaft allüberall eingespeist. Und letztens hatte ich großen Spaß mir auszumalen, wie Filmszenen aussähen, wenn sie die Normen im Hintergrund hätten, die ich so fühle.
In vielen Filmen ist ja die jeweilige Liebesgeschichte nur hintergründig, die könnte man leicht ändern, ohne dass der Film sich groß ändert.
Dann hätte Marty McFly eben nicht nur Lorraine in der Gegenwart sitzen lassen, sondern vielleicht auch Mary-Jane.
Und Benjamin Braddock hätte, während er an die Fensterscheibe in der Kirche klopfte, statt “Elaine!!” eben “Elaine!! Marsha!!” gerufen. Oder es wäre noch anders gekommen, und Elaine und Carl hätten den Priester kurz gebeten, ob Ben mitmachen könnte.
Und vielleicht hätte Rose Dewitt Bukater doch noch Jack Dawson retten können, wenn ihr noch jemand geholfen hätte…

Über die Lieder wage ich gar nicht nachzudenken…
I want to marry two lighthousekeepers,
whom I could see in turns…

07.10.2005 16:51
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Auf einer deutschen Nachrichtenseite fand ich gerade Informationen über eine Homepage, die ich sehr bedenklich finde. Schlimm, eigentlich. Richtig schlimm. Deswegen werde ich sie auch nicht verlinken, und möchte darum bitten, dass auch in den Kommentaren keine Links dahin gesetzt werden.

Jedenfalls können auf dieser Seite betrogene respektive sich betrogen fühlende Frauen die betrügenden Männer anschwärzen. Mit Name und Photo. Damit auch ja niemand mit diesem “Mehrschweinchen”, wie sie auf der Nachrichtenseite hübsch beschrieben werden, verbredet. Hier ein Auszug aus den AGB:

We recognize that privacy is an important issue, so we design and operate our services with the protection of your privacy in mind.

Das ist ganz schön zynisch. Man möchte regelrecht weiterschreiben:

Of course, their privacy doesn’t matter to us at all. Along with their other fundamental rights, it is forfeit since their unspeakable deeds, that, although never having been put to trial, can be deemed worth of every conceivable punishment. So here we go.
Please browse their images, names and adresses now!

Abgesehen von den datenschutzrechtlichen Bedenken, die wohl keiner weiteren Diskussion bedürfen, finde ich das aus 2 weiteren Gründen schlimm:

  1. Alle dort ausgestellten Männer sind automatisch Mehrschweinchen. Ich habe mich selbstverständlich sofort gefragt, ob nicht zumindest ein gewisser Prozentsatz poly ist, und das, zugegeben, ein bisschen schief auslebt, aber im Grunde eher Opfer der Gesellschaft und nicht Täter an ihr ist. Für jene Polys steht der schwarze Teil der Fahne.
    Ich meine, klar sind viele auf dieser Seite sicher Arschlöcher, aber doch eben nicht alle. Und nicht alle gleich.
  2. Und wenn es Arschlöcher gibt, was ich nicht abstreiten will, warum können dann nur Frauen da posten? Und bitte nicht das Argument “Aber die Männer könnten ja auch so ne Seite aufmachen”. Zweimal Kacke gibt immer noch kein Gold.
    Das ist Sexismus par excellence.

Abgesehen von der Tatsache also, dass hier Existenzen zerstört werden (wie viele Firmenchefinnen in den Staaten, die diese Seite kennen, schauen wohl bei Bewerbern mal nach?) durch eine Selbstjustiz die in ihrer Casualness ihresgleichen sucht, werden also zwei schlimme Vorurteile bestärkt:
(Nur) Männer sind Schweine.
Wer viele Frauen liebt / Sex mit ihnen hat ist in jedem Fall auch ein Schwein.

Ich spucke auf so ne Scheiße. Wirklich. Ich spucke grünen Schleim auf so ne Scheiße.

06.10.2005 19:08
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Der Counter hat wirklich gesponnen. Allerdings war es kein Einstellungsproblem von mir, sondern ein Bug im System.
Jetzt ist alles wieder gut, und ich hab den Wert nach unten korrigiert.
Wen auch immer das interessiert.

Bald schreib ich mal wieder was, übrigens. Nicht, dass noch jemand Sehnsucht bekommt. Über Paralleluniverselle Filme zum Beispiel will ich noch was schreiben.

Aber jetzt bin ich müde. Ganz müde.

04.10.2005 21:25
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Ein Freund war bei mir, und wir sprechen immer gern über das freie Lieben, und im letzten Gespräch habe ich eine Quintessenz erfahren, das war schön.

In diesem Gespräch kam auch etwas herum, nämlich der interessante Spruch

Appetit holen ist okay,
aber gegessen wird zuhause.

Dabei geht es um Sex. Und der Spruch ist interessant, denn wenn man das Bild ein bisschen weiterdenkt, steckt auch freies Lieben darin.

Man stelle sich vor, man wandert durch die Berliner Innenstadt, ist auf dem Heimweg. Da gibt es Hühnerfrikassee, richtig gutes. Lecker. Eine der wenigen Dinge übrigens, die ich schlimm vermisse, seit ich Vegetarier bin. Aber mir tun die Hühner trotzdem leid. Naja, wie auch immer.
Jedenfalls kommt man an einer schicken Sushibar vorbei. Mjam, mjam. Algen um Reis. Süße Soßen. Fließbänder statt Service… Super!

Jetzt will mir doch niemand erzählen, dass die Lust auf Sushi durch das Hühnerfrikassee gestillt wird! Ich meine, klar, für den Abend bin ich satt, aber das Sushi schmeckt ja trotzdem*. Und das Bittere ist ja, dass der Spruch das dauerhaft erwartet.
Wenn das Sushi mal eine Arbeitskollegin ist, die ich oft sehe, ich also bildlich gesprochen täglich an der Sushibar vorbeigehe, soll also meine Lust auf Sushi geringer werden, wenn ich abends dann Hausmannskost kriege? Gesetz den Fall ich mag Hausmannskost (sonst ist das Bild ja zu einfach), das macht keinen Sinn.

Und wenn ich mal Sushi essen gehe? Am nächsten Tag will ich wieder strammen Max. Oder vielleicht mal Nudeln. Vielleicht kann man ja sogar mal zusammen kochen, so Sushirouladen oder so. Roher Fisch auf Schwarzbrot. Da wird einem doch was einfallen.
Hauptsache man lässt nichts anbrennen, daheim oder in der Sushibar, und das Essen zuhause wird nicht kalt. Denn sonst muss es aufgewärmt werden, und das mag niemand… Und Essen wegschmeißen ist überhaupt das Allerschlimmste.

Oft geführter Dialog: Hey, schau mal… ist die nicht schön? – Ach, J., ich hab doch ne Freundin… – Ja und, ist das Mädchen da vorn dadurch weniger schön?

04.10.2005 21:13
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Mein Auto ist verkauft.
Der schwierige (as in: inkompatible) Mitbewohner ist seiner Wege gezogen.
Das freie Lieben in mir fühlt sich richtig an.
Das freie Leiben aus mir raus fühlt sich noch nicht ganz so richtig an, aber ich arbeite daran. Immerhin fühlt es sich schon gut an.
Ich habe neuen Teppich und insgesamt umdekoriert.
Ich habe einen neuen Job.
Die Band hat 3 supergeile neue Songs.
Ich habe interessante und spannende Menschen um mich.
Mein Zeitplan für’s nächste Jahr ist klar umrissen.
Anfang November fahre ich zu einem Poly-Treffen.

Alles ist gut.

Also, fast alles. Das freie Lieben, was sich in mir so richtig anfühlt, sorgt zwar zum Einen dafür, dass ich sehr in mir ruhe, aber zum Anderen auch für ein bisschen Extremismus und Blendung. Die letzten Beiträge sind zu weit draußen, irgendwie. Teile stimmen, aber Teile sind extremistisch.
Der Liebesextremismus soll, ich habe nämlich nachgedacht, wieder ein Ende haben. Wenn vorher Yin war ist jetzt Yang, oder andersrum. Es sind halt Wellen, aber momentan ist mir der Wellengang etwas stark. Ich muss zurückrudern. Es ist keine Wahrheit, was ich spüre, befürchte ich, sondern Borniertheit.
Der Extremismus wird übrigens hübsch durch meine aktuelle Blogcounterei belegt. So von wegen Gleichnishaftigkeit der Welt. Die Besucherexplosion liegt nämlich nicht in der Welt begründet, ist also keine Wahrheit, sondern in der Konfiguration. In der Subjektivität.

Aber ansonsten ist eigentlich alles gut. Wirklich ziemlich gut.

30.09.2005 0:49
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So viele Leute! Irgendwas muss passiert sein, im letzten Septemberdrittel kommen total viele Leute hier vorbei…

Ich dachte ich schreib bei der Gelegenheit nochmal einen Link zur Einleitung, wo ein paar Artikel stehen, von denen ich aus irgendeinem Grund denke, damit kann man gut anfangen zu lesen…

Zum Anderen dachte ich mir, dass unter diesen vielen Leuten ja sicher welche sind, die interessiert, wie ich das hier alles meine, wie das gehen soll, und dass ich ja auch eigentlich gern erkläre, was ich verstanden zu haben glaube.
Und dachte deswegen daran, wie ich mit einer Freundin sprach, die zwei Männer liebte, und meines Wissens nach immer noch liebt, und die das schwer fand. Und daran, dass ich ihr gesagt habe, was ich auch Powergirl letztens gesagt habe, und was mal echt ganz schön entscheidend ist.

Freies Lieben, so ist mir in letzter Zeit nochmal sehr deutlich geworden, fängt bei einem selber an.
Für Freiheit kann man sich nur allein entscheiden. Man kann Freiheit nicht geschenkt bekommen, man kann nicht darum bitten, man kann sie sich nur nehmen.
Glaube ich.

Und diese Entscheidung hat zuallererst damit zu tun, ob man sich selbst erlaubt, mehrere Menschen zu lieben.
Erst eine ganze Weile später muss man sich Gedanken darüber machen, was der Partner davon hält, wenn es einen gibt, wie man eine Beziehung gestalten will und all das.

Und es ist halt nicht wirklich frei, wenn man die Entscheidung dazu von einem Partner abhängig macht.
“Ich würde ja gern freies Lieben mache, ich liebe auch sehr viel, aber mein Freund will da nicht mitmachen.”
Das finde ich okay. Es muss ja niemand freie Liebe machen. Aber dann sollte man sich das klarmachen: Man ist dann nicht frei. Man ist nicht “unbedingt”. Man hat sich entschieden, der Entscheidung des Partners zu folgen, hat sich mit ihm verbunden.
Das ist okay, das kann sicher unglaublich schön sein, aber das ist in meinen Augen kein freies Lieben.

Dabei geht es erstmal nur um sich selbst.
Was auch so schon schwer genug ist.
Und was auch nicht heißen soll, dass man egoistisch ist – aber die Liebe für andere in sich selbst zuzulassen, das macht man mit sich aus.
So wie es halt auch authentischer scheint, wenn jemand sagt, er sei schwul, wenn er nicht gerade von seiner Freundin verlassen wurde, und der schwule Kumpel klingelt schon an. Das fühlt sich irgendwie richtiger an, wenn man das in sich entscheidet, nicht in Umständen.

Im Übrigen weiß ich auch nicht, warum ich in den letzten Tagen so arg streng bin… komisch…

29.09.2005 21:00
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Noch als Nachtrag zu den Gedanken über Minderheiten, vor allem dazu, dass ich wirklich, wirklich, völlig von den Dingen überzeugt bin (daran glaube, wie 3und20 richtig sagt, eben leider nichts weiß – aber ich hab feine Argumente! Glaub ich.).

Ich kann mir beim exklusiven Lieben mittlerweile nicht mal mehr vorstellen, wieso das so sein soll…
Mir fällt keine Antwort ein, die ich auf die Frage hören könnte “Warum fändest du es schlimm, wenn ich deine Freundin küsse?”.
Gut, sicher, dann käme “Weil ich dann eifersüchtig werde”.
Ja, klar.
Und dann?
Warum ist das so schlimm? Wenn meine Liebsten mit 150 auf der Autobahn fahren und Regen einsetzt, dann habe ich Angst. Klar. Wenn meine Liebsten wen anders küssen, dann bin ich eifersüchtig.
Aber wenn sie eben von A nach B oder eben fremde Lippen wollen…
Das geht ja auch wieder vorbei. Irgendwann sind sie wieder in A, dann freue ich mich, irgendwann küssen sie wieder meine Lippen, dann freue ich mich auch. Ich muss dabei an die Idee der Eifersuchtshierarchie denken…

Ich weiß, ich weiß, da bin ich offensichtlich ein bisschen borniert. Aber wenn jemand eine Antwort kennt, die über “Weil ich eifersüchtig wäre” hinausgeht wäre ich sehr gespannt, sie zu hören. Ich verspreche hiermit auch, sie nicht auseinander zu nehmen. Außer ich soll.

29.09.2005 19:43
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Diesen Satz hat Larry Niven in seinem ersten Ringworld-Roman einem der Protagonisten in den Mund geschrieben, einem “Puppeteer”.
Die Mehrheit ist immer geistig gesund.
Die Puppeteers sind eine Rasse von Feiglingen, zumindest nach menschlichen Maßstäben. Nessus aber, der besagte Protagonist, hat Mut. Er gilt unter seinesgleichen als geisteskrank. Sein menschlicher Begleiter findet das seltsam. Mut ist doch gut! Aber naja:
The majority is always sane.

Ich habe da heute morgen drüber nachgedacht. Dass das stimmt, ist sicher richtig. Häufig gleich normal. Interessant ist aber, dass man sich als Minderheit auch dementsprechend verhält.
Ich kenne das vom Vegetarismus. Ich halte es für ethisch falsch, Tiere zu essen. Die Massentierhaltungs-Diskussion ist davon sogar unabhängig, egal wie ein Tier gehalten wird, ich finde es wirklich falsch.
Würde ich an Gott glauben, würde ich sagen, die Leute, die das machen, kommen in die Hölle.
Nachdem in in den ersten paar Jahren auch versucht habe, Leute vom Vegetarismus zu überzeugen, habe ich es irgendwann gelassen. Gestehe der Mehrheit irgendwie zu, dass sie mehr Recht hat als ich, irgendwie. Und sage jetzt, ethische Entscheidungen muss jeder für sich treffen.
Eigentlich ist das aber Unfug. Es gibt durchaus ethische Grundsätze, die Menschsein ausmachen. Niemandem wehtun. Schwächeren helfen. Aber das ist halt nur verbindlich, wenn die Mehrheit das so sieht. Also schweigt man, wenn die Mehrheit das anders sieht als man selber.

Mit dem freien Lieben, mit polyamory ist es ähnlich. Eigentlich glaube ich daran, bin fest überzeugt, dass Freiheit die Menschen glücklich macht. Dass sie mehr finden werden in der Liebe, wenn sie keine Abhängigkeit dabei haben. Dass es irrsinnig ist, Liebe als Gut zu behandeln, als begrenzte Ressource, die ich nur bestimmten Menschen gebe, und die auch für mich bitte reserviert sein soll.
Ich finde das echt bekloppt.

But the majority is always sane. Darum darf jeder von mir erwarten, dass ich da Respekt habe. Iss Fleisch, liebe exklusiv. Versuche, zu überzeugen, werden schnell als Extremismus ausgelegt, beim Vegetarismus und beim Anders Lieben.
Aber nur in die eine Richtung. Die Mehrheiten dürfen schonmal härter argumentieren. Wir haben doch immer schon Fleisch gegessen. Monogamie ist eben die bessere Überlebensstrategie.
Und für Akzeptanz muss man als Minderheit kämpfen. Schwule und Lesben genau wie Vegetarier genau wie Asexuelle (ganz aktuell) genau wie Polys.

Komisch eigentlich. Respekt finde ich gut, Verschiedenheit finde ich auch gut, aber irgendwie gibt es da ein Ungleichgewicht, wie doll man zu seinen Ansichten stehen darf, je nachdem, ob man viele ist oder wenige.

PS: Mir scheint, was ich meine, wird im obigen Text nicht komplett deutlich – ich habe soeben mit 3und20 noch lange drüber gequatscht. Quintessenz des Gesprächs ist (wie so oft) ein Mittelweg. Verschiedene Ansichten sind gut, haben mit Freiheit zu tun, und niemand kennt die reine Wahrheit. Aber ein Suchen nach dieser reinen Wahrheit muss nunmal über ein Reiben der unterschiedlichen Wahrheiten aneinander erfolgen, über Diskurs, und da fehlt den Minderheiten vielleicht manchmal der nötige Pfeffer. Vielleicht ist das klarer…