Archiv der Kategorie: Allgemein

18.09.2005 13:13
0 Kommentare »
Allgemein

Ich beobachte ja mit verständlicherweise großem Interesse die Entwicklung der Liebesethik. Mich würde auch sehr ein historischer Abriss dieser Entwicklung interessieren, aber da habe ich leider noch nichts gefunden.
Fest steht jedenfalls, dass es keine Wahrheit gibt, sondern nur Moden: Erst kommt die Ehe, dann die Liebe war vor 70, 80 Jahren ganz normal, heute ist es andersrum. Und natürlich gibt es solche Unterschiede auch im Kleineren.

Gut abzulesen sind jene kleinen Entwicklungen der Liebesmode bei Meinungsmachern. Unser Kanzler lebt seine vierte Ehe und zieht Kinder auf, die nicht seine eigenen sind. Der Bürgermeister der Hauptstadt ist schwul und macht wahrscheinlich SM. Dass das geht, zeigt eine größere Toleranz, als wir Deutsche (Hallo, österreichische Leser! Über euer Land weiß ich leider zu wenig!) uns selber zuschreiben würden, und es zeigt mir ein weiteres Mal, dass wir in einer Zeit leben, die ich mit “the great individualism” bezeichnen würde.
Jeder macht, was er will, jeder kehrt nur vor der eigenen Haustür.

Dass Sozialethik und Miteinander, und somit auch die Liebe, darunter leiden können, gefällt mir selbstverständlich nicht.
Im Großen und Ganzen finde ich das aber gut. Es gibt nur die eigene Welt. Außerhalb meines Ichs beginnt die Fremde. Verschmelzung ist nicht möglich. Wir sind unverbindbar getrennt.

Eine weitere meinungsbildende Gruppe sind Künstler, vor allem jene, die mit Texten arbeiten, also Literaten und Musiker.
Beim Frühstück hörte ich eben die neue Wir sind Helden-Scheibe; schon auf der ersten hat mich Denkmal einen 1A Song über Menschen auf Podesten, über die angebliche Ernsthaftigkeit von Beziehungen, und diesmal singen sie einmal über Zuhälter, aber das Lied versteh ich noch nicht, und dann über Trennung, und somit auch über den großen Individualismus, weil dann jeder seine eigenen Wege geht.

Geht auseinander!

Wollt ihr euch wieder verfluchen
Um euch doch wieder zu suchen
Wieder Kaffee trinkend,
Kuchen werfend
Traumreisen zu buchen
Wieder reißt ihr euch zusammen
Wieder reißt ihr euch zusammen
Wieder reißt ihr euch zusammen
Alle Haare einzeln raus
Geht auseinander!
Wir sind Helden, Geht auseinander

18.09.2005 12:56
0 Kommentare »
Allgemein

Vorgestern sah ich einen Katalog auf unserem Küchentisch. Irgendein Bücherdingens, so wie Bertelsmann oder Jokers, ich weiß nicht mehr. Jedenfalls stand da etwas drauf, das ich mir dann vor die Brust hielt, und es witzig fand.

So eine Art Resumee, ein weiteres “What freies Lieben is all about“. Man könnte glatt ein T-Shirt daraus machen:

Kein Club!

18.09.2005 2:02
0 Kommentare »
Allgemein

Das Gespräch in der Küche mit diversen, wechselnden Mitbewohnern und der ausgesprochen süßen Freundin des einen, die mich aber leider vor einiger Zeit im Gespräch mit ihm als hormongesteuert und überflirtig bezeichnet hat (hmpf), verlief sich leider etwas unglücklich.
Erst gab es ein Missverständnis zwischen mir und ihr, dann ein aufgedrücktes Thema, das nicht gut lief, und dann saß ich plötzlich ganz allein in der Küche…Naja. Aber vorher war es sehr interessant!

Wir redeten über eine neue Frau im Leben meines einen Mitbewohners.
“Bist du verliebt?” wurde er gefragt, weil er den Kuchen so schön herrichtete, und, bewusst pathetisch, antwortete er “Nein, ich liebe sie!”, um dann nachher deutlich zu machen “Nein, Quatsch. Aber verknallt bin ich schon.”.
Damit war dann auch die übliche Dreifaltigkeit genannt, mit der man gerne das beschreibt, was über Freundschaft, die sich in Bekanntschaften, Freunde und beste Freunde einteilen lässt, hinausgeht.
In Anlehnung an ein hervorragendes Chatgespräch vor einigen Tagen sagte ich dann, ich hätte diesen dreifachen Kippschalter nicht, ich hätte einen Dimmer.
Und im Rahmen solcher, sagen wir mal, passend gedimmten Zwischenmenschlichkeiten, sprach die ausgesprochen süße Freundin von etwas, was ein Freund von ihr mit seiner Exfreundin nun habe:

Eine “friendship with benefit“. Das gefällt mir sehr gut!

Das klingt doch einfach schön! Gerne als Fickbeziehung aufs Ficken reduziert, durch das Wort dann die Erotik auch gleich mit reduziert auf Rein-Raus, ist das doch eigentlich ne wunderbare Sache. Ich sehe ein, das mag oft nicht klappen, aber meine Erfahrungen mit Sex mit Freundinnen sind durchweg positiv. Und das dann positiv zu konnotieren als benefit gefällt mir sehr gut.

Klar, das ist auch wieder ein Label. Aber ich sehe irgendwie ein, wir brauchen Label. Ich war ja auch froh über das Label “Poly”, weil man erst mit nem Namen für die Schublade woanders fragen kann, ob die auch so ne Schublade hätten.

Ach, und noch zu den friendships with benefit, wenn wir schon beim Labeln sind: Die bleiben meiner Meinung nach auch danach noch Freundschaften. Was für mich sehr deutlich zeigt, dass die Unterscheidung von dem einen Tripel (Bekannte, Freunde, beste Freunde) und dem anderen Tripel (verknallt, verliebt, geliebt) nicht anhand des Sex erfolgen kann. Und wenn ich verliebt bin, wir aber keinen Sex haben (Entfernung, Streit, Herpes, was auch immer), würde man wohl kaum denken, dass sich da das Label ändern muss.

Ich jedenfalls finde den Gedanken von neuen (hübschen) Labels wie “frienship with benefit” super, auch wenn das Ziel ist, dass ich einzigartige Labels vergebe, die zu erklären dann eben ein bisschen dauert.
Statt “Das hier ist eine gute Freundin” oder “Das hier ist meine neue Flamme” halt
“Das hier ist Marie. Wir mögen uns sehr, telefonieren circa 3 mal die Woche, berühren uns gern und haben uns gestern das erste Mal geküsst. Es war sehr schön.”

17.09.2005 0:52
0 Kommentare »
Allgemein

Ich habe eine Sache mal grob vorprogrammiert, die mir seit einigen Tagen im Kopf rumspukt, und wollte bitten, dass DU dir das mal anschaust.
Naja, ich dachte, hier im Blog erreich ich zwei, drei Leute, die Spaß an sowas haben könnten.




(Beta-Version)

Erklärt sich eigentlich von alleine, noch klappt der Kram mit der Homepage nicht (gespeichert wird das trotzdem) – probiert mal bitte ein bisschen.
Der Name stammt übrigens von einem netten Versprecher von 3und20. Ich weiß nicht mehr genau, worum es ging, aber das Wort “Kitschtiger” hat es mir angetan gehabt…

Für Kommentare wäre ich sehr dankbar!

16.09.2005 21:07
0 Kommentare »
Allgemein

Die Systematische Desensibilisierung nach Wolpe ist ein Konfrontationsverfahren in sensu, und wird bei vielen Angststörungen eingesetzt.
Anders als bei “in vivo”-Verfahren sucht man die angstauslösenden Situationen nicht auf (man steigt also nicht auf den Turm), sondern stellt sie sich während einer Entspannungsübung vor.
Dafür arbeitet man zunächst eine Angsthierarchie aus. In 10er-Schritten geht man dann im Geiste von Situation zu Situation und entspannt sich zwischendrin, weil sich Angst und Entspannung nicht gut vertragen.
Wenn man bei einer Situation Angst erlebt, bricht man die Vorstellung dieser Situation ab und geht zurück zur letzten angstfreien Situation. Über kurz oder lang kommt man immer höher auf der persönlichen Angsthierarchie, und “in vivo”-Maßnahmen sind denkbar. Die können auch hierarchisch ablaufen, zum Beispiel Hund im Nachbarzimmer hören, Hund hinterm Zaun sehen, kleiner Hund, dann großer Hund und so weiter.

Im soeben beendeten und sehr schönen Gespräch mit Powergirl, die ja im Ausland ist, kam ich auf die Idee einer Eifersuchtshierarchie. Die könnte man dann auch durchlaufen, sich zwischendrin entspannen und so lernen, mit seiner (meist ja, ebenso wie die Angst, irrationalen) Eifersucht umzugehen.
Mal ein Beispiel:

00 – (Ruhebild, sollte nicht direkt mit dem Thema zu tun haben). Ich liege in der Badewanne und bin ganz ruhig.

10 – Ich sehe, wie meine Freundin bei einer Feier mit Freunden mit einem anderen Mann spricht.
20 – Ich sehe, wie meine Freundin auf einer großen Feier mit einem anderen Mann spricht.
30 – Der Mann ist gutaussehend.
40 – Meine Freundin bietet einem anderen Mann einen Schluck aus ihrer Colaflasche an.
50 – Meine Freundin unterhält sich angeregt mit einem anderen Mann und sie lachen zusammen.
60 – Wie 50, aber die Freundin berührt den Mann an der Hand, wenn sie lacht.

70 – Meine Freundin hält die Hand eines anderen Mannes, mit dem sie befreundet ist, und den ich kenne.
80 – Meine Freundin hält die Hand eines anderen Mannes, den ich nicht kenne.
90 – Meine Freundin gibt einem anderen Mann, den ich nicht kenne, ein Küsschen auf die Wange.
100 – Meine Freundin gibt einem anderen Mann, den ich nicht kenne, einen Kuss auf den Mund.

Das Beispiel würde in der tatsächlichen Praxis noch eingehend darauf geprüft, ob die Abstände wirklich gleich sind. Der Sprung von 60 zu 70 ist möglicherweise zu groß, da müsste man dann individuell schauen.
Grundsätzlich aber halte ich Eifersucht für genau so störend und genau so irrational wie Angst, und ich halte beides für ähnlich gut therapierbar.
Nur leider gibt es bei Angst eben auch den sozialen Druck, dass man sich davon befreit – diese Motivation bei Eifersucht herzustellen ist schwierig. Besonders in einem Paar, wo die eine Partei sicher großes Interesse daran hätte, dass die andere nicht mehr eifersüchtig ist, aber ob die das dann auch so sieht…?

15.09.2005 18:30
0 Kommentare »
Allgemein

Na toll. Ich bin jetzt bei Lycos Platz 1 für den Suchbegriff “Freies Ficken“. Juchu.
Apropos: Bei Yahoo bin ich immerhin für “Freies Dating” auf Platz 1. Das ist ganz nett.
Und zwei Leute fanden über “bialf” hierher, und immerhin eine Person über “polyamory Kinder“.
Interessante Loganalysen… witzig, witzig.

Kaum ist man online, kommt man zu nix mehr…*seufz*

15.09.2005 16:34
0 Kommentare »
Allgemein

Haha! Der Mitbewohner, der sowas können könnte, konnte es wirklich können! Jetzt bin ich wieder online.
Puh.
Zum Glück konnte ich ja zwischendurch in der Uni ins Netz, aber es war trotzdem haarig.
Das hier fühlt sich guut an.

14.09.2005 14:28
0 Kommentare »
Allgemein

Eine Freundin von mir sagte, weil sie sich verliebt hat (oder vielleicht obwohl sie sich verliebt hat), folgenden Satz zu mir:

“Ich habe gar keine Lust auf eine Fernbeziehung.”

Auch einen fast umgekehrten Satz höre ich sehr oft.

“Ich hätte so gern mal wieder eine Beziehung!”

Ich frage dann immer gern
“Ja? Mit wem denn?”
und dann kommt häufig nichts.

“Ach, weiß ich auch nicht. Er müsste so und so sein, das wäre schön, und dann hätte ich wieder jemanden zum Kuscheln, der wäre einfach da.”

Mir fällt oft auf, dass die Menschen eine Beziehung wollen, und zwar einfach so, ohne Objekt. Wenn das Wort “Beziehung” ein Verb wäre, dann dürfte man es nicht so allein lassem. Oh, halt, es ist ein Verb. “Beziehen”.
Und es braucht ein Präpositionalobjekt.

“Ich möchte mich auf dich beziehen”
und nicht
“Ich möchte mich beziehen.”
Es braucht also ein Objekt (vielleicht ist es auch eine adverbiale Bestimmung… ich kann das gerade leider nicht recherchieren, weil ich das hier offline schreibe und gleich über Umwege hochladen werde…).

Ich glaube daran, dass man erst einen Menschen findet, und dann spürt “Oh! Der ist ja toll, der Mensch. Zu dem möchte ich eine besondere Beziehung aufbauen, ich würde ihn gern oft sehen, mit ihm telefonieren, ihn küssen und Sex mit ihm haben. Mich mehr auf ihn beziehen.” Dann hat man, wenn alles gut läuft, einen Beziehung gewordenen Mensch.

Seltsam dagegen finde ich “Ach, eine Beziehung wäre toll. Gemeinsame Zeit, telefonieren, küssen und Sex haben… Hmmm. Vielleicht mit dem Menschen da vorne? Ach ne. Aber vielleicht der daneben?”
Das ist nämlich die Mensch gewordene Beziehung.
“Igor! Sie lebt!! Sie LEBT!! MUAHAHAHA! Mit ihr können wir die Weltherrschaft an uns reißen, sie wird uns dienen, sie wird immer da sein, wenn wir sie brauchen, wir können mit ihr telefonieren und Sex mit ihr haben…”
Ich zumindest habe keine Lust, solche Anforderungen zu erfüllen…
Ich glaube sogar, dass eine solche Beziehung nicht gefüllt werden kann, weil die Person dann nicht mit mir, sondern mit ihrer Beziehung zusammen ist.
“Aber… Igor… sie hat ja gar kein Gehirn! Oh nein! Sie greift uns an!! AAHHH!”

Und, um den Rahmen wieder zu schließen, andersrum gilt das natürlich auch. Die Beziehung ergibt sich aus den Menschen. Wenn man weit weg voneinander wohnt, dann wird es wahrscheinlich eine Fernbeziehung. Aber wenn man halt verliebt ist, dann tut man einfach, was man tut.
Kann immer noch sein, dass es dann keinen Spaß macht, und die Entfernung nervt. Dann nichts wie weg! Aber erstmal kann man ja die Menschen Beziehung werden lassen.

14.09.2005 14:08
0 Kommentare »
Allgemein

Ich lese gerade Murakami (“Gefährliche Geliebte”), und wie schon geschrieben finde ich ihn nicht ganz so toll, wie scheinbar sonst alle Welt.

Aber er schreibt etwas am Anfang des Buches, das zu Zerpflücken sich lohnt. Er schreibt über eine Schulliebe, die stets etwas Besonderes bleiben sollte:

Lange Zeit nahm sie einen besonderen Platz in meinem Herzen ein. Ich hielt diesen besonderen Platz nur für sie frei, wie einen ruhigen Ecktisch in einem Restaurant, mit einem “Reserviert”-Schildchen darauf.
Haruki Murakami, Gefährliche Geliebte

Soso… Reserviert. Das Bild fand ich bedenklich und bedenkenswert. Man stelle sich vor, die Restaurantbesitzer würden das machen.

“Dieser Tisch dort ist für die Frau meines Lebens reserviert. Dort vorne sitzen meine Freunde, die ich noch von früher kenne. Hier, an der Theke, will ich zwei Plätze für Geschäftskontakte freihalten. Und da hinten in der dunklen Ecke darf ich nicht vergessen, immer Raum für ein, zwei Affären zu haben, man weiß ja nie”.

Und gelegentlich würden Gäste kommen. Von draußen haben sie Licht brennen sehen, sie schauten durch die Fenster hinein, und sie mochten, was sie sahen. Vielleicht hat auch das hübsche Schild, was der Wirt draußen angebracht hat, ein bisschen geholfen.
Jedenfalls kommen die Leute rein und wollen mit dem Wirt etwas trinken, vielleicht sogar etwas essen, und sie sind offen für Vorschläge bezüglich des Menüs. Sie setzen sich.

“Nein, Verzeihung, da können sie nicht sitzen!”
“Wieso das denn nicht? Das ist ein sehr schöner Platz hier…”
“Tut mir leid, da ist reserviert.”
“Ja? Aber hören Sie, es ist schon spät, heute kommt sicher niemand mehr… Wir wollen ja nur etwas trinken.”
“Nein, wirklich, das geht nicht. Tut mir sehr leid.”
“Hm. Und dort vorn, in der dunklen Ecke?”
“Oh. Ähm. Naja, eventuell… obwohl, nein, das geht leider auch nicht. Ist auch reserviert.”
“Auch reserviert? Hm. Ach, wissen Sie, das wird mir zu doof. Gegenüber war, glaub ich, auch noch Licht.”

Mal ganz abgesehen davon, dass die Metapher hinkt, weil es eben nicht nur einen Tisch am Fenster gibt, sondern so viele, wie man gerne hinstellen möchte (poly und so – ich verstehe, wie mir gerade bescheinigt wurde, Haurucki eh immer miss), möchte ich aufrufen, die “Reserviert”-Schildchen wegzutun. Und sich über Gäste zu freuen. Sonst muss man bald Insolvenz anmelden.

13.09.2005 16:31
0 Kommentare »
Allgemein

Ich bin offline… ich sitze gerade in der Uni und versuche, der Lage emotionell und substituierend Herr zu werden.
Gleich kaufe ich einen neuen Router, hoffentlich geht dann wieder alles.

Dabei hätte ich sogar eine Restaurantmetapher zu bloggen… aber hier in der Uni fühlt es sich komisch an.
Kommt dann bald. Vielleicht schon heute abend…