Archiv der Kategorie: Allgemein

17.08.2005 13:39
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Ein Satz aus dem Buch, der einen essentiellen Teil meiner Weltsicht in einer Deutlichkeit zusammenfasst, die sowohl bislang mir wie auch den Möglichkeiten des Deutschen irgendwie fehlt.

Own your feelings.

Damit ist gemeint, dass beispielsweise die Eifersucht, die man empfindet, immer die eigene Eifersucht ist. Die Wut immer die eigene Wut und die Angst immer die eigene Angst.
Es ist leicht, die Schuld irgendwo zu suchen und sogar zu finden, denn Auslöser gibt es immer. Zudem kann man dann verlangen, dass besagte Person etwas ändert, und man selber kann schön so weitermachen wie bisher.

Aber Auslöser gibt es für alles. Wir sind kleine Teile in einem unermesslich komplexen System, freier Wille ist auf verschiedenen Betrachtungsebenen illusorisch, aber (um mal ein bisschen Existenzialismus einzubringen, das ist ja modern) dennoch sind wir das (und nur das), was wir aus uns selbst machen.
Das bedeutet (auf den jeweils anderen Betrachtungsebenen), dass wir viel Verantwortung haben, aber dadurch eben auch viel Freiheit.

Ein Mädchen aus meiner Vergangenheit hat mir darüber viel beigebracht, als sie mir einige Tage nach einer schönen gemeinsamen Nacht sinngemäß folgendes sagte.
“Du, J., ich habe mich, glaub ich, in dich verliebt”
“Echt? Das ist ja schrecklich! Ich mich nicht in dich…”
Man merkt schon, das ist ne Weile her… muss 2000 gewesen sein.
Sie antwortete jedenfalls, und zwar ohne jede Bitterkeit, die man leicht hineininterpretiert, wenn man es liest, sondern mit einer großen Ruhe und, ja, Liebe wohl:

“Das ist überhaupt nicht schrecklich. Eigentlich ist es schön, verliebt zu sein. Und überhaupt ist das auch meine Sache. Ich wollte nur, dass du es weißt.”

“Own your feelings” bezieht sich nämlich auf negative wie positive Gefühle gleichermaßen.
Und das passt sehr gut zu dem Gedanken, dass man ohnehin von allen anderen Menschen abgeschnitten ist, dass wir unverbindbar getrennt sind.
Wenn das so ist, wie sollten denn auch bitte andere Leute für meine Gefühle verantwortlich sein?

PS: Übrigens ist dies der 222. Beitrag in meinem Blog, und 222 war damals die ungewöhnlich kurze Telephonnummer meiner ersten Freundin, dem Mädchen, das mir gezeigt hat, dass ich liebenswert bin, und bei dem ich unglaublich viel falsch gemacht habe. Bei dem ich ein mieser Liebhaber, eine ungeheure Klette und nie zufrieden war, und nämlich immer sie verantwortlich gemacht habe.
“Hey, ich liebe dich, mach irgendwas!”
Und ich bin ihr sehr dankbar für diese Zeit, und sie ist nach wie vor eine meiner Referenzfrauen, an der sich alle Frauen messen lassen müssen, und eine Zeitlang hat sie auch hier gelesen, und ich hätte gern, dass sie das weiß. Dank dir, liebe Liebe von 99. Bei dir hab ich auch viel gelernt. “Own your feelings” leider erst nach unserer Zeit.

16.08.2005 18:24
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Die schlauen Autorinnen beschreiben ein spannendes Phänomen, was ich wohl auch kenne.

Wenn man beim freien Lieben auf die Nase fällt, wenn also eine offene Beziehung nicht gut läuft, Affären in die Brüche gehen oder derlei, dann heißt es “Siehste? Das klappt eben nicht mit dem freien Lieben”.

Wenn dagegen beim geschlossenen Lieben etwas schiefgeht (und an anderer Stelle werden ja ständig Scheidungszahlen und Alleinerziehende zitiert), dann ändert das nichts an der Sicht des Konzepts, nein, häufig wird damit sogar die Richtigkeit und Hochrangigkeit des Konzepts bewiesen.

In der Logik, die ich ja im Beitrag vorher nur so mitteldeutlich eingebunden habe, nennt man das Ab uno disce omnes, von einem aufs Ganze schließen…
Ausnahmen bestätigen die Regel, und sobald es eine Regel gibt, bestätigt somit eben alles was abweicht, das, von dem es abweicht.

16.08.2005 11:07
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Also, ich stelle fest, das besagte Buch legt den Schwerpunkt schon eher auf freie Liebe, wie es halt klassisch gemeint war; die beiden Autorinnen waren jung, als 1969 dran war, und sie propagieren viel offenen Sex.

Nun bin ich ja ausgesprochen körperlich (und begrüße auch erstmal alles, was da Grenzen aufmacht, sodass ich das in Ruhe sein kann), meine Libido aber ist nur phasenweise hungrig, und Sex as in Penetration ist ganz im Gegensatz zu Haut und Atem weniger reizvoll für mich.

Aber!
Beziehungsweise 2 aber: Erstes Aber: Ich finde es trotzdem gut, wenn freie Sexualität herrscht. Zweites Aber: Es gibt einen Satz, den ich jetzt gelesen habe, der schlicht brillant ist.
Gerade nachdem ich mich ja letztens frug, was man mit Leuten machen kann, die hohe Mauern um ihre Gärten haben, und bis auf “Lieb haben” nicht viel wusste, fand ich es spannend, wie befreiend und energetisierend die Autorinnen Sex hier beschreiben.

We have never met anyone who had low self-esteem at the moment of orgasm.

Guter Punkt. Der Wissenschaftler in mir kritisiert den möglichen logischen Fehlschluss (Bejahung des Konsequens: Wenn A → B und B, dann muss A vorliegen, was Quatsch ist; Die Prämisse A → B hieße also Wenn guter Selbstwert, dann guter Orgasmus. Hier wäre B der Orgasmus, der guten Selbstwert (A) bedeutet, so darf man aber nicht schließen , richtig wäre der Modus Ponens. Oder die Prämisse A → B stimmt schon nicht…), aber der Laie nickt anerkennend für einen schlauen Gedanken.
Und bei der Person, um die es in dem Gartenmauerpost ging, die ich schon bei Sexualität erleben durfte, stimmt es auch. Die war sehr selbstbestimmt (fast frech) und irgendwie bei sich, als es körperlich wurde, das war sehr schön.
Und hatte mich damals schon dazu bewogen, ihr zu raten, sie solle mehr von dem, wie sie im Bett ist, mit ins Leben nehmen.

Eventuell sollten wir alle das mehr tun. Nein, stopp, keine allgemeinen Aussagen, das ist feige und sowieso völlig durchsichtig.
Eventuell sollte ich das auch mehr tun.

15.08.2005 14:31
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Das Buch ist gekommen! “Die ethische Schlampe”…
Stoßseufzer der Erleichterung durchfuhren mich schon beim kurzen Überfliegen.
Aus dem 3. Kapitel, Myths about sluts

  1. Long-term relationsships are the only real relationships
  2. Sexual desire is a destructive force
  3. Loving someone makes it OK to control his behavior
  4. Jealousy is inevitable and impossible to overcome
  5. Outside involvements reduce intimacy in the primary relationship and impede problem-solving
  6. “Swept away by love” (the Hollywood myths)

Mythos 2 ist wohl eher im US amerikanischen Raum relevant, Mythen 1, 4 und besonders 5 und 6 begegnen mir aber auch oft, und zwar zum Einen äußerlich, als Kritik oder Unverständnis von dem, was ich so denke, glaube und von mir gebe, zum Anderen innerlich, weil ich natürlich auch “vernünftig” erzogen wurde (habe ich schon erwähnt, dass meine Mutter mir die Kurzgeschichtensammlung von Haruki Murakami einschließlich dieser 100%igen Mädchen-Geschichte geschenkt hat, mit den Worten “Ich dachte, so als Projekt fürs nächste Lebensjahr, weil du sie ja noch nicht gefunden hast”. Sie. Wenn ich das schon höre. *seufz*).

Das wird super… Gleichzeitig hab ich mir noch ein Buch über guten Cunnilingus gekauft. Das wird sicher auch irgendwann super.

14.08.2005 22:57
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Vor einiger Zeit und gerade eben hatte ich jeweils ein sehr gutes Gespräch. Über Ersteres bloggte ich schon, allerdings über einen anderen Aspekt als jetzt, in Zweiterem dachte ich, dass Teile der Gespräche zusammengehören.
Gerade weiß ich nicht mehr so recht, wie ich das wohl meinte, aber ich fang einfach mal an.

In dem Gespräch wurde ich, recht unvermittelt und plötzlich, gefragt, woran ich merke, wenn ich jemanden liebe.

“Woran merkst du, wenn du jemanden liebst?”

Da kann man wirklich ne Weile drüber nachdenken. Ich tat das, witterte schon Stoff fürs Blog, und antwortete ungefähr sowas:
“Ich glaube, an der Freude. An der Freude über Dinge, die nicht direkt dazu gedacht waren, Freude zu machen”.
Dabei dachte ich an den Mund von Paikja, der oft so seltsame Sachen macht, an das Lachen des Mädchens, mit dem ich das zweite gespräch führte und an dieses seltsame Zungendings, was das Mädchen von unter der Stadtautobahnbrücke beim Sprechen macht. Alles Dinge, die nonintentional geschehen, und über die ich mich sehr freue.
Jetzt formuliert der Psychologe in mir zwei Kausalrichtungen:

  1. Ich freue mich über diese Kleinigkeiten, weil ich diese Menschen liebe (im weitest möglichen Wortsinn, bevor jemand Angst bekommt)
  2. Ich liebe diese Menschen, weil mir diese Sachen Freude machen

Tja. Als Psychologe muss ich da erstmal ein entschiedenes “Beides” rufen und direkt im Anschluss kapitulieren.
Ist ja auch egal, als Indikator braucht es keine Kausalität. Daran merke ich das auf jeden Fall. Und weil ich ja einen Narren an dieser Unterteilung der Liebesfähigkeit in kognitiv, emotionell, körperlich und spirituell gefressen habe, liegt es nahe, sie auch hier vorzunehmen.
Ich kann diese Freude an einem Gedanken, einem Gefühl, einer Geste (wie oben) oder einer seelischen Verbundenheit haben.
Wie man merkt, bin ich da eher körperlich ausgelegt (und sehr auf Münder… wusste ich noch gar nicht), und ich freue mich meist an so trivialen Dingen wie dem Schwung eines Lids oder dem Schatten in der Drosselgrube (die Vertiefung am oberen Ende des Brustbeins – und es gefällt mir sehr zu wissen, dass mindestens jede 2. Person, die dies liest, sich jetzt dort hinfasst und sich vielleicht ein bisschen schön findet).

So. Mittlerweile ist mir auch wieder eingefallen, wie ich diese zwei Themen hier zusammenbringen will.

Das zweite Thema ist die soeben hart erarbeitete Unterscheidung zwischen Erkenntnis und Erlebnis. Besagte Freundin und ich, beide bekennende und unterschiedlich intensiv Besserung gelobende Kopfmenschen (ich intensiv, sie unterschiedlich), können tage- bis wochenlang über Dinge nachdenken, müssen aber beide leider feststellen, dass das trotzdem manchmal nichts bringt.
Da, so wurde klar, kommen dann so Dinge ins Spiel, wie Meditation, Trance oder Tantra oder so.
All das sind Beispiele für Erlebnis, very opposed to Erkenntnis. Nicht der Gedanke ist das Gefährt, sondern die Erfahrung, das tatsächliche Erleben und Begreifen.
Wir kamen darauf, weil sie mich fragte, was denn bitte ein offener Mensch eigentlich sei, ob das nicht nur Phrasengedresche und überhaupt.
“Wenn jemand nicht nur Ereignisse erzählt, sondern auch Erlebnisse”, antwortete ich.
Und dann halt über ein paar Ecken von Ereignissen, von denen man berichtet, möglichst geistreich, zur Erkenntnis. War nicht mehr weit.

So, jetzt zur Synthese. Naja, vielmehr zum gemeinsamen Teil dieser Geschichten.
Ich glaube ja eigentlich, und das straft dieses ganze Blog mit dem großen dunkelschwarzen Etikett der Nichtigkeit, dass man irgendwann mit Denken nicht mehr weiterkommt. Dann muss man einfach leben.
Und diese kleinen Momente, wo ich in Situationen, Gesten, Geräusche oder Eindrücke so verliebt bin, wo sich mir Menschen durch eine Kleinigkeit irgendwie in der Ganzheit erschließen, diese kleinen Momente sind Erlebnisse, sind sehr intensiv und sind letztlich das, worüber ich mehr vom Lieben erfahre.
Sind, wie konnte ich das auslassen, ganz wunderbare Erliebnisse.

13.08.2005 19:09
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Zwischen Psychologie und Medizin gibt es einen Grabenkampf – der Graben wird kleiner, aber noch trennt man Seele und Körper ziemlich rigoros.
Ich bin, und glücklicherweise stehe ich da nicht alleine mit, der Meinung, dass das das Gleiche ist. Hungergefühl geht einher mit dem Vorhandensein von bestimmten Botenstoffen. Jetzt heißt es oft, diese Botenstoffe lösen Hunger aus, aber das ist Unfug, das eine ist eben chemisch / physisch, das andere seelisch.

Bei Descartes hieß das dann res extensa (Welt der Objekte) und res cogitans (Welt der Ideen).
Aber, finde ich, es ist halt doch die gleiche Welt. So wie der Quelltext dieser Seite und die Botschaft dieser Seite halt auch untrennbar verbunden, und nur 2 Seiten der gleichen Medaille sind, so sind auch psychisches Erleben und physische Prozesse zusammengehörig.

Ocytocin, hier im Hintergrund zu sehen, ist ein res extensum der Liebe.
Zuerst spielt es bei der Geburt eine Rolle: Es löst Wehen aus (deswegen wird es manchmal auch künstlich verabreicht), wird aber auch ausgeschüttet, wenn die Mutter ihr Kind säugt und offenbar auch (wir wechseln jetzt das Thema), später, beim Sex und überhaupt bei sozialem Kontakt zu Mitmenschen.

Das finde ich schön. Wo ich doch letztens für mich entschieden habe, dass mir Menschen gut tun, dass ich mich sehr mit mir selbst assoziiert fühle, wenn ich liebe Menschen um mich habe, weiß ich jetzt auch, wie mein Körper das ausdrückt: Er gibt mir Oxytocin.

So. Wieder was entzaubert. Boing.
Aber irgendwie gefällt es mir, beide Seiten zu kennen… und dadurch auch ein bisschen ruhiger sein zu können, sich der Welt ein bisschen weniger ausgeliefert zu fühlen.

13.08.2005 14:58
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Nicht nur hat ein neuer Suchstring jemanden zu diesem Blog geführt – es war “Multiple Orgasmen beim Mann”, wobei ich mal wieder sicherlich keine große Hilfe war… Beckenbodenmuskeln trainieren und Squeezetechnik, guter Mann, ich übe auch noch! – nein, nicht nur das, ich habe dann mal das Wort “lieben” eingegeben, und siehe da, bei Yahoo bin ich dafür auf Platz 5!

Dumm nur, dass jeder normale Mensch Google benutzt. Und dass alle nur nach Sex suchen. Hier nochmal meine Suchanfragen:

  1. multiple orgasmen beim mann
  2. sexhungrige frauen
  3. bilder sex im freiem
  4. liebesvertrag
  5. kann man zu sehr lieben
  6. was muss mann tun bei sex

Aber ich bin trotzdem froh.

13.08.2005 13:13
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Freedom’s just another word for nothing left to lose.
Janis Joplin

Dieses Zitat ist keines, was meine Gedanken gut widerspiegelt, sondern was mich immer wieder wundern macht (fieser Anglizismus, Entschuldigung).

Einerseits klingt es irgendwie bitter, klingt nach “Dass, was du Freiheit nennst, ist im Grunde nur der Mangel an irgendetwas, an das zu binden sich lohnen würde”.
Andererseits klingt es sehr wahr, kann verstanden werden als “Besitz macht unfrei”, ganz schlicht, oder als “Freiheit heißt, nichts verlieren können, weil man ohnehin nichts hat”.
Besonders letztere Definition gefällt mir. Meine Freunde sind nicht meine Freunde, die Welt ist nicht meine Welt, selbst meine Identität ist weniger stabil, als ich das gerne hätte. Und wenn ich eigentlich nichts, aber auch gar nichts, mein eigen nennen kann, dann kann ich ja auch nichts verlieren.

Das Lied, in dem Janis Joplin das singt, heißt Me Bobby McGee, und geht über Bobby, der Janis wohl verlassen hat.

Freedom is just another word for nothing left to lose,
Nothing, that’s all that bobby left me, yeah,

Klingt in der Tat eher bitter. Andererseits heißt es dort auch:

Nothing don’t mean nothing honey if it ain’t free.

Ich interpretiere die doppelte Verneinung als verstärkend, sodass diese kryptische Zeile wohl heißen soll: Nichts bedeutet irgendetwas, wenn es nicht frei ist.

Und so ist der Text von Janis Joplin ähnlich voller Widersprüche, wie das Thema Lieben nunmal ist. Frei fühlt man sich dann, wenn man verlassen ist. Aber wenn man sich nicht frei fühlt, fühlt man sich sich selbst nicht mehr nah. Und so weiter.
Ich habe mir ein Buch bestellt, in dem alternative Liebensformen diskutiert werden oder so (offenkundig geht’s da auch viel um Sex), auf Anregung von der Ideenjongleurin. Man darf gespannt sein.

08.08.2005 15:18
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Everything you own ends up owning you.
Tyler Durden in Fight Club

Fight Club kann man ja fast als bekannt vorraussetzen. Und sollte er nicht bekannt sein, werde ich dennoch nichts schreiben, weil er so ungeahnt verläuft, dass ihn zu spoilen völlig unverantwortlich wäre.

Apropos unverantwortlich: Fight Club wurde von Fox produziert, einem ziemlichen major Ding, sodass man sich durchaus wundern kann, was die mit einem solch sperrigen Film gemacht haben.
Der Verantwortliche bei Fox namens Bill Mechanic wusste das, aber er glaubte an den Film; nicht unbedingt, dass er Geld einbringen würde (er hat angeblich 26 Millionen Dollar Miese gemacht, Werbekosten noch nicht eingerechnet), aber dass es ein guter Film werden würde.
Deswegen hat Bill Mechanic dem Chef von Fox Rupert Murdoc, nichts davon erzählt (er hatte wohl viel Entscheidungsgewalt intus), bis es zu spät war, um den Film noch zu stoppen.

Bill Mechanic arbeitet jetzt nicht mehr bei Fox, sondern hat sich nach dem Rausschmiss selbständig gemacht.

Aber zurück zum Zitat. Tyler Durden (gespielt von Brad Pitt) sagt das zum Protagonisten (Edward Norton), und ich glaube, bin aber nicht sicher, er sagt es, als die Bude des Protagonisten abbrennt.

Für mich hat es, natürlich, was mit Lieben zu tun. Wie ich im Intro schreibe, sollte Lieben kein Besitzen sein.
Manchmal reagiere ich sogar schon allergisch auf “mein Freund”, aber das ist übertrieben, das weiß ich auch.
Aber häufig läuft so Besitzscheiße, die ich schrecklich finde, schon zum Zuschauen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es besser finde, wenn es mir widerfährt.
Ganz schlimm zum Beispiel finde ich es, wenn ich mich mit dem einen Partner kebbel, wir uns ein bisschen anfoppen, alles fein und spaßig ist, und der andere Partner dann meint, verteidigend eingreifen zu müssen, häufig auch auf einer härteren Ebene, ebenfalls häufig so, dass ich rausgeschmissen werde aus der Situation (Perfektes Beispiel: “Soll ich ihm die Eier abreißen?” Hab ich schon gehört. War als Spaß gemeint, aber ich finde es durchaus ziemlich hart).
Etwas verständlicher, aber ebenso nervig, ist es, wenn ich schäkere, ein bisschen flirte, aber wirklich auf deutlich nett gemeinte Art, und in Anwesenheit des Freunds, und er dann meint, nen Spruch raushauen zu müssen, um mich in meine Schranken zu verweisen. Ebenso wie bei Kebbeleien richten sich die Sprüche gern an die Angebetete.

Einmal geht es also ums Besitzen von Menschen. “Nein, wir haben heute keine Zeit” gehört auch dazu. Als wenn die Entscheidung für einen Menschen nur ginge, wenn man dafür Entscheidungsmacht abgibt.

Globaler geht es um das Besitzen der Liebe. “Ich habe meine große Liebe gefunden” meint primär den Partner, aber offenkundig ist das Gefühl in einem selber, und man ist (völlig zu Recht) froh über dieses Gefühl, und will es gern behalten.
Dazu gehört auch die Vorstellung, dass man die Liebe, die man spürt, von einem anderen Menschen bekommt, sie also nicht wirklich Teil von einem ist, sondern irgendwie implantiert, und dass man hart arbeiten muss, um sie zu behalten. Abhängigkeit und so.

Im Deutschen gibt es eine schöne Passivform, die meine Schwierigkeit mit dieser Denke verdeutlicht.
Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich.
Dann bist du besessen.

Im Übrigen habe ich leider keine Ahnung, wie man sich von diesem Besitzdenken frei macht. Vielleicht ist jener Umkehrschluss, den Tyler Durden uns erklärt, ja schon hilfreich. Wenn du etwas an dich bindest, jemandem Freiheit nimmst, gibst du auch deine eigene Freiheit.
Die meisten Leute, mit denen ich über freies Lieben spreche, können sich sehr gut vorstellen, für sich selber die Freiheit in Anspruch zu nehmen, finden es aber schwierig, sie jemandem zuzugestehen.
Sich da klarzumachen, dass all das, was man in die Welt hineingibt, aus der Welt zurückkommt, dass also, wenn ich jemandem seine Freiheit lasse, er sie mir auch lassen wird, oder eben in der Negativform des Zitats, ist eventuell ein guter erster Schritt.

05.08.2005 12:11
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Ich hab mir im Urlaub überlegt, dass ich mal die Zitate erläutern könnte, die ich da unten links so einblende.
Immerhin erschließt sich nicht bei allen der Bezug zum Lieben, manche widersprechen sich in gewisser Weise. Also los.

“What’s in the box?”
“Pain”
Frank Herbert, Dune

Den Film Dune kennen viele. Dahinter stecken 6 Bücher, eigentlich 7, wenn der Autor nicht zu früh gestorben wäre, und sie sind brillant. Wirklich unglaublich. Die Hexalogie erstreckt sich über mehrere 1000 Jahre, was ich allein schon cool finde, und das sogenannte Duniverse ist lebendig, kompliziert, politisch und… denkbar. Genau. Alles macht Sinn.

Ich stehe nur bedingt auf Science-Fiction. Gut, ich mag das meiste irgendwie, habe Spaß an Raumschiffballereien und verrückten Ideen, aber nie hat mich etwas so sehr in den Bann gezogen wie Dune von Frank Herbert.

Das besagte Zitat stammt aus dem ersten Buch, in dem Paul Atreides, Sohn des Duke Leto II Atreides, mit der Reverend Mother Gaius Helen Mohiam spricht.
Die Reverend Mother gehört der Bene Gesserit Schwesternschaft an, die ein Zuchtprogramm haben, um die Menschheit nach ihrem Willen zu formen. Sie behaupten, dieses Formen sei essentiell, um den Genpool zu retten, aber es wird nie wirklich klar, ob sie nicht einfach nur machthungrig sind.
Diese Schwesternschaft hat bereits große Macht. Beispielsweise können die “voll entwickelten” Reverend Mothers jeden Muskel ihres Körpers willentlich steuern, können andere durch “Voice”, einer bestimmten Stimmlage, die etwas im Cerebellum anspricht und den Cortex umgeht, manipulieren und auf die Erinnerungen ihrer weiblichen Vorfahren zurückgreifen. Allerdings nur die weiblichen.

Für ihr Zuchtprogramm, und für die Schwesternschaft, züchten sie den Kwisatz Haderach (seit etlichen Jahrhunderten). Dieser kann sowohl die weiblichen wie auch die männlichen Erinnerungen nutzen.

Paul Atreides ist wahrscheinlich dieser Kwisatz Haderach, und um seine Menschlichkeit zu testen, sucht die Reverend Mother ihn auf, und zwingt ihn dazu, seine Hand in eine unscheinbare schwarze Kiste zu legen.

“What’s in the box?”
“Pain”

Wenn Paul die Hand drin lässt, besteht er den Test. Andernfalls stirbt er.
Das Leid ertragen zu können, mit dem Geist, der weiß, dass es nur Schmerz, kein Schaden ist, über den Körper zu triumphieren, der spürt, wie das Fleisch der Hand langsam verbrennt, das ist Menschlichkeit für die Bene Gesserit.
Leben ist leiden, heißt es übrigens bei den Buddhisten.

Mir gefällt diese Szene. Erstens ist sie unheimlich cool. Zweitens hat sie, und deswegen steht sie hier, viel mit dem zu tun, was ich übers Leben denke. “And be hurt some more” beschreibt für mich ja bekanntermaßen sehr gut, was Lieben ausmacht. Dass man sich, obwohl es schlimm sein wird, immer wieder dafür entscheidet.
Und das gilt halt nicht nur fürs Lieben, sondern für alles.
Mensch sein ist anstrengend. Das Leben läuft nie, wie man es haben will. Dem Fleisch (ich verstehe das etwas weiter, nicht nur Körper, sondern auch einfach “uns”) widerfahren Dinge, die wir nicht haben wollen, aber wir haben die Fähigkeit, sie hinzunehmen, und weiter zu machen.
Etwas anderes bleibt uns ohnehin nicht übrig. Wir können die Welt nicht ändern, wie können nur ändern, wie wir die Welt sehen. So wie Paul den Schmerz nicht ändern kann, sondern nur, wie er den Schmerz sieht.

Wenn Zeit nicht linear ist, was ich glaube, dann kann man zu jedem gegebenen Zeitpunkt ohnehin nur zurückschauen und sagen “Gut, dass alles war, wie es war. Sonst wäre ich jetzt nicht ich”.

Und diese Fähigkeit, die natürlich auch mit ein Grund ist, warum ich Therapeut werde, weil ich halt glaube, dass Menschen es schaffen, ihre Hand in die Box zu legen, und den Pain auszuhalten, den das Leben für sie bereithält, diese Fähigkeit der Menschlichkeit, diese große, schlimme Emotion, die da mitschwingt, und die alles drumherum aufwertet (ihr wisst schon, so wie die Nacht auch den Tag aufwertet), die steckt für mich in diesen Worten.

Paul fragt im Anschluss:

“And that’s all there is to it – pain?”
“I observed you in pain, lad. Pain’s merely the axis of the test. [...] Our test is crisis and observation.”

Krise und Beobachtung. Wie sehe ich die Welt, wenn es schlimm ist. Ganz genau das ist der Punkt.