Archiv für September 2006


08.09.2006 12:01
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Ach, Kinder, was bin ich froh, die Sicherheitsdebatte wechselt die Richtung. Die Zeit titelt mit “Wie sichern wir unsere Freiheit”, bringt korrekterweise mäßigende Argumente in die Idee von einem Krieg gegen den Terror (den es nicht gibt, weil der Terror kein Staat ist, kein homogenes Ding, es kann nicht aufgeben und keine Waffenstillstände machen, weil es ein Moloch von Kriminellen und uninformierten Banausen ist).
Menschen wenden sich gegen die amerikanische Sicherheitspolitik, auch konservative Menschen in der Partei von George W., und hierzulande wird schon über das Verfassungsgericht gesprochen, bevor die Antiterrordatei überhaupt erklärt ist.

Gut so!

Was bin ich froh über das Verfassungsgericht. Bis auf ganz weniger Schnitzer in der Geschichte hat uns das oft in die richtige Richtung gesetzt, uns Deutsche meine ich jetzt (oho!).

Ach, nur kurz zur Meinungsklärung, warum ich darüber so froh bin. Weder gibt es absolute Sicherheit, noch absolute Freiheit. Im IT-Bereich spricht man dann von Sicherheit, wenn die Kosten für einen verbotenen Vorstoß höher sind als der mögliche Gewinn.
Deswegen braucht dieses Blog nur einen äußerst gubbeligen Passwortschutz, denn es will ohnehin niemand hier rein.
Ein Staat hat es da schwerer, denn der verteidigt Menschenrechte, Werte, Rohstoffe und Staatsgebiet. Und Leben. Da Leben unschätzbar wertvoll ist, kann es eigentlich nie Sicherheit geben. Der mögliche Gewinn ist in diesem Fall so unermesslich, dass die Kosten für den verbotenen Vorstoß gar nicht höher sein können.

Ergo muss man sich mit Kompromissen zufrieden geben. Meine Heimat zum Beispiel ist hübsch sicher. Ich kann auch hier überfallen werden, aber die Wahrscheinlichkeit ist gering, das genügt mir. Manche Menschen werden dann auch überfallen, das ist schlimm, aber ich bin der Meinung, dass die Gesellschaft das in Kauf nehmen kann. Es passieren halt Verbrechen, genau wie nunmal Menschen im Straßenverkehr sterben und von Hunden gebissen werden. Wenn wir uns für Autos und Hunde entscheiden, gehört dieses Risiko dazu. Wir sollten Airbags haben und Leinen, aber für ein gewisses Risiko haben wir uns entschieden.

Genauso ist es mit Kriminalität. Ja, ich will Gesetze und Strafen, die Kriminalität bekämpfen. Das sind die Airbags und Leinen. Aber ein gewisses Risiko bleibt, wenn Menschen zusammenleben. Und es wird bleiben, auch wenn jeder Fleck im Bundesgebiet videoüberwacht ist, wir alle Chips haben, die unsere Wege verfolgen und jeder Polizist mich erst überprüfen und dann für 30 Tage ins Kittchen stecken kann, wenn ihm danach ist. Auch dann bleibt ein Risiko.
Und da das sowieso bleibt, und durch die ganzen Maßnahmen oben Bürgerrechte in einem weitaus stärkeren Ausmaß eingeschränkt werden, bin ich gegen diese Maßnahmen.

Ein System ist dann sicher, wenn die Kosten für einen verbotenen Vorstoß den möglichen Gewinn übersteigen.
Ein System ist dann repressiv, wenn die Kosten (an Freiheit) des Bürgers den möglichen Gewinn (an Sicherheit) übersteigen.

07.09.2006 11:54
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Die Tatsache, dass mir Selbstbestimmtheit so gut gefällt, mag übrigens zu einem nicht unwesentlichen Teil damit zusammenhängen, dass ich in meinem Leben häufig abgeblitzt bin. Selbstbestimmte Frauen sind klassischerweise wenig bereit, sich in Abhängigkeiten zu begeben, und sehen vor allem auch gar keine Notwendigkeit dafür.

Das gleiche gilt selbstverständlich auch für Männer, namentlich für mich, sodas ich das zum Glück immer nur im Einzelfall schlimm fand, weil ich dann eben verliebt war, nicht aber grundsätzlich in einer Form von “Keine will mich”.

Insofern passt das schon alles. Dennoch bin ich sehr gespannt, in welcher Form ich dann beizeiten meine Beziehungen leben werde. Besonders eng wird sie jedenfalls sicher nicht, und Menschen werden oft fragen, ob denn alles gut sei, wir sähen uns so selten, wir täten so wenig zusammen.

Das wird super!

04.09.2006 15:26
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Am Wochenende war ich Kanu fahren, und unter den Kanuten waren mehrere Paare. Alles kein Problem, immerhin war ich in Begleitung der wunderbaren Frau, in die ich 1999 verliebt war, und von der ich bei jedem Treffen wieder merke, dass ich einen unglaublich guten Frauengeschmack habe. Freundlich und dem Leben zugewandt, und vor allem selbstbestimmt bis sonstdaher. Hach, es gibt kaum etwas, das ich an Frauen mehr schätze, als wenn sie ihr eigenes Ding machen und sich einen Dreck um alles kümmern. Gleichermaßen ist sie ein gutes Beispiel für den schönen Satz. Aber vor allem die Selbstbestimmtheit tut es mir immer wieder an.

Es gab auch das genaue Gegenteil auf der Tour. Ein Paar, er, der unter dem Deckmantel der Höflichkeit archaische Geschlechtsstereotype beheimatet (“Immer meine Frau zuerst, immer meine Frau zuerst”), und sie, die sich so dermaßen in ihre Rolle der Beschützenswerten, auf Händen zu Tragenden eingerichtet hat, dass sie gar nicht mehr merkt, wie ihr eigenes Leben ohne sie weitergegangen ist, auf der Suche nach jemandem, der es zu schätzen weiß.
Beide sind nette Menschen, aber die Beziehung, die sie führen – man könnte mich damit jagen, erschrecken und zur Bewusstlosigkeit prügeln.

In meinem Umfeld ist gerade eine Beziehung zu Ende gegangen, und auch diese Beziehung hätte ich nicht genommen, selbst wenn sie mir geschenkt worden wäre oder ich einen DVD-Player noch oben drauf gekriegt hätte. Auch hier zu viel Verstrickung, zu viel “ich für die andere” für meinen Geschmack. Ich bin wahrscheinlich keine große Hilfe gewesen, um dem Mädchen, das ich besser kenne, nach der Trennung zu helfen, weil ein nicht zu kleiner Teil von mir denkt: “Puh. Jetzt können die beiden wieder bei sich ankommen. Das wird bestimmt gut.”.

Aber ich weiß, dass sind meine Konstrukte, das sind keine Wahrheiten. Erzählenswert ist einzig, dass ich befürchte, jene anderen Konstrukte, also jene von Verschmelzung, Treue und wasweißichnicht, auch in mir zu haben. Ich sprach darüber mit der Frau, in die ich 1999 verliebt war, da wir beide unsere Freiheit schätzen, machen, was wir wollen, und Energie eher darauf verwenden wollen, unseren Liebsten zu erklären, warum uns etwas wichtig ist, anstatt darauf, es zu unterdrücken.
Und ich glaube, immer, wenn etwas anfängt, das beziehungsähnlich ist, beginne ich, die komischen Konstrukte zu aktivieren, weil ich ständig um mich herum Beziehungen sehe, die so funktionieren. Oh, ich sollte mal anrufen, herrje, ich sollte mir etwas Tolles ausdenken, damit es schön wird, hoppla, ich sollte meine Wünsche zurückstellen, und fragen was sie gern tun würde.

Näät! Falsch!

Da muss ich mehr drauf achten. Es macht ziemlich viel Sinn, in einer Beziehung man selbst zu bleiben, sonst wundert sich der Partner, mit wem er eigentlich gerade die Beziehung führt, und wo zur Hölle die Person hin ist, mit der der Anfang so schön war.